Waffen-Stopp für Israel: Netanjahu wirft Merz „Belohnung des Hamas-Terrors“ vor
VonSimon Schröder
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Paula Völkner
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Merz stoppt vorerst die Ausfuhr bestimmter Rüstungsgüter an Israel: Die Grünen fordern weitere Schritte, der Zentralrat der Juden übt Kritik. Die Reaktionen.
Update, 19.37 Uhr: Nach Merz‘ unerwartetem Schritt bekundete der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt seine Unterstützung: „Diese Reaktion war unausweichlich, nachdem der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister unsere Bedenken über Monate in hoher Frequenz vortrugen“, zitiert der Spiegel Hardt. Auch sein Parteikollege Norbert Röttgen stärkte Merz den Rücken und äußerte sich in der Rheinischen Post: „Diese Reaktion ist richtig und durch die jüngsten Entscheidungen der israelischen Regierung leider unausweichlich geworden.“
Thomas Röwekamp (CDU) unterstützte Merz in einem Interview bei Welt ebenfalls. Die Bundesregierung teile das Ziel der israelischen Regierung, den gesamten Gazastreifen einzunehmen, nicht. „Und deswegen werden wir dazu auch keine militärische Hilfe leisten.“
Update, 18.37 Uhr: Israels Premier Benjamin Netanjahu hat nach Angaben seines Büros mit Bundeskanzler Friedrich Merz telefoniert. Netanjahu habe seine „seine Enttäuschung über Merz‘ Entscheidung zum Ausdruck gebracht, ein Waffenembargo gegen Israel zu verhängen“, heißt es in der Erklärung. Dem Kanzler wirft er vor, die Bundesregierung „belohne“ mit dem Schritt „den Terror der Hamas“.
„Israels Ziel sei nicht die Übernahme des Gazastreifens, sondern die Befreiung des Gazastreifens von der Hamas und die Errichtung einer friedlichen Regierung dort“, wird Netanjahu in der Erklärung zitiert.
Waffen-Stopp für Israel: Merz-Entscheidung sorgt für Zoff in der Union
Update, 17.14 Uhr: Die Union ist gespalten über die Entscheidung von Friedrich Merz, den Export bestimmter Rüstungsgüter an Israel zu stoppen. Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter schrieb auf X: „Die Aussetzung von Waffenlieferungen an Israel halte ich persönlich für einen schweren politischen und strategischen Fehler Deutschlands.“ Kiesewetter vertraue einem Freund wie Israel, dass er die Waffen völkerrechtskonform einsetze. Merz unterminiere mit seiner Entscheidung das Völkerrecht, erklärte Kiesewetter weiter. „Indem Israels Recht zur Selbstverteidigung zumindest eingeschränkt wird.“
Weiter schrieb Kiesewetter: „Schlimmer, Deutschland bricht gewachsene Freundschaft und Vertrauen und die Staatsräson bleibt eine leere unglaubwürdige Hülle. Stattdessen beugt man sich einem antisemitischen Mob der Straße, der jüdisches Leben auch in Deutschland bedroht und man beugt sich der kognitiven Kriegsführung einer gnadenlosen Hamas-Propaganda.“
Update, 16.13 Uhr: Die Nachwuchsorganisation der CDU/CSU, die Junge Union kritisierte den Schritt von Friedrich Merz. Auf ihrem Instagram-Account warf die Organisation Kanzler Merz vor, mit den Grundsätzen der Unionspolitik zu brechen. Die Junge Union schrieb: „Staatsräson abgehakt? Ein Bruch mit Grundsätzen der Unionspolitik.“ Weiter heißt es: „Israel kritisieren und Israel unterstützen! Weil es Partner, Verbündeter und Freund ist. Und bleiben muss.“
Erstmeldung: Berlin – Die Bundesregierung liefert bis auf Weiteres keine Waffen an Israel, die im Gazastreifen zum Einsatz kommen könnten. Von Zustimmung bis scharfer Kritik: Die Reaktionen auf die Entscheidung fallen gemischt aus. Die Grünen etwa begrüßen den Schritt, fordern die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz jedoch gleichzeitig auf, noch weiterzugehen. Parteichefin Franziska Brantner sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Endlich kommt die Bundesregierung ins Tun und stoppt die Lieferungen von Waffen, die in Gaza eingesetzt werden können. Ich begrüße das sehr, es kann aber nur ein erster Schritt sein.“
Reaktionen auf teilweise Waffen-Stopp für Israel: Grüne fordern weitere Schritte
Hintergrund des teilweisen Waffen-Stopps ist eine Entscheidung des israelischen Sicherheitskabinetts, die Offensive im Gazastreifen auszuweiten. Brantner erklärte, die Ausweitung des Gaza-Kriegs sei eine Katastrophe – für die Zivilbevölkerung in Gaza und auch für die immer noch von der Terrororganisation Hamas festgehaltenen Geiseln. Von der Bundesregierung fordert die Grünen-Chefin: „Kanzler Merz und sein Außenminister Wadephul müssen sich jetzt mit Nachdruck für einen politischen Prozess einsetzen. Deutschland darf nicht länger konsequentes europäisches Handeln in diesem Sinne verhindern, sondern muss sich an die Spitze stellen.“
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Auch Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil unterstützt den Schritt: „Dem Staat Israel gilt unsere volle Solidarität, aber Falsches muss benannt werden“, erklärte er. Das humanitäre Leid in Gaza sei unerträglich. Für diese Lage trage die israelische Regierung eine große Verantwortung.
Reaktionen auf Merz‘ Israel-Entscheidung: CSU von Waffenstopp „überrascht“
Für die CSU soll die Entscheidung der Bundesregierung überraschend erfolgt sein. Laut Bericht der Bild-Zeitung heißt es aus CSU-Kreisen, man sei „an dieser Entscheidung nicht beteiligt“ gewesen – und „davon überrascht“. Für Markus Söders CSU sei der Schritt ein Affront, heißt es in dem Bericht. Söder hatte noch in der vergangenen Woche im ZDF-Sommerinterview betont, dass Deutschland an seiner Linie festhalten solle. Auch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte Israel bei einem Besuch Deutschlands Unterstützung zugesichert.
Teilweise Waffen-Stopp für Israel: Markus Söders CSU soll von der Entscheidung der Bundesregierung und Kanzler Merz überrascht worden sein. (Symbolbild)
Teilweise Waffen-Stopp für Israel: Reaktion vom Zentralrat der Juden – „gefährdet Existenz“
Auch der Zentralrat der Juden übt scharfe Kritik am deutschen Exportstopp für bestimmte Rüstungsgüter nach Israel. „Dieser Kurswechsel läuft allen Solidaritätsbekundungen und Versprechen zuwider, die der Bundeskanzler seit seinem Amtsantritt vertreten hat“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster in Berlin. Israel werde täglich von Feinden angegriffen und mit Raketen beschossen. „Israel nun die Möglichkeit zu nehmen, sich gegen solche Bedrohungen zu verteidigen, gefährdet dessen Existenz“, fügte Schuster hinzu. Deutschland müsse stattdessen den Druck auf die Terrororganisation Hamas erhöhen. (pav/dpa/AFP)