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Massenproteste in Serbien: Kam eine Schallwaffe zum Einsatz?

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Hunderttausende in Serbien lehnen die Politik von Aleksandar Vučić ab und gehen auf die Straßen. Videos könnten den Einsatz einer Schallwaffe belegen.

Belgrad – Es sollen die größten Proteste in der Geschichte des Balkan-Landes gewesen sein. Am Samstag (15. März) gingen Schätzungen zufolge zwischen 275.000 und 325.000 Menschen in Belgrad auf die Straßen, um gegen die Politik von Präsident Aleksandar Vučić in Serbien zu demonstrieren.

Massendemonstrationen in Serbien: Setzten die Behörden eine Schallwaffe ein?

Die gewaltigen Demonstrationen gegen das Staatsoberhaupt, der enge Kontakte zu Russland-Autokrat Wladimir Putin pflegt, wurden von schweren Anschuldigungen gegen die Sicherheitskräfte begleitet. So warfen Oppositionspolitiker und Demonstranten den Behörden vor, angeblich eine Schallwaffe eingesetzt zu haben.

In sozialen Medien waren Videos zu sehen, die zeigen, wie die Menschenmassen auf einer Straße von etwas nicht sichtbarem auseinandergetrieben werden. Das soll genau jener Moment gewesen sein, in dem angeblich der Schall durch den Demonstrationszug gejagt wurde. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Das Portal Nexta postete mehrere Videos auf X.

Proteste gegen Aleksandar Vučić: Serbischer Präsident gilt als Freund von Wladimir Putin

Zeugen berichteten serbischen Medien zufolge von einem plötzlichen schmerz- und angsterzeugenden Geräusch. Laut der kroatischen Zeitung Dnevnik brach eine Massenpanik aus. Zdravko Ponoš von der Bewegung „Srce“ schrieb beim Kurznachrichtendienst X: „Ihr habt eine Schallkanone benutzt. Ihr habt auf Bürger geschossen, während sie schweigend den Opfern eures Regimes Tribut zollten.“ Das serbische Innenministerium wies den Vorwurf zurück und erklärte, das Ministerium setze ausschließlich rechtlich zulässige Mittel ein.

Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren in dem Land mit seinen rund 6,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern zu großen Protesten gegen Putin-Freund Vučić. Die aktuellen Großdemonstrationen gehen zum Beispiel auf Studenten zurück, die der Regierung ihres Landes eine ausschweifende Korruption und eine Verherrlichung von Gewalt vorwerfen. Am 1. November 2024 kamen bei einem tragischen Unglück in der zweitgrößten serbischen Stadt Novi Sad 15 Menschen ums Leben, als das gerade erst renovierte Dach des Hauptbahnhofs einstürzte. Daraufhin entzündeten sich die Proteste wieder.

Zehntausende gingen in der serbischen Hauptstadt Belgrad auf die Straßen, um gegen die Politik von Aleksandar Vučić zu demonstrieren.

Serbien-Präsident Aleksandar Vučić: Umstrittene Rolle in den Jugoslawienkriegen

Als Reaktion auf die Proteste traten im Januar 2025 der Bürgermeister von Novi Sad Milan Đurić sowie Premierminister Miloš Vučević zurück. Setzten die Behörden jetzt sogar eine Schallwaffe ein? Die Reaktion der Menge sei eindeutig „eine Folge des Einsatzes von Geräuschen mit dem Ziel, sie zu erschrecken“, meinte der Abgeordnete Zdravko Ponoš. Militäranalyst Aleksandar Radic erklärte dem Nachrichtensender N1, das Geräusch sei wohl von einer akustischen Waffe verursacht worden. Medienberichten zufolge wird vermutet, dass das Gerät LRAD zum Einsatz kam, das in einem Meter Entfernung vom Gerät Geräusche von bis zu 160 Dezibel erzeugen kann. Es drohen offenbar dauerhafte Hörschäden.

„Das einzige Ziel dieser Tat ist eine brutale Demonstration von Gewalt, ein Beweis von Arroganz, motiviert durch den Hass auf das eigene Volk“, sagte er. Vučić gilt auch international wegen seiner Rolle in den Jugoslawienkriegen als umstritten. Er galt als Hardliner gegen Kroaten und Bosnier. Und als Informationsminister machte er zwischen 1998 und 2000 Propaganda gegen die albanische Bevölkerung im Kosovo. Der 55-Jährige ist seit Mai 2017 Präsident seines Landes und zeigt immer wieder autokratische Tendenzen. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / CTK Photo

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