- VonPhilipp Bräunerschließen
Die Fraktionsvorsitzende der Hessen-CDU Ines Claus will offenbar stellvertretende Bundesvorsitzende werden. Das kann Merz in die Bredouille bringen.
Berlin – Die Suche nach einem Nachfolger für den zum Generalsekretär aufgestiegenen Carsten Linnemann droht für Friedrich Merz unangenehmer zu werden als gedacht. Nachdem er sich, wie die SZ berichtet, zuletzt mit Blick auf den bisher einzigen Kandidaten Karl-Josef Laumann gegen die Kritik an einer NRW-Übermacht in der Bundes-CDU erwehren musste, bekommt letzterer nun offenbar auch noch Konkurrenz.
Machtkampf in der CDU: Posten als stellvertretender CDU-Vorsitzender bleibt umstritten
Übereinstimmenden Medienberichte zufolge hat die Fraktionsvorsitzende der CDU in Hessen Ines Claus Interesse an einer Kandidatur für einen Posten als stellvertretende Bundesvorsitzende geäußert. Claus Kandidatur könnte Merz nun aus einer anderen Richtung Probleme einhandeln. Steht die 45-Jährige als einzige Frau an der Spitze einer CDU-Landesfraktion doch für den beim Bundesparteitag 2022 verkündeten Kurs, die Partei jünger und weiblicher zu machen. Sollte ihre Kandidatur scheitern, könnte dies als fatales Zeichen wider den Selbstanspruch gedeutet werden.
Seit 2020 ist Claus Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten im Wiesbadener Landtag, erst im Januar wurde sie mit 42 zu drei Stimmen im Amt bestätigt. Dass Friedrich Merz viel von Claus als Politikern hält, hat er jüngst selbst öffentlich klargemacht. Nachdem Sieg bei der Landtagswahl in Hessen lobte er sie laut Spiegel für ihren Beitrag bei dem „überragenden Wahlsieg“.
Zwei weitere Frauen stehen zur Wahl für stellvertretenden Vorsitz der CDU
Neben Laumann stehen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, die Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und Silvia Breher sowie Schleswig-Holsteins Wissenschafts- und Bildungsministerin Karin Prien zur Wahl. Alle vier sind aktuelle Stellvertreter des Parteivorsitzenden, gewählt wird beim CDU-Bundesparteitag am 6. Mai in Berlin.
Sollte Merz die Personalfrage letztendlich zu heikel werden, könnte er sich an einem Rezept aus der Trickkiste der CDU bedienen. Denn als es vor dem Bundesparteitag der Christdemokraten 2012 ebenfalls zu einem Posten-Gerangel zu kommen drohte, wurden einfach die Plätze der Vizes von vier auf fünf erhöht. Mit Claus als Nummer sechs wäre dann letztlich auch das Geschlechterverhältnis wieder ausgeglichen. (pkb)
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