„Professionelles Lügen“

„Manipulativer“ Putin vs. „emotionaler“ Trump: Geschichte belastet Alaska-Gipfel

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Trump und Putin, beide mit gegensätzlichen Herangehensweisen, treffen sich in Alaska. Ihre bisherigen Gespräche lassen wenig Fortschritt erwarten.

Anchorage – Am 15. August wird Alaska zur Bühne eines geopolitischen Treffens, das weltweit mit Spannung und Skepsis verfolgt wird. US-Präsident Donald Trump empfängt den russischen Machthaber Wladimir Putin in Alaska zu einem bilateralen Gipfel – dem ersten persönlichen Kontakt seit über sechs Jahren. Was als Chance für Fortschritte im Ukraine-Krieg verkauft wird, erscheint vielen Beobachtern wie ein riskantes Experiment, belastet durch eine lange Geschichte ungewöhnlicher, teils bizarrer Begegnungen.

Putin und Trump in Alaska: Historie bizarrer Treffen wirft Schatten für Gipfel voraus

Der ehemalige französische Präsident François Hollande, der Putin während der Minsker Friedensverhandlungen 2015 erlebte, warnt in der Financial Times (FT) scharf: „Putins Technik ist professionelles Lügen.“ Er beschreibt den Kremlchef als Meister der Verzögerung, der jede Gelegenheit nutzt, um geopolitische Prozesse zu seinen Gunsten zu strecken.

Donald Trump hingegen gilt als „emotional“ und wirkt überzeugt davon, allein mit Charisma und spontaner Gesprächsführung politische Durchbrüche zu erzielen. Eine Mischung, die in der Vergangenheit jedoch oft zu diplomatischen Schieflagen führte.

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Treffen von Trump und Putin: Ein Muster der Intransparenz seit 2017

Schon das erste große Zusammentreffen von Putin und Trump am 7. Juli 2017 beim G20-Gipfel in Hamburg sorgte für Stirnrunzeln: Trump konfiszierte nach dem Gespräch die Notizen seines Dolmetschers, um jede interne Analyse zu verhindern, schreibt die FT. Experten werten diesen Schritt als bewusste Abkehr von diplomatischen Standards, die Transparenz und institutionelle Absicherung erfordern.

Im November desselben Jahres, bei einem Treffen am Rande des APEC-Gipfels in Da Nang (Vietnam), stellte Trump sich dann demonstrativ hinter Putins Dementi einer Einmischung in die US-Wahl – und widersprach damit offen den Einschätzungen seiner eigenen Geheimdienste. Die US-Geheimdienste hatten zuvor bekannt gegeben, dass Putin persönlich die Beeinflussung der US-Wahl befohlen haben soll, um die Siegchancen für Hillary Clinton zu schmälern und die von Trump zu fördern.

G20 in Osaka, 2019: Trump und Putin beim bislang letzten Handschlag vor mehr als sechs Jahren.

Trump schockiert bei Treffen mit Putin 2018 in Helsinki: Washington war erschüttert

Das Muster Trumps, Putins Narrativen öffentlich zuzustimmen, setzte sich später fort. Das Gipfeltreffen von Trump und Putin am 16. Juli 2018 in Helsinki gilt als einer der umstrittensten Momente der jüngeren US-Außenpolitik. Vor laufenden Kameras stellte Trump auch dort die Erkenntnisse der US-Geheimdienste infrage, nachdem Putin mit unbewegter Miene jede Einmischung bei den US-Wahlen bestritten hatte. Selbst Parteifreunde Trumps reagierten empört.

Auch spätere Kontakte von Putin und Trump blieben ungewöhnlich: In Buenos Aires im November 2018 wich Trump von offiziellen Formaten ab und sprach ohne US-Beamte allein mit Putin. Fachleute kritisierten damals, dass solche Gespräche dem Risiko einseitiger Darstellung durch Moskau ausgesetzt seien.

Überblick der Treffen von Trump und Putin

DatumOrt / AnlassHauptthemenBesonderheiten
07.07.2017Hamburg (G20-Gipfel)Syrien, Ukraine, CyberangriffeSehr lange Dauer (über 2 Stunden), nur wenige Teilnehmer; Dolmetscher-Notizen wurden nicht offiziell weitergegeben, Spekulationen über Trumps Rückhaltung bei Wahlthema
10.11.2017Da Nang, Vietnam (APEC-Gipfel)Nordkorea, militärische Spannungen; US-Wahl 2016Trump erklärte öffentlich, Putin habe die Einmischung bestritten – und er glaube, Putin meine das ernst; Widerspruch zu US-Geheimdiensten
16.07.2018Helsinki, Finnland (offizieller Gipfel)Wahlinterferenz, Syrien, nukleare AbrüstungGemeinsame Pressekonferenz, bei der Trump öffentlich den US-Geheimdiensten widersprach und Putin verteidigte („I don’t see any reason why it would be Russia“)
30.11.2018Buenos Aires (G20-Gipfel)Kein offizielles Treffen, nur kurzes Gespräch am RandeOffizielles Treffen abgesagt wegen Ukraine-Krise (Kerch-Zwischenfall); dennoch inoffizieller kurzer Austausch ohne US-Beamte
28.06.2019Osaka, Japan (G20-Gipfel)Iran, Syrien, VenezuelaTrump scherzte vor laufenden Kameras zu Putin: „Don’t meddle in the election“ (mit erhobenem Finger)
15.08.2025Alaska (genauer Ort noch unklar, evt. Anchorage)Ukraine-KriegEvt. kein ukrainischer oder EU-Vertreter vor Ort

Quellen: DW, SZ, BBC, NYT, Guardian, Reuters, Unian, ABC News.

Ukraine-Krieg im Fokus, aber Ukraine außen vor? Sorgen in Kiew und Europa

Für den anstehenden Alaska-Gipfel von Trump und Putin sind weder Vertreter der Ukraine noch der Europäischen Union eingeladen. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, Putin werde das Treffen „als persönlichen Sieg darstellen“ und den Krieg unverändert fortsetzen, berichtet unter anderem ABC News. Ukrainische Medien wie unian.ua befürchten, dass es ohne Kiew am Tisch zu informellen Absprachen über territoriale Zugeständnisse kommen könnte.

Aus Sicht des „Institute for the Study of War“ (ISW) verfolgt der Kreml dabei eine klare Taktik: „Putin nutzt hochrangige bilaterale Treffen nicht primär für substantielle Verhandlungen, sondern um seine eigene Legitimität zu stärken und die Einheit westlicher Koalitionen zu untergraben.“ Genau dieses Risiko sehen westliche Diplomaten nun auch in Anchorage, der Stadt in Alaska, in der das mit Spannung erwartete Treffen, mutmaßt die New York Times, stattfinden könnte.

Trump und Putin beraten in Alaska über Ukraine-Krieg: Russland inszeniert den Ort

Der Kreml lässt indes keine Gelegenheit aus, das Treffen symbolisch aufzuladen. Sondergesandter Kirill Dmitrijew veröffentlichte jüngst in den sozialen Medien Kopien der Kaufurkunden von 1867, als die USA Alaska von Russland erwarben. Russische Staatsmedien rahmen dies als „historische Erinnerung“. Kritiker sehen darin eine gezielte Provokation, die von der aktuellen politischen Schwäche Russlands ablenken soll.

Doch nicht nur der historisch aufgeladene Ort, auch politpsychologische Profile der Protagonisten verdeutlichen die Dynamik des Zusammentreffens in Alaska. Putin gilt, so beschreibt ihn das Portal personality-politics.org, als „expansionistischer, feindseliger Vollstrecker“ mit dominanten, narzisstischen und misstrauischen Zügen. Er sei detailversessen, strategisch geduldig und darin geübt, Fakten zu seinen Gunsten zu verdrehen.

Trump hingegen wird vom britischen „Royal United Services Institute“ (RUSI) als extrem extrovertiert, machtbewusst, angriffslustig und impulsiv beschrieben. Andrew Weiss von der Denkfabrik „Carnegie Endowment for International Peace“ warnt gegenüber der FT: „Wir haben jetzt Trump ohne Geländer oder Gegengewichte in seiner eigenen Administration, der auf Putin trifft, der seit einem Jahrzehnt keine ebenbürtigen Gegenspieler mehr hat.“

Erwartungen an Gipfel in Alaska: Wenig Substanz, viel Bühne für Putin und Trump

Trump selbst dämpft die Erwartungen, bezeichnet das Treffen als „Abtasten“ und will danach erst ausführlicher mit Selenskyj und europäischen Staats- und Regierungschefs sprechen. Mehrfach deutete er Landtausch-Ideen im Ukraine-Krieg an, ohne Details zu nennen.

Analyst Kirill Rogow prognostiziert, heißt es in der FT, Putin werde versuchen, Trump zumindest zu einer Verringerung der US-Militärhilfe für Kiew zu bewegen – ohne selbst substanzielle Zugeständnisse zu machen. Das ISW warnt zudem, dass solche bilateralen Gespräche Moskau helfen könnten, „Zeit zu gewinnen, um militärische Kräfte neu zu ordnen und die internationale Debatte zu beeinflussen“.

Treffen zwischen Putin und Trump: Historie als schweres Gepäck

Von Hamburg 2017 über Helsinki, Osaka und Buenos Aires bis nun Alaska: Putin und Trump hatten sechs direkte Begegnungen, fast jede von Kontroversen begleitet. Die Themen reichten von Syrien über Iran und Venezuela bis zur Ukraine. Doch verbindliche Vereinbarungen blieben stets aus.

Für den Alaska-Gipfel bedeutet dies: Die Hypothek aus acht Jahren persönlicher Interaktion zwischen Trump und Putin ist groß. Viele Diplomaten fürchten, dass persönliche Dynamiken, mediale Inszenierung und symbolische Gesten erneut Vorrang vor substanziellen Ergebnissen haben werden.

Klar scheint: Der Alaska-Gipfel ist keine neutrale Verhandlungsplattform, sondern ein riskanter Schauplatz zweier politischer Alphatiere mit diametral entgegengesetzten Stilen. Putins „professionelles Lügen“, wie es Hollande ausdrückte, trifft auf Trumps impulsive und charismatische Eigeninszenierung.

der Ukraine außen vor, der EU nicht am Tisch und einem Kreml, der die Bühne für seine geopolitischen Narrative um Ukraine-Krieg nutzt, ist die Gefahr groß, dass am Ende nicht Frieden, sondern ein taktischer Etappensieg für Moskau steht. Mit ungewissen Folgen für Europa und die internationale Ordnung.

Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire

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