AfD malt Trauerbild

Regierungserklärung im Bundestag: Merz fordert Selbstbewusstsein und kritisiert Trump scharf

  • schließen

Traut euch was, fordert Kanzler Friedrich Merz. Europa müsse „die Sprache der Machtpolitik“ lernen, auch mal mehr Stolz zeigen.

Europa und Deutschland werden sich nicht beugen vor der „neuen Welt der Großmächte“, die auf Macht und Gewalt aufgebaut ist: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat im Bundestag zu mehr Selbstbewusstsein, Selbstachtung und Stolz aufgerufen. Deutschland und Europa seien noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten, sagt er. Man müsse selbst „die Sprache der Machtpolitik sprechen lernen“.

Seid mal stolz: Friedrich Merz, hier nach der Rede mit Litauens Premierministerin Inga Ruginiene.

Und das setzt er auch gleich um: Gegenüber den USA schlägt Merz einen deutlich härteren Ton an als bisher. Die Aussagen von US-Präsident Trump, dass die USA die NATO-Truppen in Afghanistan nie gebraucht hätten, kritisiert er scharf. „Wir lassen nicht zu, dass dieser Einsatz, den wir auch im Interesse unseres Bündnispartners Vereinigte Staaten von Amerika geleistet haben, heute verächtlich gemacht wird“, sagt er. Unmissverständlich betont er, Deutschland wolle sich den USA politisch nicht unterordnen: „Als Demokratien sind wir Partner und Verbündete und nicht Untergebene.“ Klartext auch gegen die Zoll-Politik des US-Präsidenten: „Wer in der Welt der Meinung ist, mit Zöllen gegen Europa Politik zu machen, der muss wissen und der weiß jetzt, dass wir bereit und in der Lage sind, uns dagegen zur Wehr zu setzen.“ Zugleich macht Merz den Bürgern Mut: „Wir leben in einem Land der Freiheit, in einem Land der Demokratie. Wir haben ein starkes wirtschaftliches Fundament, auf dem wir aufbauen können. Wir können auch stolz sein auf unser Land.“

Regierungserklärung von Merz – Weidel malt Trauerbild

Die Idee zu dieser mit Spannung erwarteten Regierungserklärung hatte Merz, als die Welt tief in der Grönland-Krise steckte. Inzwischen hat sich die Lage unter dem Druck der Aktienmärkte und dem Widerstand Europas ein klein wenig beruhigt. Trump hat seine Ansprüche auf Grönland fallen lassen. Ein Erfolg, an dem auch Merz beteiligt war. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte er den Zusammenhang von eigener Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und europäischer Geschlossenheit betont.

AfD-Chefin Alice Weidel indes malt ein Trauerbild von Deutschland. Mit Grabesstimme verkündet sie, durch Deutschland rolle ein „Pleite-Tsunami“, es drohe der „Kollaps“. Es klingt, als sei Deutschland am Ende. Dass Deutschland sich nicht dem Friedensrat von Donald Trump angeschlossen habe, nennt sie einen Fehler, die Entsendung deutscher Soldaten einen „Klamauk“.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Konflikt mit der AfD: Spahn watscht „Putin-Partei“ im Bundestag ab

CDU-Fraktionschef Jens Spahn watscht die AfD anschließend als „Putin-Partei“ ab. Doch auch er, der immer als enger Freund Amerikas galt und die Trump-Regierung oft verteidigt hatte, ist enttäuscht von den Verbündeten jenseits des Atlantiks. Ein Teil der Entwicklungen in den USA hätte er so nicht für möglich gehalten. Die Emanzipation Deutschlands vom Großmacht-Gebaren der Vereinigten Staaten, die der Kanzler zuvor so klar formuliert hatte, zeigt auch hier seine Wirkung. Aber Spahn ruft auch zur Besonnenheit auf. Zumal man wirtschaftlich und technologisch eng mit den USA verknüpft sei. Ohne sie werde es keinen Waffenstillstand in der Ukraine geben. Die Union werde für die transatlantische Partnerschaft kämpfen, denn „es gibt in Europa jetzt und absehbar keine Sicherheit ohne die USA“.

Söder und die Löwen

Markus Söder im Nacken des Kanzlers: Formal als Vertreter des Bundesrats hat der Ministerpräsident gestern im Bundesrat die Regierungserklärung von Friedrich Merz verfolgt. Söder äußert sich derzeit auffallend lobend über Merz‘ Außenpolitik und seinen weltweiten Einfluss. Heute folgt dafür ein kritischerer innenpolitischer Aufschlag. In Berlin stellt Söder zusammen mit Boris Rhein (Ministerpräsident in Hessen) und Manuel Hagel (CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg) eine Initiative vor, die sich sehr kritisch mit dem Länderfinanzausgleich auseinandersetzen dürfte – es sind ja drei Zahler-Länder. Söder hat die Runde als „Drei-Löwen-Allianz“ angekündigt.

Bei aller neuen Macht-Rhetorik sorgt der Kanzler aber auch für beruhigende Töne. Er versichert, „dass wir uns von ruhiger Vernunft leiten lassen und nicht von der Erregung des Augenblicks“.

Rubriklistenbild: © Liesa Johannssen/AFP

Kommentare