VonJana Stäbenerschließen
Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wird nicht kleiner. Ferda Ataman, die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, hat eine Idee, was wir dagegen tun können.
Am 6. März ist Equal Pay Day, der Tag, der symbolisch auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern (Gender Pay Gap), aufmerksam macht. Bis zu diesem Tag haben Frauen in Deutschland quasi umsonst gearbeitet, weil etwa 18 Prozent des Jahres verstrichen sind. So groß ist der unbereinigte Gender Pay Gap 2023 – er hat sich im Vergleich mit 2022 nicht verkleinert.
Ein Großteil dieser Lohnlücke ist darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten (zum Beispiel arbeiten Frauen eher als Erzieherin als in der IT-Branche) und öfter als Männer in Teilzeit arbeiten und deswegen mehr unbezahlte Care-Arbeit übernehmen. Auf diesen Umstand weist die Autorin Mareice Kaiser am 4. März sarkastisch hin. „Anfrage in meiner Mailbox zum Equal Pay Day – für unbezahlte Arbeit“, schreibt sie auf X (ehemals Twitter).
Anfrage in meiner Mailbox zum Equal Pay Day – für unbezahlte Arbeit.
— Mareice Kaiser (@Mareicares) March 4, 2024
Damit macht sie auf 72 Milliarden Stunden unbezahlte Care-Arbeit aufmerksam, die Frauen jedes Jahr leisten. Bei Männern sind es nur 45 Milliarden Stunden. „Frauen sind noch immer hauptverantwortlich für die Familie“, sagt Eileen Peters, WSI-Expertin für Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt zu BuzzFeed News Deutschland. Das gelte sowohl bei der Kinderbetreuung als auch beim Mental Load. „Hier haben Frauen und vor allem Mütter nicht nur eine zeitliche, sondern auch mentale Doppelbelastung, da sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen und gleichzeitig hauptverantwortlich für die Care-Arbeit sind“, sagt Peters.
„Im Englischen gibt es einen Begriff, den wir im Deutschen leider nicht kennen: die Motherhood Penalty“, sagt Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, bei BuzzFeed News Deutschland zum Equal Pay Day. „Bedeutet, Frauen sind durch ihre Mutterschaft oft in mehrfacher Hinsicht bestraft: Für die allermeisten von ihnen sind Kinder ein massiver Karriereknick, bedeuten mehr Stress und weniger Geld. Das holen sie auch später nicht mehr auf.“
Gender Pay Gap: Was hat das mit Altersdiskriminierung zu tun?
Mit wachsender Berufserfahrung wird die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen immer größer. Beim Gender Pay Gap geht es für Frauen ab 30 bergab. „Nach sechs bis zehn Jahren im Beruf beginnt häufig die Lebensphase, in der Familien gegründet werden. Wir sehen dies als Indikator dafür, dass die Familiengründung für Frauen noch immer eine Karrierebremse ist“, sagt die Kununu-CEO Nina Zimmermann bei BuzzFeed News Deutschland.
„Frauen haben mit Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt zu kämpfen, egal, wie alt sie sind“, sagte Ataman auf einer Pressekonferenz Ende Februar. Ab 40 aufwärts seien Frauen „zu alt“ und „zu kompliziert“, in den Zwanzigern traue man ihnen die Verantwortung nicht zu oder stelle sie nicht ein, weil sie demnächst Kinder bekommen könnten. „In den Dreißigern werden viele Frauen diskriminiert, weil sie Kinder haben und vielleicht in Teilzeit arbeiten“, so Ataman.
Dies ist ein Artikel von BuzzFeed News Deutschland. Wir sind ein Teil des IPPEN.MEDIA-Netzwerkes. Hier gibt es alle Beiträge von BuzzFeed News Deutschland.
„Damit Mutterschaft in Zukunft nicht mehr zur Karrierebremse wird, muss Diskriminierung von Eltern und Personen, die Angehörige pflegen, gesetzlich verboten werden“, fordert Ataman bei BuzzFeed News Deutschland. Studien zeigten, dass mehr als 70 Prozent der befragten Mütter schon während ihrer Schwangerschaft Diskriminierung im Job erlebten. Auch wenn es darum gehe, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, oder von der Elternzeit zurückzukommen, werde diskriminiert.
„Hier geraten Väter stärker unter Druck als Mütter“, sagt Ataman. „Damit der Einsatz von Eltern und pflegenden Menschen nicht zum Burnout mit anschließendem Karriereknick führt, muss familiäre Fürsorgeverantwortung als Diskriminierungsmerkmal in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufgenommen werden“, so die Gleichstellungsbeauftragte.
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