Warnung vor Alkohol und „Wölfen“

Vergewaltigungs-Debatte in Italien: Melonis Partner sorgt für Ärger

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Georgia Melonis Lebenspartner Andrea Giambruno (kleines Bild) rät Frauen, beim Ausgehen Alkohol zu meiden.
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Der Lebenspartner von Italiens Regierungschefin Georgia Meloni gibt Frauen einen wohlgemeinten Ratschlag – das geht nach hinten los.

Rom – Während des Wahlkampfes hielt Georgia Meloni leidenschaftliche Reden über ihre Identität als Mutter, Frau und Italienerin. Jetzt steht ihr Lebensgefährte Andrea Giambruno wegen seiner Äußerungen zu Alkohol und Vergewaltigungen in Italien unter starkem Beschuss. Denn seine Worte könnten so verstanden werden: Wenn Frauen sich betrinken und dann vergewaltigt werden, tragen sie selbst die Schuld.

„Wenn du tanzen gehst, hast du natürlich das Recht, dich zu betrinken. Aber wenn du dich nicht betrinkst und die Besinnung verlierst, dann kannst du es vermeiden, in problematische Situationen zu geraten, in denen du einen Wolf triffst“, äußerte Giambruno laut RND auf „Mediaset“, dem Privatfernsehen des verstorbenen Ex-Premiers Silvio Berlusconi. Mit „Wolf“ oder „Wölfen“ sind vermutlich Männer gemeint.

Melonis Koalitionspartner Salvini fordert kontroverse Strafe für Vergewaltiger

In Italien ereignete sich kürzlich eine Gruppenvergewaltigung. Sieben Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren stehen unter Verdacht, Anfang Juli in der sizilianischen Stadt Palermo eine 19-jährige Frau vergewaltigt und die Tat gefilmt zu haben. Der rechtspopulistische Politiker Matteo Salvini aus Italien hat vor einigen Tagen eine umstrittene Lösung vorgeschlagen: die Einführung der chemischen Kastration für Vergewaltiger. „Wenn man eine Frau oder ein Kind vergewaltigt, hat man eindeutig ein Problem. Eine Gefängnisstrafe ist nicht genug“, sagte er laut Euronews.

Salvini ist stellvertretender Premierminister und Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Lega. In der Koalition ist Salvinis Lega deutlich kleiner als Melonis Fratelli d‘Italia, aber etwas größer als die von Berlusconi gegründete und bis zuletzt von ihm geleitete Forza Italia.

Italiens Regierungschefin Meloni sieht sich als „Frau, Mutter und Christin“

Wenn es um das Thema EU und Rechtspopulismus geht, wird Italien auch unter Meloni häufig erwähnt. Feministinnen sahen ihren Wahlsieg als Gefahr für Italien an, doch Meloni bestreitet, dass sie frauenfeindlich ist. Zuletzt befand sich die Meloni-Regierung in einem Machtkampf mit der Justiz.

Meloni hat sich wiederholt als „Frau, Mutter und Christin“ bezeichnet und sich im Wahlkampf für ihre ultrarechte Partei Fratelli d‘Italia als Befürworterin der traditionellen Familie positioniert. Sie hat mit Giambruno eine sechsjährige Tochter. Meloni und Giambruno sind nicht verheiratet. (frs)

Für diesen von der Redaktion geschriebenen Artikel wurde maschinelle Unterstützung genutzt. Der Artikel wurde vor Veröffentlichung von Redakteurin Franziska Schwarz sorgfältig überprüft.

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