- VonMax Nebelschließen
Trump und Putin, beide mit gegensätzlichen Herangehensweisen, treffen sich in Alaska. Ihre bisherigen Gespräche lassen wenig Fortschritt erwarten.
Anchorage – Am 15. August wird Alaska zur Bühne eines geopolitischen Treffens, das weltweit mit Spannung und Skepsis verfolgt wird. US-Präsident Donald Trump empfängt den russischen Machthaber Wladimir Putin in Alaska zu einem bilateralen Gipfel – dem ersten persönlichen Kontakt seit über sechs Jahren. Was als Chance für Fortschritte im Ukraine-Krieg verkauft wird, erscheint vielen Beobachtern wie ein riskantes Experiment, belastet durch eine lange Geschichte ungewöhnlicher, teils bizarrer Begegnungen.
Putin und Trump in Alaska: Historie bizarrer Treffen wirft Schatten für Gipfel voraus
Der ehemalige französische Präsident François Hollande, der Putin während der Minsker Friedensverhandlungen 2015 erlebte, warnt in der Financial Times (FT) scharf: „Putins Technik ist professionelles Lügen.“ Er beschreibt den Kremlchef als Meister der Verzögerung, der jede Gelegenheit nutzt, um geopolitische Prozesse zu seinen Gunsten zu strecken.
Donald Trump hingegen gilt als „emotional“ und wirkt überzeugt davon, allein mit Charisma und spontaner Gesprächsführung politische Durchbrüche zu erzielen. Eine Mischung, die in der Vergangenheit jedoch oft zu diplomatischen Schieflagen führte.
Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern




Treffen von Trump und Putin: Ein Muster der Intransparenz seit 2017
Schon das erste große Zusammentreffen von Putin und Trump am 7. Juli 2017 beim G20-Gipfel in Hamburg sorgte für Stirnrunzeln: Trump konfiszierte nach dem Gespräch die Notizen seines Dolmetschers, um jede interne Analyse zu verhindern, schreibt die FT. Experten werten diesen Schritt als bewusste Abkehr von diplomatischen Standards, die Transparenz und institutionelle Absicherung erfordern.
Im November desselben Jahres, bei einem Treffen am Rande des APEC-Gipfels in Da Nang (Vietnam), stellte Trump sich dann demonstrativ hinter Putins Dementi einer Einmischung in die US-Wahl – und widersprach damit offen den Einschätzungen seiner eigenen Geheimdienste. Die US-Geheimdienste hatten zuvor bekannt gegeben, dass Putin persönlich die Beeinflussung der US-Wahl befohlen haben soll, um die Siegchancen für Hillary Clinton zu schmälern und die von Trump zu fördern.
Trump schockiert bei Treffen mit Putin 2018 in Helsinki: Washington war erschüttert
Das Muster Trumps, Putins Narrativen öffentlich zuzustimmen, setzte sich später fort. Das Gipfeltreffen von Trump und Putin am 16. Juli 2018 in Helsinki gilt als einer der umstrittensten Momente der jüngeren US-Außenpolitik. Vor laufenden Kameras stellte Trump auch dort die Erkenntnisse der US-Geheimdienste infrage, nachdem Putin mit unbewegter Miene jede Einmischung bei den US-Wahlen bestritten hatte. Selbst Parteifreunde Trumps reagierten empört.
Auch spätere Kontakte von Putin und Trump blieben ungewöhnlich: In Buenos Aires im November 2018 wich Trump von offiziellen Formaten ab und sprach ohne US-Beamte allein mit Putin. Fachleute kritisierten damals, dass solche Gespräche dem Risiko einseitiger Darstellung durch Moskau ausgesetzt seien.
Überblick der Treffen von Trump und Putin
| Datum | Ort / Anlass | Hauptthemen | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| 07.07.2017 | Hamburg (G20-Gipfel) | Syrien, Ukraine, Cyberangriffe | Sehr lange Dauer (über 2 Stunden), nur wenige Teilnehmer; Dolmetscher-Notizen wurden nicht offiziell weitergegeben, Spekulationen über Trumps Rückhaltung bei Wahlthema |
| 10.11.2017 | Da Nang, Vietnam (APEC-Gipfel) | Nordkorea, militärische Spannungen; US-Wahl 2016 | Trump erklärte öffentlich, Putin habe die Einmischung bestritten – und er glaube, Putin meine das ernst; Widerspruch zu US-Geheimdiensten |
| 16.07.2018 | Helsinki, Finnland (offizieller Gipfel) | Wahlinterferenz, Syrien, nukleare Abrüstung | Gemeinsame Pressekonferenz, bei der Trump öffentlich den US-Geheimdiensten widersprach und Putin verteidigte („I don’t see any reason why it would be Russia“) |
| 30.11.2018 | Buenos Aires (G20-Gipfel) | Kein offizielles Treffen, nur kurzes Gespräch am Rande | Offizielles Treffen abgesagt wegen Ukraine-Krise (Kerch-Zwischenfall); dennoch inoffizieller kurzer Austausch ohne US-Beamte |
| 28.06.2019 | Osaka, Japan (G20-Gipfel) | Iran, Syrien, Venezuela | Trump scherzte vor laufenden Kameras zu Putin: „Don’t meddle in the election“ (mit erhobenem Finger) |
| 15.08.2025 | Alaska (genauer Ort noch unklar, evt. Anchorage) | Ukraine-Krieg | Evt. kein ukrainischer oder EU-Vertreter vor Ort |
Quellen: DW, SZ, BBC, NYT, Guardian, Reuters, Unian, ABC News.
Ukraine-Krieg im Fokus, aber Ukraine außen vor? Sorgen in Kiew und Europa
Für den anstehenden Alaska-Gipfel von Trump und Putin sind weder Vertreter der Ukraine noch der Europäischen Union eingeladen. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, Putin werde das Treffen „als persönlichen Sieg darstellen“ und den Krieg unverändert fortsetzen, berichtet unter anderem ABC News. Ukrainische Medien wie unian.ua befürchten, dass es ohne Kiew am Tisch zu informellen Absprachen über territoriale Zugeständnisse kommen könnte.
Aus Sicht des „Institute for the Study of War“ (ISW) verfolgt der Kreml dabei eine klare Taktik: „Putin nutzt hochrangige bilaterale Treffen nicht primär für substantielle Verhandlungen, sondern um seine eigene Legitimität zu stärken und die Einheit westlicher Koalitionen zu untergraben.“ Genau dieses Risiko sehen westliche Diplomaten nun auch in Anchorage, der Stadt in Alaska, in der das mit Spannung erwartete Treffen, mutmaßt die New York Times, stattfinden könnte.
Trump und Putin beraten in Alaska über Ukraine-Krieg: Russland inszeniert den Ort
Der Kreml lässt indes keine Gelegenheit aus, das Treffen symbolisch aufzuladen. Sondergesandter Kirill Dmitrijew veröffentlichte jüngst in den sozialen Medien Kopien der Kaufurkunden von 1867, als die USA Alaska von Russland erwarben. Russische Staatsmedien rahmen dies als „historische Erinnerung“. Kritiker sehen darin eine gezielte Provokation, die von der aktuellen politischen Schwäche Russlands ablenken soll.
Doch nicht nur der historisch aufgeladene Ort, auch politpsychologische Profile der Protagonisten verdeutlichen die Dynamik des Zusammentreffens in Alaska. Putin gilt, so beschreibt ihn das Portal personality-politics.org, als „expansionistischer, feindseliger Vollstrecker“ mit dominanten, narzisstischen und misstrauischen Zügen. Er sei detailversessen, strategisch geduldig und darin geübt, Fakten zu seinen Gunsten zu verdrehen.
Trump hingegen wird vom britischen „Royal United Services Institute“ (RUSI) als extrem extrovertiert, machtbewusst, angriffslustig und impulsiv beschrieben. Andrew Weiss von der Denkfabrik „Carnegie Endowment for International Peace“ warnt gegenüber der FT: „Wir haben jetzt Trump ohne Geländer oder Gegengewichte in seiner eigenen Administration, der auf Putin trifft, der seit einem Jahrzehnt keine ebenbürtigen Gegenspieler mehr hat.“
Erwartungen an Gipfel in Alaska: Wenig Substanz, viel Bühne für Putin und Trump
Trump selbst dämpft die Erwartungen, bezeichnet das Treffen als „Abtasten“ und will danach erst ausführlicher mit Selenskyj und europäischen Staats- und Regierungschefs sprechen. Mehrfach deutete er Landtausch-Ideen im Ukraine-Krieg an, ohne Details zu nennen.
Analyst Kirill Rogow prognostiziert, heißt es in der FT, Putin werde versuchen, Trump zumindest zu einer Verringerung der US-Militärhilfe für Kiew zu bewegen – ohne selbst substanzielle Zugeständnisse zu machen. Das ISW warnt zudem, dass solche bilateralen Gespräche Moskau helfen könnten, „Zeit zu gewinnen, um militärische Kräfte neu zu ordnen und die internationale Debatte zu beeinflussen“.
Treffen zwischen Putin und Trump: Historie als schweres Gepäck
Von Hamburg 2017 über Helsinki, Osaka und Buenos Aires bis nun Alaska: Putin und Trump hatten sechs direkte Begegnungen, fast jede von Kontroversen begleitet. Die Themen reichten von Syrien über Iran und Venezuela bis zur Ukraine. Doch verbindliche Vereinbarungen blieben stets aus.
Für den Alaska-Gipfel bedeutet dies: Die Hypothek aus acht Jahren persönlicher Interaktion zwischen Trump und Putin ist groß. Viele Diplomaten fürchten, dass persönliche Dynamiken, mediale Inszenierung und symbolische Gesten erneut Vorrang vor substanziellen Ergebnissen haben werden.
Klar scheint: Der Alaska-Gipfel ist keine neutrale Verhandlungsplattform, sondern ein riskanter Schauplatz zweier politischer Alphatiere mit diametral entgegengesetzten Stilen. Putins „professionelles Lügen“, wie es Hollande ausdrückte, trifft auf Trumps impulsive und charismatische Eigeninszenierung.
der Ukraine außen vor, der EU nicht am Tisch und einem Kreml, der die Bühne für seine geopolitischen Narrative um Ukraine-Krieg nutzt, ist die Gefahr groß, dass am Ende nicht Frieden, sondern ein taktischer Etappensieg für Moskau steht. Mit ungewissen Folgen für Europa und die internationale Ordnung.
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