„Monumentale Neuigkeit“: Trump schöpft Hoffnung auf Gaza-Abkommen durch geplante Geisel-Freilassung
VonFabian Hartmann
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Edan Alexander wird seit Oktober 2023 in Gaza festgehalten. Er ist die letzte Geisel der Hamas mit US-Wurzeln. Jetzt soll seine Freilassung bevorstehen.
Rafah/Tel Aviv – Im Oktober 2023 wurde der inzwischen 21-jährige israelische Soldat und Doppelstaatler Edan Alexander als einer von rund 250 weiteren Israelis von der Hamas entführt. Medienberichten zufolge ist Alexander die letzte verbliebene Geisel mit US-Staatsbürgerschaft, die aktuell noch im Gaza-Streifen festgehalten wird. Nun aber verdichten sich die Anzeichen einer nahenden Freilassung Alexanders – und das pünktlich zur anstehenden Nahost-Reise von US-Präsident Donald Trump. Den Vermittlern zwischen Israel und der Hamas bereitet das neue Hoffnung auf ein nahendes Ende des Konflikts.
Hamas steht offenbar vor Freilassung der letzten in Gaza verbliebenen Geisel mit US-Wurzeln
Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) nun berichtet, plant die islamistische Hamas eigenen Aussagen zufolge, den 21-jährigen Doppelstaatler Alexander spätestens am Dienstag aus der Geiselhaft in Gaza freizulassen. Für die palästinensische Terrororganisation dürfte die Freilassung Alexanders ein Signal dahingehend sein, ein weiterreichendes Abkommen zur Beilegung des Konflikts mit Israel zu erzielen.
Im Kern strebt die Hamas eine Wiederaufnahme der Hilfslieferungen in den Gazastreifen und ein Ende des für sie so verlustreichen Konflikts mit Israel an. Die Freilassung Alexanders werde innerhalb von 48 Stunden geschehen, berichtet die dpa ausgehend von den Aussagen eines ranghohen Hamas-Mitglieds.
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Trump sieht Freilassung in Gaza als Wegbereiter eines möglichen Kriegsendes zwischen Israel und der Hamas
Nach monatelangem Bangen soll es der Familie des 21-jährigen Soldaten ermöglicht werden, ihn nach seiner Freilassung in Israel in Empfang zu nehmen. Damit dürfte die geplante Befreiung des 21-jährigen israelischen Soldaten unmittelbar mit dem Aufbruch der Nahost-Reise von US-Präsident Trump zusammen fallen. Grund genug für den Republikaner, der Ankündigung der Freilassung Alexanders großes Gewicht beizumessen. Auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social bezeichnete Trump die Nachricht als „monumentale Neuigkeit“ und Geste des Entgegenkommens gegenüber den USA sowie den übrigen Vermittlern Israels und der Hamas, Katar und Ägypten.
„Hoffentlich ist das der erste der letzten notwendigen Schritte auf dem Weg zur Beendigung dieses brutalen Konflikts“, schrieb der amtierende US-Präsident auf Truth Social weiter. Letztlich müssten alle noch lebenden Entführten und sterblichen Überreste bereits getöteter Geiseln an die Vereinigten Staaten ausgehändigt werden. Auch Trumps Geisel-Beauftragter Adam Boehler veröffentlichte auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) ein Foto, das ihn neben Alexanders Mutter an Bord eines Flugzeugs zeigt.
Trump wird von Dienstag bis Donnerstag zunächst Saudi-Arabien besuchen, anschließend geht es weiter nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Israel wird der Republikaner bei seiner Reise jedoch aussparen. Israels Regierung gab zu verstehen, dass sie die geplante Freilassung Alexanders vor diesem Hintergrund als Geste der Hamas gegenüber den Amerikanern betrachte, sich selbst aber zu keinerlei Zugeständnissen veranlasst sehe.
Israel hält sich nach Plänen zu Geisel-Freilassung bedeckt – und lässt Gaza-Offensive offen
Die Regierungen Katars und Ägyptens, die jeweils als Vermittler zwischen Israel und der Hamas fungieren, begrüßten die geplante Befreiung Alexanders als Hoffnungszeichen. In einer gemeinsamen Mitteilung, die mitunter auf dem Kurznachrichtendienst X geteilt wurde, sprachen sie von einer „Geste des guten Willens“. Es handele sich um einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer Waffenruhe im Gazastreifen, der Freilassung von Häftlingen und Gefangenen und der ungehinderten Lieferung von humanitären Hilfsgütern in das zu weiten Teilen zerstörte Gebiet.
Insgesamt sollen sich noch mindestens 21, womöglich auch bis zu 24 lebende Geiseln in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen befinden. Bei 35 Entführten wird hingegen fest davon ausgegangen, dass sie bereits tot sind – darunter vier US-Bürger. Befreitet Geiseln berichteten immer wieder von brutalen Methoden der Hamas während der Geiselhaft. Wie andere Geiseln auch soll Alexander zeitweise angekettet und gefoltert worden sein. So veröffentlichte die Hamas im November 2024 ein Video, in dem der 21-Jährige hemmungslos weint und den US-Präsidenten dazu aufruft, sich für Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln einzusetzen.
Noch immer steht eine Ausweitung der Gaza-Offensive von israelischer Seite im Raum
Israels Regierung teilte mit, die an keinerlei Bedingungen geknüpfte Freilassung Alexanders solle voraussichtlich zu Verhandlungen über ein Abkommen führen, dessen Rahmenbedingungen die israelische Seite schon vor längerer Zeit akzeptiert habe – so habe es die US-Regierung dargestellt. Bereits vor zwei Monaten hatte die Hamas vorgeschlagen, Alexander im Rahmen eines Deals freizulassen. Israels Regierung jedoch lehnte das damalige Angebot als ungenügend ab.
Derweil steht weiterhin eine Ausweitung der Gaza-Offensive von israelischer Seite im Raum, berichtet die Jerusalem Post: Sollte die Hamas sich einem Waffenruhe-Abkommen verweigern, das die sofortige Freilassung von zehn Geiseln vorsieht, werde das israelische Militär seine Drohung wahr machen, hieß es unter Berufung auf informierte Kreise. „Edans Freilassung muss Teil einer größeren Abmachung zur Rückkehr aller 59 Geiseln sein“, forderte das Forum der Familien der Geiseln. „Niemand darf zurückgelassen werden.“ (fh/dpa)