Wahl in Moldau: Prowestliche Präsidentin Sandu bleibt im Amt
VonFranziska Schwarz
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Moldau ist zwischen Russland und dem Westen hin- und hergerissenen. Bei der Präsidentschaftswahl haben die Menschen jetzt eine klare Entscheidung getroffen.
Chisinau – Die pro-europäische Amtsinhaberin Maia Sandu bleibt Präsidentin in Moldau: In der Stichwahl am Sonntag (3. November) setzte sich die 52-Jährige mit rund 55 Prozent der Stimmen gegen den russlandfreundlichen Kandidaten Alexandr Stoianoglu durch. Sandu sprach von einer „Lehrstunde in Demokratie“. Der Wahl war von Vorwürfen der Einflussnahme durch Moskau überschattet.
„Moldau, du hast gesiegt!“, sagte Sandu nach Veröffentlichung des Wahlergebnisses in der Nacht zum Montag. „Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit haben gewonnen.“ EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte der 52-jährigen früheren Mitarbeiterin der Weltbank zu ihrem Wahlsieg. Sie freue sich darauf, gemeinsam mit Sandu „weiter für eine europäische Zukunft für Moldau und dessen Bewohner zu arbeiten“.
Nach vorläufigem Ergebnis der Moldau-Wahl: Macron gratuliert Sandu
Laut vorläufigem Ergebnis erhielt Sandu 54,9 Prozent der Stimmen, ihr Herausforderer Stoianoglu kam auf 45 Prozent. EU-Chefin von der Leyen spielte in ihrer Reaktion auf die mutmaßlichen russischen Beeinflussungsversuche der Wahl an und erkläre, „eine seltene Art der Stärke“ sei notwendig, „um die Herausforderungen zu überwinden“, denen Sandu bei der Wahl gegenübergestanden habe. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, die Demokratie habe „über alle Einmischung und alle Manöver triumphiert“.
Sandu siegte vor allem dank Stimmen der zu Hunderttausenden im Ausland – vor allem in der EU – lebenden Moldauer. Die Staatschefin von der Partei Aktion und Solidarität (PAS) will in ihrer zweiten Amtszeit in dem völlig verarmten Agrarland mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern, das EU-Beitrittskandidat ist, Reformen durchsetzen. Dabei gilt die im Sommer bevorstehende Parlamentswahl als nächste politische Herausforderung. Denn Sandu kann die Veränderungen nur angehen, wenn sie die bisherige Mehrheit in der Volksversammlung verteidigt.
Auf dem Weg nach Europa: Die Aufnahmekandidaten der EU
Die Wahlbeteiligung lag höher als bei der ersten Runde am 20. Oktober und zwar bei über 54 Prozent. Die Führung in Moldau warf Russland am Wahltag massive Einmischung vor. Der Kreml hatte ähnliche Vorwürfe beim ersten Wahlgang zurückgewiesen und Beweise verlangt. (AFP/dpa/frs)