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Donald Trump liefert sich einen erbitterten Kampf mit seinem republikanischen Konkurrenten Ron DeSantis. Der kuscht nicht vom ehemaligen Präsidenten.
Washington, D.C. – Die Midterms in den USA kennen einen ersten Sieger: Ron DeSantis - konservativer Hardliner, aber kein Trump-Anhänger - hat in Florida einen vergleichsweise komfortablen Sieg bei der Gouverneurswahl davongetragen. Damit könnte er erheblichen Aufwind in einem Ringen mit Donald Trump um die republikanische Präsidentschaftskandidatur erhalten.
Denn mehrere Republikaner, die Trump offensiv im Wahlkampf vor den „Midterms“ unterstützt hatte, scheitern bei der Abstimmung. Das Bild des Ex-Präsidenten als Zugpferd der Republikanischen Partei ist angekratzt. Das könnte DeSantis darin bestärken, seinen Parteikollegen beim internen Rennen für die Präsidentschaftswahl 2024 herauszufordern.
Ron DeSantis: Trump droht umgehend – die Strategie steht offenbar schon
Trump drohte DeSantis umgehend mit Enthüllungen. Bereits auf seiner Midterms-Wahlkampftour hatte der Ex-Präsident aber einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie er im Vorwahlkampf 2024 gegen DeSantis antreten könnte. Trump bezeichnete den Gouverneur von Florida bei einer Kundgebung in Pennsylvania am Samstag als „Ron DeSanctimonious“. Trump diffamiert seinen Konkurrenten so als „scheinheilig“.
Trump und DeSantis befänden sich schon seit Monaten in einer Art Kaltem Krieg, ordnete der Sender CNN die Lage ein. Im Oktober bezeichnete Trump es einen „großen Fehler“, dass DeSantis den republikanischen Senatskandidaten Joe O‘Dea aus Colorado offiziell unterstützte. Der republikanische Senatskandidat Joe O‘Dea hatte Trumps Zorn auf sich gezogen, als er in einem CNN-Interview ankündigte, er würde sich dem ehemaligen Präsidenten „aktiv“ widersetzen, sollte dieser 2024 für das Weiße Haus kandidieren.
US-Wahlen: „Kalter Krieg“ bei den Republikanern – DeSantis kuscht nicht vor Trump
DeSantis seinerseits hat Trump nicht die Art von Ehrerbietung erwiesen, die der ehemalige Präsident von Republikanern zu erhalten gewohnt ist. DeSantis bemühte sich nicht um Trumps Unterstützung für seine Kandidatur zur Wiederwahl 2022, und auch am Wochenende vor den Midterms hielten die beiden Männer in Florida zwei getrennte Kundgebungen ab.
DeSantis könnte den Schwung seines erwarteten Sieges für eine Kandidatur im Weißen Haus nutzen. Vergangene Woche veröffentlichte er ein Video, das leicht als Ankündigung einer Präsidentschaftskandidatur hätte durchgehen können – an finanziellen Ressourcen würde es wohl nicht fehlen: Politico will erfahren haben, dass DeSantis 200 Millionen Dollar für seine Wiederwahlkandidatur aufgebracht und mehr als 90 Millionen Dollar auf der Bank hat.
Trumps Strategie: „Mann des Volkes“ – ein „hochgefährliches Narrativ“
Falls DeSantis für das Präsidentenamt antreten sollte, könnte Trump auf seine Wahlkampftaktik zurückgreifen, die er bereits gegen Ted Cruz, seinen damaligen republikanischen Hauptkonkurrenten, bei der Nominierung 2016 anwandte. Auf sie greift indirekt auch der Spitzname „DeSanctimonious“ zurück.
In jenem Rennen behauptete Trump, dass Cruz scheinheilig sei. Cruz stelle sich als ehrlicher Makler und Mann Gottes dar, sei aber in Wahrheit ein Lügner. „Ich glaube, er wird untergehen“, sagte Trump im Februar 2016 über Cruz. „Ich denke, ein Mann kann nicht behaupten, dass er ein Christ sei, die Bibel hochhalten und dann über so viele Dinge lügen“. Laut CNN wollte Trump DeSantis als einen überheblichen Kandidaten darstellen, der sich für etwas Besseres halte, als seine Wählerinnen und Wähler. Der Subtext: Trump hingegen sei der wahre Mann des Volkes.
Das wäre eine verbreitete „populistische“ Strategie. Der Politikwissenschaftler Julian Nida-Rümelin beschrieb vor einiger Zeit Trump in einem Interview mit Merkur.de als „Milliardär, der in einer Blase lebt, sich aber als authentische ‚Führer des Volkes‘ gibt“ – im Gegensatz zu vermeintlich abgehobenen „Eliten“. „Gegen dieses Narrativ muss man unbedingt Stellung beziehen – es ist nicht nur hochgefährlich, sondern auch falsch“, betonte der Experte.
„Trump mit Hirn“: DeSantis könnte nach der Macht greifen – Beobachter halten ihn ebenfalls für gefährlich
Auch DeSantis ist gleichwohl kein Kind von Traurigkeit. Er gehört wie Trump zum rechten Flügel der Republikanischen Partei. Bei seinen Wahlkampfauftritten sprach er über die „Indoktrinierung“ von Kindern und Jugendlichen an Amerikas Schulen durch die „Verbreitung der Gender-Ideologie“. Im März unterzeichnete er - selbst Vater dreier Kinder - ein Gesetz zum „Schutz der elterlichen Rechte auf die Erziehung“, das Unterricht über sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität im Kindergarten bis zur dritten Klasse verbietet. Wiederkehrende Themen bei seinen Auftritten sind auch ein Anstieg an Kriminalität durch illegale Einwanderer, für den er keine konkreten Belege nennt, sowie die Corona-Politik der US-Regierung, die er für komplett gescheitert hält.
DeSantis bietet ähnliche Hardliner-Positionen wie Trump. Aber er teilt nicht dessen Hang zu Skandalen, Kontrollverlust und Chaos, sondern gilt als disziplinierter und smarter als sein Parteikollege. Das macht ihn nach Einschätzung mancher Kritiker gefährlicher als Trump. DeSantis hat die Elite-Unis Yale und Harvard besucht. Ketzerisch wird der Jurist mitunter als „Trump mit Gehirn“ tituliert. Noch dazu war er bei der Navy - und im Irak im Einsatz. In den USA sind das keine unwichtigen Details.
Zuletzt hatte sich DeSantis in Florida als Kümmerer und Krisenmanager zu beweisen, als ein schwerer Hurrikan in dem südlichen US-Staat Verwüstungen anrichtete. Seine täglichen Auftritte absolvierte er da volksnah, sortiert, staatsmännisch - eher Trump-untypisch. (mse/fn/dpa)
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