VonJekaterina Jaluninaschließen
In Serbien intensiviert sich der Widerstand gegen die Regierung. Bereits vor der geplanten Großkundgebungen strömten Zehntausende auf die Straßen.
Update vom 17. März, 6.20 Uhr: In Serbien haben am Samstag (15. März) erneut Zehntausende Menschen gegen die Regierung demonstriert. Seither steht ein schwerer Vorwurf gegen die dortigen Sicherheitsbehörden im Raum: Sie sollen eine Schallwaffe gegen Demonstrierende eingesetzt haben. Das berichtet unter anderem der Sender ntv. Dieses militärische Gerät desorientiert Menschen mit einem gezielten akustischen Strahl schwer. Präsident Alexander Vučić ordnete laut dem Bericht eine juristische Untersuchung der Vorwürfe an, und machte zugleich seinen Unglauben über deren Wahrheit deutlich: „Es soll ein Verfahren geben, aber dann sollten sie auch diejenigen strafrechtlich verfolgen, die mit einer solch notorischen Lüge an die Öffentlichkeit gegangen sind“, sagte er demnach dem Sender RTS.
Protestwelle in Serbien: Vučić unter Druck – Zehntausende Menschen klagen Korruption an
Update, 8.24 Uhr: Nachdem Demonstrierende am Samstag erklärt hatten, dass die serbische Regierung bei den Protesten Schallkanonen eingesetzt habe, brach unter den Teilnehmern laut Bericht der kroatischen Zeitung Dnevnik eine Massenpanik aus. Unter anderem der Anführer der Bewegung „Srce“, Zdravko Ponoš, schrieb auf der Plattform X am Samstag: „Ihr habt eine Schallkanone benutzt. Ihr habt auf Bürger geschossen, während sie schweigend den Opfern eures Regimes Tribut zollten.“ Das serbische Innenministerium hat den Vorwurf mittlerweile zurückgewiesen und erklärt, das Ministerium setze ausschließlich rechtlich zulässige Mittel ein. Auch Aleksandar Vucic bestritt in einer Mitteilung am Abend den Einsatz einer solchen Waffe.
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Der Experte Srdjan Cvijic vom Belgrader Zentrum für Sicherheitspolitik sagte laut AFP-Bericht über das Vorgehen der serbischen Regierung: „Was sich alle fragen ist, ob die Regierung versuchen wird, Gewaltsituationen herbeizuführen, um anschließend einen Vorwand für die Ausrufung des Ausnahmezustands zu haben.“ Weiter erklärte Cvijic: „Wir können seit ein paar Tagen sehen, dass das Regime versucht, die Spannungen zu eskalieren.“ Auch in den Staatsmedien zeigte sich vor den Protesten ein schärferer Ton: Die Studenten planten einen „Putsch“, hieß es dort.
Verletzte bei Protest in Serbien: 56 Menschen im Krankenhaus - 22 Verhaftungen
Update, 7.59 Uhr: Bei den Protesten in Serbien am Samstag sollen insgesamt 56 Menschen aufgrund von Verletzungen im Krankenhaus behandelt worden sein. Das geht aus Medienberichten hervor. Auch die serbische Regierung bestätigt 56 Verletzte, gab jedoch an, dass niemand lebensgefährlich verletzt worden sei. 22 Menschen seien bei den Protesten festgenommen worden.
Protest in Serbien: Unabhängiger Beobachter geht von 325.000 Teilnehmern aus – größter Protest überhaupt
Update, 7.11 Uhr: Die serbische Regierung beziffert die Zahl der Demonstrierenden am Samstag in Serbien auf 107.000 in ganz Belgrad. Ein unabhängiger Beobachter erklärte laut BBC-Bericht hingegen, dass etwa 325.000 Menschen an den Protesten teilgenommen haben sollen. Damit handle es sich um den größten Protest in Serbien überhaupt, schreibt der britische Sender.
Wachsende Proteste gegen Korruption in Serbien – „Am 15. für die 15“
Update vom 15. März, 18.35 Uhr: Riesige Menschenmassen sind ins Zentrum der serbischen Hauptstadt Belgrad zur wahrscheinlich größten Demonstration in der Geschichte des Balkanlandes geströmt. Hunderttausende folgten dem Demonstrationsaufruf der studentischen Protestbewegung unter dem Motto „Am 15. für die 15“, berichtete der Nachrichtensender N1. Drohnenaufnahmen, die mehrere serbische Medien anfertigten, zeigten langgezogene Straßenzüge der Belgrader Innenstadt voller Menschen.
Die Teilnehmer der Proteste machen die Korruption der Regierenden unter dem teils autoritär herrschenden Präsidenten Aleksandar Vucic für das Unglück in Novi Sad verantwortlich. Der Bahnhof war kurz davor umgebaut worden. Sie fordern aber nicht den Rücktritt von Politikern, sondern die konsequente Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit und die Bestrafung von korrupten Akteuren.
Zentrum der Kundgebung war am späten Nachmittag der Slavija-Platz, auf dem die Organisatoren eine Bühne errichtet hatten. „Seht, wo wir sind. Seht, wie viele wir sind. Eure Stimme zählt. (...) Lasst uns Serbien gemeinsam erwecken. Die Nacht ist am dunkelsten vor der Morgendämmerung“, rief eine Studentin als erste Rednerin in die Menge. Um 11.52 Uhr, dem Zeitpunkt des Unglücks von Novi Sad, hielten Tausende Menschen, die da schon in Belgrad waren, eine 15 Minuten lange Schweigeandacht für die Opfer ab. Eine unwirkliche Stille legte sich über die Stadt.
Proteste gegen Korruption in Serbien: Tausende Menschen sammeln sich in Belgrad
Erstmeldung: Belgrad – In Serbien sind am Samstag wieder Massenproteste gegen die Regierung und die weitverbreitete Korruption geplant. Zu der Großdemonstration vor dem Parlament in Belgrad werden zehntausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Die Demo beginnt um 16 Uhr vor dem Parlament in Belgrad. Die serbische Regierung steht wegen der seit Monaten andauernden Proteste unter wachsendem Druck. In den vergangenen Tagen heizte Präsident Aleksandar Vučić die angespannte Lage mit Warnungen vor gewaltsamen Zusammenstößen weiter an.
Schon Stunden vor der für Samstagnachmittag geplanten Großdemonstration strömten Tausende Regierungsgegner in die serbische Hauptstadt Belgrad. Viele von ihnen kamen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder sogar mit Traktoren. Nach Angaben des Innenministeriums versammelten sich bereits am Freitagabend etwa 31.000 Menschen, um die Ankunft der Demonstrierenden zu feiern.
Großkundgebungen in Belgrad: Vučić will nicht zulassen, „dass die Straße die Regeln diktiert“
Auch Anhänger der Regierung von Präsident Aleksandar Vučić sind bereits vor Ort, darunter Ultranationalisten, Mitglieder militanter Gruppen und mutmaßliche Hooligans, die in der Nähe des Parlaments Zelte errichtet haben. Aufgrund der Anwesenheit beider Lager und Vučićs Äußerungen wird befürchtet, dass es bei den Protesten zu gewalttätigen Ausschreitungen kommen könnte. Die EU und die UN forderten die Regierung in Belgrad bereits am Freitag auf, das Recht auf Demonstrationen zu achten und Gewalt zu verhindern.
„Wir sind ein extrem demokratisches Land“, erklärte der Präsident am Freitagabend in einer Ansprache und versuchte, die Bedenken zu zerstreuen. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die Demonstration abzusichern.“ Gleichzeitig betonte Vučić jedoch, er werde als Präsident nicht zulassen, „dass die Straße die Regeln diktiert“.
Nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad: Serbien ist wütend über die Korruption
Die von Studierenden angeführten Proteste hatten nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad am 1. November begonnen, bei dem 15 Menschen ums Leben gekommen waren. Das Unglück befeuerte die Wut über die Korruption in Serbien, die Proteste richten sich inzwischen zunehmend gegen Vučić Regierung.
Studierendenverbände riefen in Onlinemedien dazu auf, „ruhig und verantwortungsvoll“ zu demonstrieren. „Das Ziel der Bewegung ist es nicht, in Institutionen einzudringen oder diejenigen anzugreifen, die anders denken als wir“, hieß es. Diese Bewegung dürfe nicht missbraucht werden.
Protestwelle in Serbien: Der Regierung unter Vučić wird Korruption vorgeworfen
Regierungsangaben zufolge wurden bereits am Freitag sechs Aktivisten festgenommen. Sie stünden im Verdacht, „Aktionen gegen die verfassungsmäßige Ordnung und die Sicherheit in Serbien“ geplant zu haben. „Was sich alle fragen ist, ob die Regierung versuchen wird, Gewaltsituationen herbeizuführen, um anschließend einen Vorwand für die Ausrufung des Ausnahmezustands zu haben“, sagte der Experte Srdjan Cvijić vom Belgrader Zentrum für Sicherheitspolitik.
Die serbische Regierung steht wegen der Protestwelle unter wachsendem Druck. Ende Januar erklärte Ministerpräsident Miloš Vučević seinen Rücktritt. Serbiens Präsident Aleksandar Vučić ruft abwechselnd zum Dialog auf oder macht ausländische Einmischung für die Proteste verantwortlich – ein Vorwurf, den auch Kremlchef Wladimir Putin nach einem Telefonat mit Vučić geäußert hatte. (afp/jal)
Rubriklistenbild: © Andrej Isacovic/AFP


