Überraschende Ankündigung: Söder will bayerischen AKW-Alleingang - Grüne äußern Verdacht
VonFranziska Schwarz
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Die letzten drei deutschen AKW sind vom Netz – für Bayerns Ministerpräsident Söder im „Blindflug“. Vom Bund verlangt der CSU-Chef nun eine Änderung des Atomgesetzes.
Update vom 17. April, 13.51 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat seinen Wunsch für einen bayerischen AKW-Alleingang gerechtfertigt, und zwar mir der Energiepolitik der Bundesregierung. Die verweigere sich nachhaltig, „die bayerische Energieversorgung nur annähernd oder die süddeutsche ernst zu nehmen, während bei anderen Bundesländern die Zusage erfolgt, neue Gaskraftwerke auf den Weg zu bringen“, sagte der bayerische Ministerpräsident jetzt nach einer Sitzung des CSU-Vorstands.
Weder Bayern noch Baden-Württemberg seien Alternativen für wegfallende Kohlekraftwerke angeboten worden. Söder betonte ferner, die Umsetzung des – einst auch von der CSU mitgetragenen – Atomausstiegs, sei ein „sturer Beschluss gegen die Mehrheit der Bevölkerung“ und gegen eine Mehrheit in der EU.
Den Vorwurf, „man habe die Meinung geändert“, ließ Söder mit Verweis auf Finnland ebenfalls nicht gelten. Dort sei die kritische Haltung einst noch „entschlossener gewesen“, nun aber setze das Land wieder auf die Kernenergie. Wenn die Wissenschaft etwas neu bewerte, sei es „zukunftsvergessen und einfach nur stur, diese Erkenntnisse nicht anzunehmen“.
Mit Blick auf rechtliche Bedenken verwies Söder darauf, dass bisher auch die Länder fachlich und rechtlich alleine zuständig gewesen seien - einschließlich der jeweiligen Lagerung des Atommülls vor Ort. Im Gespräch mit IPPEN.MEDIA nannte ein Rechtsexperte Söders AKW-Pläne „illusorisch“.
AKW-Alleingang in Bayern? Grünen nennt Söder-Pläne „Wahlkampfmanöver“
Update vom 16. April, 11.52 Uhr: „Söders Aussagen sind ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver“, hat nun Grünen-Bundestagsfraktionschefin Britta Haßelmann befunden. „Das Atomgesetz verlangt seit 2017 den unverzüglichen Abbau der AKW. Wenn Söder jetzt den Rückbau eines Atomkraftwerks verhindern oder verzögern will, muss geprüft werden, ob das nicht Haftungsansprüche gegenüber dem bayerischen Umweltministerium auslöst“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa weiter.
„Ein bisschen Seriosität muss man doch auch von Markus Söder erwarten können. Statt rückwärtsgewandte Debatten zu führen, wäre Söder gut beraten, in Bayern jetzt endlich den Turbo beim Ausbau der Windkraft und Stromnetze einzulegen und endlich auch Verantwortung für die Endlagersuche für den atomaren Müll zu übernehmen“, sagte Haßelmann. In Bayern wird im Oktober gewählt.
CSU-Chef Markus Söder: Wollen bayerisches AKW in Landesregie weiter betreiben
Die AKW seien „unverzichtbarer Teil einer bezahlbaren Energieversorgung“, erläuterte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef der Bild am Sonntag (BamS). „Ganz Europa setzt auf klimaschutzfreundliche Kernkraft. Nur die deutschen Grünen leisten sich den Luxus eines energiepolitischen Blindflugs“, führte Söder aus. „Und die FDP ist wieder einmal zu schwach, diesen historischen Fehler zu verhindern.“
AKW-Alleingang von Söder? Hindernis Ampel-Koalition
Bayern fordere vom Bund „eine eigene Länderzuständigkeit für den Weiterbetrieb der Kernkraft“, sagte Söder der BamS. Solange die Krise nicht beendet und der Übergang zu erneuerbaren Energien nicht gelungen sei, „müssen wir bis zum Ende des Jahrzehnts jede Form von Energie nutzen“.
Bayern wolle zudem als Vorreiter in die Forschung zur Kernfusion einsteigen, sagte Söder. Er sprach sich für den Bau eines eigenen Forschungsreaktors aus – „gerne in Zusammenarbeit mit anderen Ländern“. Darüber hinaus forderte Söder eine nationale Forschungsstrategie für eine Nutzbarkeit des Atommülls. „Wir sind es unseren künftigen Generationen schuldig, nicht nur über ein Endlager in ferner Zukunft zu diskutieren, sondern innovative Pläne für eine verantwortungsvolle und technologische Lösung zu entwickeln,“ sagte er der BamS.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Es kann als ausgeschlossen gelten, dass die Ampel-Koalition mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) darauf eingeht. Denn dann wäre unter anderem die Frage der Endlagerung des in Bayern weiter produzierten Atommülls gesondert zu klären. Bei der bundesweiten Suche nach einem Endlager für den bisher angefallenen Atommüll steht Bayern bereits jetzt auf der Bremse, sobald es um eine Lösung auf dem Gebiet des Freistaats geht. (AFP/dpa/frs)