Ukraine-Krieg

Mit KGB-Tricks manipuliert Putin Trump: Judo-Kniffe in Friedensverhandlungen

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Durch Schmeichelei, Täuschung und Judo-Strategien möchte Putin Trump an den Verhandlungstisch binden – ohne tatsächlich einen Deal eingehen zu wollen.

Anchorage – US-Präsident Donald Trump ist für seine Handschlag-Strategie bekannt, mit der er Gegenspieler und Verhandlungspartner gleich bei der Begrüßung aus dem Gleichgewicht bringen will. Wladimir Putin, früher KGB-Agent, hat in den Friedensverhandlungen mit der US-Regierung ganz andere Kniffe auf Lager, meinen Beobachter. Faktisch seien die Friedensgespräche gescheitert, doch das habe der russische Präsident wohl einkalkuliert, analysiert die Militärstrategin Rebekah Koffler in einem Beitrag für Telegraph. Putin spiele auf Zeit.

Der russische Präsident Wladimir Putin am 15. August 2025 bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Präsident Donald Trump (im Hintergrund) in Alaska.

Der Kremlchef wolle Trump so lange wie möglich hinhalten, um negative Konsequenzen wie Sekundärsanktionen hinauszuzögern. Dafür setzt Putin laut Koffler eine Reihe psychologischer Techniken ein, um sicherzustellen, dass die Gespräche ins Leere laufen – Trump aber gleichzeitig nicht zu verärgern. „Um Trump zu steuern, kann sich Putin, der seine Karriere im KGB der Anwerbung und Führung von Spionagenetzen in Deutschland gewidmet hat, durchaus auf eine Kombination aus Geschick im Umgang mit nachrichtendienstlichen Ressourcen, der Philosophie des Judo und Konzepten psychologischer Kriegsführung aus Zeiten des Kalten Krieges stützen“, so die Expertin weiter.

Diese Methoden wendet Putin laut der Analystin bei Trump an

Schmeichelei ist demnach eine der Methoden, die das Ego des Gegenübers erreichen sollen. Laut Koffler habe Putin sich nie negativ über Trump geäußert, habe ihn hingegen als „klug“, „erfahren“ oder „talentiert“ beschrieben. Putin könnte auch die KGB-Taktik der „reflexiven Kontrolle“ zum Einsatz bringen, meint die Expertin. Dabei geht es darum, dem Gegner gezielt Informationen zu geben, um ihn dazu zu bringen, eine bestimmte Entscheidung zu treffen – genau die, die man selbst will, wie es die Georgetown University definiert. Putin erwecke dabei laut Koffler den Eindruck, an einem Deal interessiert zu sein. „In Wirklichkeit würde Putin nur zu seinen eigenen Bedingungen einem Deal zustimmen.“

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Ebenso wende der russische Präsident das Grundprinzip des Judo an: Statt einer offenen Konfrontation, bringe er den Gegner durch Manipulation aus dem Gleichgewicht. Der Kremlchef habe etwa freundschaftliche Kontakte mit Bombardierungen der Ukraine abgewechselt. Die Expertin ist sich sicher, dass der russische Präsident im Gegensatz zu Trump vorausplant. So könnte er etwa die Freilassung ukrainischer Kinder befehlen – als Reaktion auf einen Brief der US-First Lady Melania Trump. Ebenso könnte der Kremlchef auch eine andere Verzögerungstaktik anwenden und Trump so zermürben, sodass der schließlich alle Forderungen akzeptiere.

Hund als Druckmittel: Putin konfrontierte Merkel gezielt mit ihrer Angst

Bereits in der Vergangenheit hatte Putin bei seinen Treffen mit anderen Staatslenkern mutmaßlich verschiedene Manipulationen angewendet. So brachte er im Jahr 2007 beispielsweise seinen großen Hund zu einem Treffen mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit, wohlwissend, dass diese Angst vor den Vierbeinern hat. Eine weitere KGB-Taktik des früheren Agenten: Sich anzupassen wie ein Chamäleon. „Er war wie ein Spiegel“, sagte der russische Oligarch Sergei Pugatschow der Washington Post: „Er sagt einfach jedem das, was er hören will.“

Auch lange Vorträge zählen offenbar zu Putins Werkzeugen. Eines seiner berühmtesten Opfer: Donald Trump beim Gipfel in Helsinki 2018. „Als Trump nach mehreren Stunden Gespräch mit Putin herauskam, wirkte er unsicher, und es schien, als stünde er völlig unter Putins Einfluss“, kommentierte Tatiana Stanovaya, Senior Fellow am Russland-Eurasien-Zentrum der Carnegie Foundation. Trumps Hoffnung auf ein Friedensabkommen und den Friedensnobelpreis führen derzeit laut Koffler dazu, dass der US-Präsident eher Kiew unter Druck setzen will als Moskau – eine Dynamik, die Putin bewusst zu seinem Vorteil nutzt.

Krieg im Kopf: Russland setzt auf kognitive Kriegsführung

Zuletzt dämpfte der US-Präsident die Erwartung eines schnelles Treffen zwischen dem Kremlchef und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In zwei Wochen werde er mit Blick auf den Ukraine-Krieg eine wichtige Entscheidung treffen, sagte Trump am Freitag (22. August). Es könne massive Sanktionen oder Zölle gegen Moskau geben – oder aber er werde „nichts unternehmen und sagen, es ist euer Kampf“, betonte er und ergänzte: „Zum Tangotanzen gehören immer zwei“.

Genau diese Formulierung hatte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow im Juli verwendet. In einer Kritik über den „Zickzack-Kurs“ der US-Regierung mit Blick auf die militärische Unterstützung der Ukraine sagte Rjabkow: „Natürlich gehören zum Tangotanzen immer zwei.“ Die Wortwahl Trumps könnte darauf hindeuten, dass der US-Präsident bewusst oder unbewusst russische Narrative übernimmt – und die reflexive Kontrolle Putins funktioniert.

Auch auf Regierungsebene greift Russland auf „kognitive Kriegsführung“ zurück, wie die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) analysierte. „Kognitive Kriegsführung ist eine Form der Kriegsführung, die darauf abzielt, das Denken, die Entscheidungen und letztlich die Handlungen des Gegners zu beeinflussen, um strategische Ziele zu erreichen – ohne Kampf oder mit weniger militärischem Aufwand, als sonst erforderlich wäre“, so die ISW-Experten. Die Strategie beruhe auf der Vorstellung, dass „Kriege im Kopf des Gegners gewonnen und verloren werden“.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Daniel Torok/White House / ZUMA Press Wire

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