Straßenbau könnte von Kürzungen betroffen sein

Merz, das Sondervermögen und die Frage der Milliarden: Renovierung oder Einsparungen?

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Deutschland benötigt Infrastrukturverbesserungen. Aber wie plant Merz die Finanzierung? Ein Drahtseilakt zwischen Verschuldung und Kostensenkung.

Berlin – Sollte eine neue Koalition aus CDU, CSU und SPD zustande kommen, steht sie vor der enormen Aufgabe, die marode Infrastruktur Deutschlands zu erneuern und gleichzeitig die öffentlichen Finanzen im Auge zu behalten. Derzeit ist von Schulden in Höhe von 500 Milliarden Euro für die Infrastruktur die Rede.

Merz und die Milliardenfrage – Bund Deutscher Steuerzahler über das Sondervermögen

Ein oft übersehenes Thema in der Diskussion um neue Schulden und Milliardenpakete ist das staatliche Ausgabeverhalten. Der Bund Deutscher Steuerzahler hat hierzu klar Stellung bezogen und laut Bild erklärt: „Wir haben kein Einnahmeproblem. Wir haben ein Ausgabeproblem.“ Die neue Regierung unter dem potenziellen Kanzler Friedrich Merz sollte daher nicht nur neue Schulden aufnehmen, sondern auch ineffiziente Ausgaben reduzieren.

Ein wesentlicher Punkt ist die Überprüfung und mögliche Streichung unnötiger Subventionen. Es ist bekannt, dass erhebliche Summen für ineffiziente oder schlecht geplante Projekte ausgegeben werden. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann forderte laut ntv, die Ministerialbürokratie zu verschlanken, indem mindestens jeder zehnte Beamte eingespart wird. Dies könnte zu einem effizienteren Verwaltungsapparat führen und sicherstellen, dass Merz und seinen Ministern mehr Mittel für die eigentliche Infrastrukturarbeit zur Verfügung stehen.

Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag

Christian Lindner
Die FDP ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und scheidet damit aus dem Bundestag aus. Noch 2017 hatte Parteichef Christian Lindner sie mit neuem Image und einem zweistelligen Ergebnis nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder ins Parlament geführt – doch die Rechnung ging dieses Mal nach Ampel-Bruch und Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit der Partei nicht auf.  © imago
Johannes Vogel, Fraktionsgeschäftsführer der FDP
Dem Wahlergebnis fiel damit auch Johannes Vogel zum Opfer. Er war zuletzt Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag sowie stellvertretender Bundesvorsitzender. Durch das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde zieht auch er nicht wieder in den Bundestag ein.  © Rabea Gruber/dpa
FDP-Politikerin und frühere JuLi-Chefin Ria Schröder
Ria Schröder gilt als eine der personellen Hoffnungen der Freien Demokraten. Die Juristin war Vorsitzende der Jugendbewegung Junge Liberale und ist Mitglied des FDP-Bundesvorstands.  © Hannes P. Albert/dpa
Früherer FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai
Bijan Djir-Sarai saß ebenfalls für die FDP im Bundestag und war bis November 2024 ihr Generalsekretär. Nach dem Ampel-Bruch trat er von der Position zurück.  © Sebastian Gollnow/dpa
Linda Teuteberg, FDP-Spitzenkandidatin in Brandenburg
Linda Teuteberg hatte viel vor mit der FDP, als sie 2019 Generalsekretärin wurde. Von diesem Amt entfernte Christian Lindner sie jedoch zugunsten Volker Wissings schon vor dem Ende ihrer Amtszeit wegen Streitigkeiten. Auch sie ist durch das schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr im Bundestag vertreten. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Wolfgang Kubicki (FDP)
Auch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki werden wir in dieser Legislaturperiode wegen des Scheiterns an der Fünf-Prozent-Hürde nicht im Deutschen Bundestag sehen.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Bundestag
Christian Dürr ist Mitglied im Bundesvorstand der FDP und war zuletzt Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Bundestag. Auch er scheidet mit seiner Partei wegen ihres schlechten Wahlergebnisses aus dem Bundestag aus.  © imago
Marco Buschmann, FDP
Marco Buschmann war in der Ampel-Koalition als Bundesjustizminister tätig. Mit dem Bruch der Ampel gab er das Amt jedoch an Volker Wissing ab, der nach dem Zerwürfnis der Koalition aus der Partei austrat.  © Michael Kappeler/dpa
Volker Wissing, ehemals FDP und mittlerweile parteilos
Volker Wissing, in der Ampel-Koalition Verkehrsminister und später zusätzlich Justizminister, ließ zwar nach dem Scheitern der Ampel seine Partei hinter sich. In den neuen Bundestag zieht der jetzt parteilose Rechtsanwalt aber trotzdem nicht ein. Er möchte sich aus der Politik zurückziehen und in seiner Kanzlei arbeiten. © Hannes P Albert/dpa
Jens Teutrine, früherer Chef der Jungen Liberalen
Jens Teutrine war wie Ria Schröder auch Chef der Jungen Liberalen, bevor er in den Bundestag einzog. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag endet auch sein Mandat. © Serhat Kocak/dpa
Bettina Stark-Watzinger, ehemalige FDP-Bundesbildungsministerin
Ein weiteres prominentes Gesicht der Ampel-Koalition verlässt den Bundestag: Bettina Stark-Watzinger, die während der letzten Legislaturperiode Bundesbildungsministerin war.  © Christine Schultze/dpa
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin und frühere Linken-Chefin
Politisch eklatant unterschiedlich, eint sie doch dasselbe Schicksal: Wie die FDP scheiterte auch das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde – und zwar äußerst knapp. Einst Linken-Chefin, gründete Sahra Wagenknecht Anfang 2024 das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Trotz des aus dem Stand starken Abschneidens bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zieht das Bündnis nach der Bundestagswahl knapp nicht ins Parlament ein.  © Frank Ossenbrink/imago
Amira Mohamed Ali, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Amira Mohamed Ali war einst Abgeordnete der Linken, gründete jedoch zusammen mit Sahra Wagenknecht das BSW. Sie ist Parteivorsitzende – und nicht mehr im Bundestag. © Christoph Hardt/imago
Sevim Dagdelen, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Auch Sevim Dagdelen entschied sich zum Parteiaustritt aus der Linken und zum Eintritt ins BSW, das bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und somit nicht im Bundestag vertreten ist.  © imago
Grünen-Politiker Cem Özdemir
Die Grünen verlieren nach der Bundestagswahl 2025 sogar ein Ministergesicht: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird nicht mehr im Parlament vertreten sein. Jedoch entschied er das bereits selbst lange vor der Wahl. Er will der Bundespolitik den Rücken kehren und strebt in seiner Heimat Baden-Württemberg das Amt des Ministerpräsidenten an. © Hannes P Albert/dpa
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar dürfte über die Grenzen Berlins hinaus nicht besonders bekannt gewesen sein – bis Ende 2024 Vorwürfe der Belästigung gegen ihn laut wurden. Eigentlich wollte er in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow wieder zur Bundestagswahl antreten, jedoch entschied sich der Kreisverband bei einer erneuten Abstimmung stattdessen für Julia Schneider, die nun in den Bundestag einzieht. Die Vorwürfe hatten sich im Übrigen als falsch erwiesen.  © imago
Grünen-Politikerin Tessa Ganserer
Tessa Ganserer ist eine der bekanntesten Trans*-Politikerinnen Deutschlands. Im Bundestag setzte sich die Grüne vor allem für die Rechte queerer Menschen ein. Dass sie in der 21. Wahlperiode nicht mehr im Parlament sitzt, war ihre eigene Entscheidung. Sie trat nicht mehr als Kandidatin an. Wegen des „menschenverachtenden Hasses“, der ihrer Person entgegengebracht worden sei, wolle sie ihrem Leben noch einmal eine andere Richtung geben. © Dwi Anoraganingrum/imago
Grünen-Politikerin Renate Künast
Auch die prominente Grünen-Politikerin Renate Künast wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein – ebenfalls aus freien Stücken. Sie wollte nicht mehr antreten, „um Platz für Jüngere zu machen“, hatte Künast im Sommer 2024 erklärt. Vorher war sie bereits Landwirtschaftsministerin, Grünen-Fraktionschefin und Parteivorsitzende gewesen.  © Christoph Soeder/dpa
SPD-Politikerin Michelle Müntefering
Auch bei der SPD verlassen bekannte Gesichter den Bundestag. Michelle Müntefering (SPD), Ehefrau von Franz Müntefering, sitzt ebenfalls nicht mehr im Parlament. Das war jedoch schon vor der Bundestagswahl klar: Die SPD hatte nicht mehr sie, sondern Hendrik Bollmann für ihren Wahlkreis Herne - Bochum II nominiert. © M. Popow/imago
SPD-Politiker und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller
Michael Müller (SPD) war einst Regierender Bürgermeister von Berlin und zog 2021 in den Bundestag ein. Damals hatte er in seinem Wahlkreis Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf die meisten Stimmen bekommen, diesmal landete er hinter Lukas Krieger (CDU) und Lisa Paus (Grüne) nur auf dem dritten Platz und verpasste damit sein Ticket ins Parlament.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert
SPD-Promi Kevin Kühnert hatte eine steile politische Karriere hingelegt. Er war Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und seit 2021 Generalsekretär. Von dem Amt trat er 2024 zurück und kündigte an, sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückzuziehen und nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.  © Michael Kappeler/dpa
SPD-Politiker Michael Roth
Der hessische SPD-Politiker Michael Roth entschied sich ebenfalls weit vor der Wahl, nicht mehr für den Bundestag anzutreten. In seinem Fall spielte auch sein Einsatz für die Ukraine eine Rolle, der nicht allen in der Partei gefallen habe, und er habe sich mit der Zeit von den Sozialdemokraten und dem Politikbetrieb entfremdet. © imago
CDU-Politiker Helge Braun
Trotz ihres Wahlsiegs verliert auch die Union ein bekanntes Gesicht: Helge Braun war unter Angela Merkel Kanzleramtschef. Ende 2024 kündigte der Arzt aus Gießen an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen.  © Kay Nietfeld/dpa
CSU-Politiker Peter Ramsauer
Auch aus der Schwesterpartei CSU verschwindet eine bekannte Persönlichkeit: Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer scheidet aus dem Bundestag aus – auf eigenen Wunsch war er nicht mehr angetreten. © Michael Kappeler/dpa
Susanne Hennig-Wellsow, Die Linke
Auch die Linke verbüßt trotz überraschend starkem Wahlergebnis Abgänge: unter anderem Susanne Hennig-Wellsow. Die frühere Bundesparteivorsitzende ist nicht mehr zur Bundestagswahl angetreten. Sie wollte sich beruflich etwas Neuem widmen. © Frederic Kern/imago

Sondervermögen muss Merz auch zu Sparmaßnahmen anhalten

Im Zentrum der Reformpläne einer möglichen Merz-Regierung könnten die Herausforderungen im Straßenbau und anderen öffentlichen Infrastrukturprojekten stehen. Die Baubranche hat wiederholt auf die Notwendigkeit einer Reform des Planungsrechts hingewiesen. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, betont gegenüber tagesschau.de: „Gerade bei Infrastrukturprojekten dauern Planungen und Genehmigungen erheblich länger als das Bauen selber.“

Die bürokratischen Hürden und die Komplexität des Genehmigungsprozesses führen dazu, dass wichtige Projekte jahrelang ungenutzt bleiben oder die Kosten steigen. In einem Land im wirtschaftlichen Wandel ist eine stabile und funktionsfähige Infrastruktur entscheidend. Effizienz ist dabei unerlässlich, um die Sanierung und Modernisierung von Straßen, Brücken und öffentlichen Verkehrsmitteln voranzutreiben.

Das Sondervermögen allein kann den Strukturwandel in Deutschland nicht bewerkstelligen. Auch Sparmaßnahmen und Effizienzsteigerungen sind notwendig.

Straßenbau: Regularien und Abläufen müssen vereinfacht werden

Experten fordern von Friedrich Merz und einer möglichen schwarz-roten Koalition eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren, um den Investitionsbedarf im Straßenbau besser zu bedienen. Schnellere Genehmigungen könnten den Ausbau von Autobahnen oder die Sanierung von Brücken beschleunigen. Dies würde nicht nur die Bauindustrie beleben, sondern auch die Verkehrssicherheit und Lebensqualität der Bürger verbessern.

Ein weiterer Vorschlag, der nach der Bundestagswahl diskutiert wird, ist die Einführung einer Straßenmaut zur Mobilisierung privater Investitionen. Unternehmensberater Roland Berger hebt in der Bild hervor, dass durch die Streichung unnötiger Subventionen für Infrastrukturprojekte im Ausland jährlich bis zu drei Milliarden Euro eingespart werden könnten. Diese Einsparungen könnten in die deutsche Infrastruktur reinvestiert werden, um Straßen, Brücken und Schienen wettbewerbsfähig zu machen.

Merz‘ Umgang mit dem Sondervermögen: Balance notwendig

Die entscheidende Frage bleibt die Finanzierung der notwendigen Infrastrukturprojekte. Ökonom Friedrich Heinemann warnt laut tagesschau.de, dass unüberlegte Schuldenaufnahmen unter Friedrich Merz wichtige Strukturreformen in den Hintergrund drängen könnten, was die langfristige Stabilität Deutschlands gefährden würde. Eine Balance zwischen notwendigen Investitionen und der Vermeidung übermäßiger Verschuldung ist erforderlich.

Eine neu gewählte Regierung muss sicherstellen, dass die bereitgestellten Mittel nicht nur aktuelle Probleme lösen, sondern auch zukunftsorientiert eingesetzt werden. Eine umfassende Modernisierungsstrategie der Infrastruktur erfordert klare Prioritäten und eine durchdachte Ausgabenpolitik.

Große Koalition unter Merz muss strukturelle Veränderungen herbeiführen

In den kommenden Wochen und Monaten wird es entscheidend sein, ob Merz und eine schwarz-rote Koalition nicht nur neue Schulden generieren, sondern auch die notwendigen Reformen umsetzen und das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen können. Es bleibt abzuwarten, ob die Koalition mutig genug ist, die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen anzugehen, die für die Sanierung und den Ausbau der deutschen Infrastruktur notwendig sind.

Das Potenzial für positive Entwicklungen ist vorhanden, hängt jedoch stark von der Fähigkeit der Politik ab, klare Prioritäten zu setzen und eine transparente sowie nachvollziehbare Ausgabenpolitik zu führen. Eine echte Modernisierung der Infrastruktur könnte nicht nur die aktuellen Herausforderungen angehen, sondern auch langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sichern.

Die Fragen, die beantwortet werden müssen, gehen über finanzielle Überlegungen hinaus. Es geht um die Zukunft der Mobilität, um Verkehrssicherheit und den Umweltschutz, der ebenfalls nicht vernachlässigt werden kann.

Was Merz neben dem Sondervermögen noch braucht um erfolgreich zu regieren

Ein entscheidender Aspekt wird sein, ob die Koalition es schafft, die Bürger in den Entscheidungsprozess einzubeziehen und Bedenken bezüglich möglicher Einsparungen und des Abbaus gewisser Subventionen offen zu kommunizieren. Der gesellschaftliche Konsens über Infrastrukturmaßnahmen ist essenziell, um nachhaltige Lösungen zu finden, die nicht nur der aktuellen, sondern auch zukünftigen Generationen zugutekommen.

Darüber hinaus könnte die Förderung innovativer Technologien und nachhaltiger Baupraktiken helfen, die Umweltbelastung zu reduzieren und Kosten zu sparen. Wenn diese Ansätze kombiniert werden, könnte es der Regierung gelingen, eine ganzheitliche Strategie zu entwickeln, die alle Komponenten – vom Bau über die Verwaltung bis hin zur Ausführung – berücksichtigt.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Wolfgang Maria Weber

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