Gipfel im Bundestag

Jeder vierte Euro für das Wohnen: Reichinnek will Wucher beenden – „Die Mieten müssen runter“

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Die Mieten explodieren: Reichinnek fordert einen bundesweiten Mietendeckel. Denn viele Deutsche zahlen zu viel. Wie kann ein Gegenplan aussehen?

Berlin – In Deutschland lebt laut Eurostat-Statistik mittlerweile jeder Neunte in beengten Verhältnissen. Die Menschen hierzulande geben durchschnittlich jeden vierten Euro für die Miete aus – in den meisten europäischen Ländern ist das Wohnen damit viel billiger als in der Bundesrepublik. Die Linke im Bundestag will das nicht länger hinnehmen. Bei einem Mietengipfel sollen nun Lösungen für die aktuelle Wohnungskrise gesucht werden. Denn „Mieterinnen und Mieter in Deutschland zahlen monatlich Millionen Euro überhöhter Mieten“, beklagte Linken-Wohnungsbauexpertin Caren Lay kürzlich laut der Nachrichtenagentur dpa.

Teure Mieten in Deutschland: Reichinnek diskutiert auf Gipfel das Pro und Contra eines Mietendeckels

Angeführt von der Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek und Wohnungsbau-Expertin Lay lädt die Linke deswegen heute in Berlin zum Mietengipfel. Unter dem Titel „Deckel drauf“ soll vor allem das Pro und Contra für eine Regulierung der Mieten diskutiert werden. Eingeladen sind Vertreter von Gewerkschaften, Mieter-Bündnissen und aus der Wissenschaft. Im Vordergrund steht dabei die rechtliche Umsetzung der Linken-Forderung nach einem bundesweiten Mietendeckel. Den Angaben zufolge soll ein bundesweites Konzept für diese Forderung vorgelegt werden.

Fordert einen bundesweiten Mietendeckel: Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek.

„Die Mieten müssen runter“, sagte Fraktionschefin Reichinnek im Vorfeld auf eine Anfrage von fr.de von IPPEN.MEDIA. Denn „die zahnlose Mietpreisbremse, die Mietsteigerungen von teilweise über 100 Prozent in den letzten zehn Jahren nicht verhindern konnte“ werde nicht zu einer Beruhigung des Marktes führen, so Reichinnek weiter.

Mietpreisbremse reicht nicht: Linke fordert härtere Maßnahmen für billiges Wohnen

Angesichts steigender Mieten in Deutschland, die oftmals das Gehalt auffressen, war die Linke bereits mit diesem Thema in den Wahlkampf bei der vergangenen Bundestagswahl gezogen. Zwar gilt seit 2015 in 492 deutschen Städten und Gemeinden die sogenannte Mietpreisbremse. Dieses Bundesgesetz legt fest, dass bei Neuvermietungen die Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Der Bundestag verlängerte die ursprünglich bis 2025 befristete Regelung erst kürzlich bis 2029.

Mietpreisbremse – wie funktioniert sie?

Die Mietpreisbremse gilt seit 2015 und noch bis 31. Dezember 2029. Bei der Wiedervermietung einer Wohnung darf die zulässige neue Miete höchstens auf das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete plus zehn Prozent steigen. Auskunft über die ortsübliche Vergleichsmiete gibt der örtliche Mietspiegel. Die Mietpreisbremse gilt aber nur in Gebieten mit „angespanntem Wohnungsmarkt“. Ende 2024 waren laut Mieterbund 410 von 11.000 Gemeinden als angespannte Wohnungsmärkte definiert - dort leben etwa 30 Prozent der Bevölkerung, etwa 26 Millionen Menschen.

Gilt die Preisbremse für alle Wohnungen?

Nein. Bei Neubauten und bei der ersten Vermietung nach einer umfassenden Sanierung greift die Mietpreisbremse nicht.

Wer muss die Mietpreisbremse durchsetzen?

Zuständig dafür ist der Mieter oder die Mieterin selbst. Sie müssen den Vermieter schriftlich rügen, dass die Miete mehr als zehn Prozent über dem Mietspiegel liegt und können dann zu viel gezahlte Miete einbehalten.

Quelle: AFP

Doch die Wirkung bleibt umstritten. Laut der Plattform Finanztip zahlen ungefähr 75 Prozent der Deutschen weiterhin eine zu hohe Miete. In Berlin wagte der rot-rot-grüne Senat deshalb im Jahr 2020 einen Sonderweg mit einem eigenen Mietendeckel, der weit über die bundesweite Mietpreisbremse hinausging und die Mieten für etwa 1,5 Millionen Wohnungen in der Hauptstadt auf dem Stand vom Juni 2019 einfrieren sollte. Doch das Bundesverfassungsgericht stoppte das Projekt. Die Begründung: Da es schon ein Bundesgesetz gab, sei das Land nicht zuständig.

Mietendeckel: Linke will Erhöhungen für sechs Jahre ausschließen

Doch die Linke will das Konzept nicht aufgeben. In ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2025 forderte die Partei einen bundesweiten Mietendeckel. „An Orten mit angespanntem Mietmarkt dürften Mieten in den kommenden sechs Jahren nicht steigen“, so der Vorschlag der Partei.

Das Konzept der Linken geht dabei deutlich über die bestehende Mietpreisbremse hinaus. Während diese nur Neuvermietungen reguliert, will die Partei alle Mieten erfassen. „Unser Ziel: Die Explosion der Mieten nicht nur bremsen, sondern beenden und rückgängig machen“, heißt es auf der Website der Partei. „In angespannten Wohnungsmärkten müssen besonders hohe Mieten abgesenkt werden.“ Das Mietendeckel-Konzept der Linken basiert auf drei Elementen, wie Caren Lay zu fr.de von IPPEN.MEDIA sagte. Dies Kernanliegen sind demnach:

  • Mietenstopp: In Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt sollen Mieten für sechs Jahre nicht steigen dürfen
  • Mietobergrenzen: Festlegung von Höchstmieten bei Neuvermietungen auf Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete
  • Mietsenkung: Überhöhte Bestandsmieten sollen gesenkt werden können

Laut der Wohnungsbau-Expertin der Linken soll in dem Konzept auch auf unterschiedliche Bedingungen vor Ort Rücksicht genommen und zwischen Städten mit Wohnungsnotlagen, Städten mit angespannten Mietmärkten und nicht angespannten Mietmärkten unterschieden werden. Auch Härtefallregelungen seien vorgesehen. „Aber für uns ist klar, ohne eine gesetzliche Deckelung der Mietpreise wird es nicht gehen“, stellte Caren Lay klar.

Mietendeckel: Linke braucht Unterstützung von Merz-Regierung im Bundestag

Doch das zentrale Problem bleibt ungelöst: Wie kann ein bundesweiter Mietendeckel verfassungskonform umgesetzt werden? Im besten Fall soll nach Wunsch von Fraktionschefin Reichinnek der heutige Gipfel schon mal eine erste Antwort liefern. Eine Möglichkeit, so ist zu hören, sei ein soziales Mietrecht oder eine Öffnungsklausel, die den Ländern die Begrenzung der Miete erlaubt. Doch dafür bräuchte es wohl eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag. Und ob die Merz-Regierung da mitspielt, bleibt fraglich. Immer wieder gerät Reichinnek mit der Union aneinander.

Haus kaufen und auswandern: Die 10 besten Länder für deutsche Aussteiger

Allein für die atemberaubende Natur lohnt es sich, nach Kanada auszuwandern.
Allein für die atemberaubende Natur lohnt es sich, nach Kanada auszuwandern. Hier zu sehen: Der Banff Nationalpark in der Provinz Alberta, das vor allem für Skifahrer immer eine Attraktion ist. Darüber hinaus ist die Kriminalitätsrate in Kanada niedrig.  © IMAGO/Paul Giamou Photography Ltd.
Leider sind die Lebenshaltungskosten in den Großstädten wie hier Vancouver aber auch Toronto und Québec hoch.
Leider sind die Lebenshaltungskosten in den Großstädten wie hier Vancouver aber auch Toronto und Québec hoch. Doch das liegt auch an der starken Wirtschaft und den gutbezahlten Jobs, die es in Kanada gibt. Es gibt in Kanada auch für Fachkräfte ein Einwanderungssystem, das Global Talent Stream ist ein Programm davon. Außerdem hat Kanada eines der besten Gesundheitssystme der Welt.  © IMAGO/Paul Giamou Photography Ltd.
Auf Platz zwei unserer Liste ist die Schweiz, hier zu sehen die Lorraine Brücke in Bern. Die Schweiz kann bei der Natur auf jeden Fall auch mit Kanada mithalten.
Auf Platz zwei unserer Liste ist die Schweiz, hier zu sehen die Lorraine Brücke in Bern. Die Schweiz kann bei der Natur auf jeden Fall auch mit Kanada mithalten. Und auch das Gesundheitssystem ist verlässlich und modern ausgestattet. Eine private Krankenversicherung kostet etwa 360 Euro im Monat. © IMAGO/Artur Bogacki
Die Schweiz hat auch besondere Steuervorteile zu bieten: Je nach Kanton (hier die Schwyz abgebildet) kann der Steuersatz zwischen 15 und 25 Prozent variieren.
Die Schweiz hat auch besondere Steuervorteile zu bieten: Je nach Kanton (hier die Schwyz abgebildet) kann der Steuersatz zwischen 15 und 25 Prozent variieren. Deutsche Fachkräfte - vor allem hochqualifizierte - werden auch gerne in der Schweiz gesehen, es leben 310.000 Deutsche im Nachbarland. Die gemeinsame Sprache vereinfacht also die Integration.  © IMAGO/Andreas Haas
Wer eher nach günstigen Immobilienpreisen und schönem Wetter sucht, wird in Portugal fündig.
Wer eher nach günstigen Immobilienpreisen und schönem Wetter sucht, wird in Portugal fündig. Besonders im Landesinneren gibt es schöne Häuser zu Spottpreisen im Vergleich zu Deutschland: Ein 80-Quadratmeter-Häuschen in Strandnähe mit 750 Quadratmetern Grundstück gibt es schon für etwa 325.000 Euro. Außerdem genießen auch die Portugiesen eine gute Gesundheitsversorgung.  © IMAGO/Zoonar.com/Juan Jimenez
Portugal lockt auch gezielt Ausländer und vor allem Rentner mit Steuervorteilen. Wer ein Haus in Portugal kauft und seinen Wohnsitz dorthin verlegt, wird steuerlich begünstigt.
Portugal lockt auch gezielt Ausländer und vor allem Rentner mit Steuervorteilen. Wer ein Haus in Portugal kauft und seinen Wohnsitz dorthin verlegt, wird steuerlich begünstigt. Dabei verdient man in Portugal etwas weniger – hat aber auch niedrigere Lebenshaltungskosten zu stemmen.  © IMAGO/Jorge Mantilla
Im Nachbarland Spanien ist es sehr ähnlich wie in Portugal: Ein angenehmes Klima, niedrige Lebenshaltungskosten und moderate Immobilienpreise, vor allem abseits der Küste und der Metropolen.
Im Nachbarland Spanien ist es sehr ähnlich wie in Portugal: Ein angenehmes Klima, niedrige Lebenshaltungskosten und moderate Immobilienpreise, vor allem abseits der Küste und der Metropolen. In Spanien leben aber mehr Deutsche, als in Portugal, was die Integration einfacher machen kann. Außerdem gibt es ein Golden-Visa-Programm für Immobilienkäufer, die mindestens 500.000 Dollar investieren. © IMAGO
In Norwegen leben die Menschen europaweit am längsten mit einer Lebenserwartung von 83,1 Jahren. Das liegt daran, dass die Norweger das beste Gesundheitssystem in Europa genießen.
In Norwegen leben die Menschen europaweit am längsten mit einer Lebenserwartung von 83,1 Jahren. Das liegt daran, dass die Norweger das beste Gesundheitssystem in Europa genießen. Hier sprechen die Menschen fast immer Englisch, was für Fachkräfte eine Erleichterung ist. Die werden auch überdurchschnittlich gut bezahlt.  © IMAGO/Jakub Porzycki
Norwegen ist bekannt für seine atemberaubende Natur – und für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Die Lebenshaltungskosten mögen hoch sein, die Jobs sind aber auch gut bezahlt.
Norwegen ist bekannt für seine atemberaubende Natur – und für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Die Lebenshaltungskosten mögen hoch sein, die Jobs sind aber auch gut bezahlt.  © IMAGO/Zoonar.com/Fokke Baarssen
Wir verlassen Europa und schauen mal ans andere Ende der Welt: Neuseeland. Auch hier genießen die Menschen eine gute soziale Sicherung – und haben eine starke Willkommenskultur.
Wir verlassen Europa und schauen mal ans andere Ende der Welt: Neuseeland. Auch hier genießen die Menschen eine gute soziale Sicherung – und haben eine starke Willkommenskultur. Für Fachkräfte gibt es Programme wie das Skilled Migrant Category, das die Einwanderung erleichtern soll. Hier profitieren Aussteiger von niedriger Kriminalitätsraten und einem entspannten Lebenstil.  © IMAGO
Und natürlich ist auch die Natur in Neuseeland kaum zu übertreffen.
Und natürlich ist auch die Natur in Neuseeland kaum zu übertreffen. Nicht umsonst wurden hier auch die Herr-der-Ringe-Filme gedreht – das Dorf der Hobbits kann man auch noch besuchen.  © IMAGO
Wir bleiben am anderen Ende der Welt: Singapur ist ebenfalls ganz oben auf der Liste der sichersten und modernsten Länder der Welt.
Wir bleiben am anderen Ende der Welt: Singapur ist ebenfalls ganz oben auf der Liste der sichersten und modernsten Länder der Welt. Das Gesundheitssystem gehört zu den fortschrittlichsten überhaupt und die Einkommenssteuer ist extrem niedrig bei 8-10 Prozent. Nur die Lebenshaltungskosten sind nicht ganz so niedrig, wie man es von anderen südostasiatischen Ländern kennt – und das trifft auch die Immobilienpreise.  © IMAGO
Zurück nach Europa blicken wir in anderes Nachbarland: Die Niederlande. Hier profitieren Auswanderer von einer kulturellen wie sprachlichen Nähe zu Deutschland.
Zurück nach Europa blicken wir in anderes Nachbarland: Die Niederlande. Hier profitieren Auswanderer von einer kulturellen wie sprachlichen Nähe zu Deutschland. Wer sich am Meer wohlfühlt, wird in der Niederlande besonders glücklich werden. Vor allem die Fahrradfreundlichkeit wird viele Menschen begeistern, die sich eine nachhaltigere Lebensweise wünschen.  © IMAGO/Myron Standret
Leider sind die Immobilienpreise in den größeren Städten wie Amsterdam sehr angespannt.
Leider sind die Immobilienpreise in den größeren Städten wie Amsterdam sehr angespannt. Dafür gibt es ein gutes Gesundheitssystem und eine gut ausgebaute Infrastruktur.  © IMAGO/Stephan Sühling
Ebenfalls beliebt bei deutschen Auswanderern ist Österreich – das in Sachen Natur auch mithalten kann. Für Deutsche ist die Sprache ein Riesenbonus, weshalb es auch eine große deutsche Community vor Ort gibt.
Ebenfalls beliebt bei deutschen Auswanderern ist Österreich – das in Sachen Natur auch mithalten kann. Für Deutsche ist die Sprache ein Riesenbonus, weshalb es auch eine große deutsche Community vor Ort gibt.  © IMAGO/imageBROKER/Karl-Heinz Schein
Besonders in Wien aber auch in Salzburg und Innsbruck gibt es eine hohe Lebensqualität.
Besonders in Wien aber auch in Salzburg und Innsbruck gibt es eine hohe Lebensqualität. Fachkräfte werden in den Bereichen Tourismus und Kultur immer gesucht, doch auch in Medizin und Technik wird man schnell fündig.  © IMAGO
Zuletzt auf der Liste: Japan. Tokio ist eine der größten Städte der Welt und zählt auch zu den aufregendsten.
Zuletzt auf der Liste: Japan. Tokio ist eine der größten Städte der Welt und zählt auch zu den aufregendsten. Hier ist immer etwas los. Speziell in Tokio ist aber auch der Wohnungsmarkt angespannt – aufgrund der alternden Bevölkerung werden Fachkräfte aber händeringend gesucht.  © IMAGO/Alfredo Ruiz
Wer noch nicht überzeugt wurde: Japan hat mit 84,4 eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Das liegt an der Gesundheitsversorgung, die nach allen Parametern zu den Spitzenreitern gehört.
Wer noch nicht überzeugt wurde: Japan hat mit 84,4 eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt. Das liegt an der Gesundheitsversorgung, die nach allen Parametern zu den Spitzenreitern gehört. Und ganz nebenbei beeindruckt auch Japan mit einer wunderschönen Natur.  © IMAGO/Alfredo Ruiz

Doch das Problem bleibt offenbar drängend. Stichproben zeigen, dass vielerorts zu hohe Mieten gezahlt werden. Im November hatte die Linke mit ihrer Mietwucher-App einen Radar aufgelegt. Dort können Nutzerinnen und Nutzer freiwillig ihre Daten eingeben und ihre Miete mit dem örtlichen Mietspiegel vergleichen. Die App gab es bislang für neun Städte. 135.000 User wurden in den vergangenen Monaten registriert. 5000 von ihnen legten im Anschluss Beschwerde bei den zuständigen Behörden ein. Nach Angaben der Partei lag die Miete im Durchschnitt 59 Prozent über dem Mietspiegel. Nach Berechnungen der Linken zahlten sie im Schnitt 242 Euro im Monat zu viel. Das summiere sich allein für diese Haushalte auf bis zu 1,2 Millionen Euro im Monat oder fast 15 Millionen Euro im Jahr. (jek)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/Michael Kappeler/dpa

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