Minister auf Merz‘ Abschussliste?

Syrien-Zoff um Wadephul: Reichinnek nennt Unions-Kritik „schäbig“ – Ansage an Merz und Dobrindt

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Die Aussagen des Außenministers Johann Wadephul wurden in der Union kontrovers aufgenommen. Nach außen versucht man ein harmonisches Bild abzugeben.

Berlin – Die Spannungen innerhalb der Union über den Umgang mit syrischen Geflüchteten haben sich in dieser Woche weiter verschärft. Während Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit Blick auf Syrien erklärte, man könne „mit Rückführungen beginnen“, da der Bürgerkrieg beendet sei und es „jetzt keinerlei Gründe mehr für Asyl in Deutschland“ gebe, äußerte sich Außenminister Johann Wadephul (CDU) deutlich zurückhaltender zur Lage vor Ort.

Außenminister Johann Wadephul (CDU) sorgte in Damaskus mit Äußerungen über die freiwillige Rückkehr von Syrern für Irritationen in den Reihen der Union. (Archivbild)

Wadephul hatte kürzlich bei einem Besuch in Syrien gesagt, eine mögliche Rückkehr syrischer Geflüchteter aus Deutschland sei „zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr eingeschränkt möglich“, da in Syrien „sehr viel an Infrastruktur“ zerstört sei. In der Sitzung der Unionsfraktion am Dienstag wollte er seine Position klarstellen – und sorgte mit einem drastischen Vergleich für weitere Irritationen: Die Situation in Syrien sei „schlimmer“ als die in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wadephul zeigt sich uneinsichtig nach Aussagen über Abschiebungen nach Syrien

Nach Angaben mehrerer Teilnehmer zeigte sich Wadephul in der Fraktionssitzung uneinsichtig gegenüber der Kritik und betonte, er habe „nichts zurückzunehmen“, wie der Spiegel berichtet. Fraktionschef Jens Spahn warf dem Außenminister offenbar vor, das Erscheinungsbild der Koalition zu beschädigen. „Leider“ reiche schon eine Äußerung wie aktuell zu Syrien, um die gerade im Bereich irregulärer Migration sehr erfolgreiche Arbeit mit Streit zu überdecken, hieß es dem Vernehmen nach. Wie die dpa und der Spiegel berichten, sei ein Applaus nach Wadephuls Ansprache ausgeblieben.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Auf Anfrage des Münchner Merkurs von Ippen.Media verwies das Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) ebenfalls auf den vereinbarten Koalitionsvertrag. Die Bundesregierung habe sich darauf verständigt, dass Abschiebungen nach Syrien durchgeführt werden, beginnend mit Straftätern. Weiter erklärte das Innenministerium: „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bearbeitet seit Ende September 2025 wieder Asyl-Anträge von Syrern, aus der Gruppe der jungen, arbeitsfähigen, alleinreisender Männer. Zuständig für Rückführungen sind die Länder.“ Es scheint, Dobrindt und die Merz-Regierung wollen an ihrem bisherigen Kurs festhalten. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann erklärte auf eine Anfrage unserer Redaktion, er wolle sich zu dem Thema nicht weiter äußern. Zuvor sprach der Generalsekretär in der ARD noch von einer „Scheindebatte“ innerhalb der Union.

Rückhalt für den CDU-Außenminister von links – Reichinnek bezeichnet Kritik als „schäbig“

Die Linken hingegen unterstützen den Außenminister in seinen Aussagen über Syrien. Auf Anfrage des Münchner Merkurs erklärte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Heidi Reichinnek: „Es gab in den vergangenen Wochen Massaker an der Zivilbevölkerung, an denen regierungsnahe Militäreinheiten beteiligt waren sowie massenhafte Verschleppungen von Frauen. Das bestätigt auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages.“ Wadephul sei der Einzige in der Union, der „diese Realität anerkennt“. Dass er für seine Aussagen angegriffen werde, bezeichnet Reichinnek als „schäbig“. Weiter sagt die Linken-Politikerin: „Mehr noch: Merz und Dobrindt haben scheinbar kein Problem damit, islamistische Akteure durch Einladungen zu Staatsbesuchen oder durch Abkommen zu normalisieren – egal ob in Syrien oder Afghanistan. Das zeigt deutlich, dass die Union bereit ist, jeden humanitären Anspruch auszublenden, wenn es dazu dient, rechte Wahlpropaganda umzusetzen.“

Dabei ist die aktuelle Diskussion um die Syrien-Aussagen von Wadephul nicht die erste Kontroverse des Außenministers. Erst einige Tage zuvor hatte Wadephul eine angekündigte Reise nach China auf den letzten Drücker verschoben. „Die chinesische Seite konnte zuletzt, bis auf den Termin mit dem chinesischen Außenminister, hinreichende weitere Termine nicht bestätigen“, ließ er die Sprecherin des Auswärtigen Amts öffentlich erklären. Keine hinreichenden weiteren Termine – deutlicher lässt sich kaum formulieren, dass Berlin mit der Haltung Pekings in für die Bundesregierung zentralen Fragen unzufrieden ist.

Die Fehltritte des Außenministers: Erst China, dann Syrien – bröckelt der Rückhalt in der Union?

China konterte kurz darauf und forderte Respekt ein. Als wichtige Volkswirtschaften der Welt biete die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland Vorteile für beide Seiten, sagte Außenamtssprecher Guo Jiakun in Peking. Insbesondere in der aktuellen Situation sollten Deutschland und China gegenseitigen Respekt und Gleichberechtigung wahren und die beiderseitigen Beziehungen auf dem „richtigen Weg vorantreiben“, erklärte er. Angesprochen darauf, ob die Entscheidung aus Berlin für Spannung im deutsch-chinesischen Verhältnis sorgen werde, betonte Guo, China betrachte die Beziehungen zu Deutschland aus einer strategischen und langfristigen Perspektive.

Nach dem diplomatischen Fehltritt aufgrund der abgesagten China-Reise und Wadephuls Aussagen zu Abschiebungen in Syrien stellt sich die Frage, ob sich der Bundeskanzler noch auf den Außenminister verlassen kann. Merz jedenfalls stellt sich klar hinter Wadephul: „Selbstverständlich steht der Bundeskanzler hinter dem Außenminister“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. Der Kanzler sei sehr zufrieden, wie mit dem Thema in der Unionsfraktion am Dienstag umgegangen worden sei. Der Außenminister, aber auch die anderen zuständigen Vertreter der Bundesregierung hätten die Positionen klargemacht. 

Berichte über die Fraktionssitzung deuten jedoch ein weniger harmonisches Bild an: Die Unterstützung für Wadephul in der Fraktion schwinde, zitiert etwa die Welt Teilnehmer der Fraktionssitzung am Dienstag: Hinter vorgehaltener Hand würden sich erste Abgeordnete für dessen Rücktritt aussprechen, berichtete der Spiegel. Nach außen hin kommuniziert man jedenfalls, dass man im Einklang sei. Doch intern scheint es zu brodeln. (Quellen: dpa/Spiegel/eigene Anfragen/ARD/AFP) (sischr)

Rubriklistenbild: © dpa | Marcus Brandt + dpa | Michael Kappeler

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