Doppelt diskriminiert

„Migration Pay Gap“: Warum Migrant:innen in Deutschland weniger verdienen

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Anfang des Monats war der Equal Pay Day – für deutsche Frauen. Bei Migrant:innen sieht das anders aus. Woher das kommt und wieso du darüber Bescheid wissen solltest.

Vom Gender Pay Gap, dem Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, hast du bestimmt schon gehört. Im Schnitt verdienen Frauen 18 Prozent weiger pro Stunde als Männer. Daraus resultieren bei Frauen nicht nur Abhängigkeit und finanzielle Probleme, wie etwa eine niedrigere Rente. Laut einer Expertin kann das auch die Gewalt in Paarbeziehungen verschlimmern.

Weniger Gehalt wegen Abstammung: So hoch ist der Migration Pay Gap

Menschen werden aber nicht nur wegen ihres Geschlechts bei der Bezahlung diskriminiert. Auch die Herkunft spielt eine entscheidende Rolle. So haben Mitarbeitende mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung ein ähnliches Problem. Der sogenannte Migration Pay Gap (auch Immigrant Wage Gap oder Ethnicity Pay Gap genannt) bezeichnet diesen Lohnunterschied und liegt laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bei knapp 16 Prozent.

Dieser ethnische Gehaltsunterschied ist bisher aber weniger erforscht und überschneidet sich teilweise mit dem Gender Pay Gap. Frauen mit Migrationshintergrund können auch von doppelter Diskriminierung betroffen sein.

Migration Pay Gap - Lohnlücke bei Menschen mit Migrationsgeschichte

Ursachen für den Migration Pay Gap

Ethnische Minderheiten sind in Niedriglohnbranchen überproportional vertreten, während sie in Hochlohnsektoren weitgehend fehlen. Das ist aber kein Zufall, sondern das Ergebnis von Vorurteilen und Rassismus sowie Systemen, die für eine weiße Mehrheitsgesellschaft ausgelegt sind. Zugänge für Menschen mit Migrationsgeschichte werden dadurch erschwert.

Dabei sind sie entscheidend für den beruflichen Werdegang und Verdienstmöglichkeiten – das betrifft auch Kinder von Migrant:innen, die die Einwanderungsgeschichte geerbt und nicht selbst erlebt haben. Laut dem Statistischen Bundesamt lebten 2022 rund 23,8 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund in Deutschland. Statistisch betrachtet ist also jede vierte Person in deinem Umfeld eventuell von dieser Lohnlücke betroffen.

„Migrantinnen werden trotz guter Abschlüsse in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt“

Hinzu kommen komplizierte Verfahren und Aufenthaltsrichtlinien für neu Eingewanderte, die Betroffene oft in prekäre Lagen bringen, auch hoch qualifizierte Fachkräfte. Delal Atmaca, Geschäftsführerin von „DaMigra e.V.“, dem deutschen Dachverband der Migrantinnenorganisationen erklärt den Missstand gegenüber BuzzFeed News Deutschland so: „Wenn privilegierte, weiße Frauen es schaffen, Karriere zu machen und finanziell unabhängig zu sein – wer kümmert sich dann um deren Kinder oder Haushalt? Migrantinnen. Und meistens sind das nicht einmal sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen.“

Dabei handle es sich oft um Frauen, die keine adäquaten und fair bezahlten Beschäftigung finden, etwa weil sie ein Kopftuch tragen oder mit Akzent sprechen. „Migrantinnen werden so trotz guter Abschlüsse in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt. Würde man den Equal Pay Day aus migrantischer Perspektive betrachten, dann wäre er wohl erst in einem halben Jahr“.

Was ist der Equal Pay Day?

Dieser Aktionstag macht auf den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst von Frauen und Männern aufmerksam (Gender Pay Gap). Dieses Jahr fiel der Equal Pay Day auf den 6. März, das heißt: Frauen arbeiteten vom 1. Januar an gerechnet 66 Tage unentgeltlich.

Neben dem Abbau von Vorteilen, die den Kreislauf von Privilegien und Lohngefälle weiter befeuern, fordern Expert:innen mehr politische Maßnahmen, etwa verpflichtende Diversity- und Inklusionsprogramme in Unternehmen. Auch Neuerungen wie das Entgelttransparenzgesetz und Antidiskriminierungsgesetze, die es den Arbeitgebern untersagen, bei der Entlohnung nach ethnischer Zugehörigkeit zu differenzieren oder eine Meldepflicht für Lohnunterschiede, könnten ihrer Meinung nach helfen.

Mehr dazu: Equal Pay Day - „Frauen sind durch Mutterschaft in mehrfacher Hinsicht bestraft“

Rubriklistenbild: © Pond 5/IMAGO Symbolbild. Bearbeitung:BuzzFeed DE

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