Zwei Tote in Polen

Raketeneinschlag: Scholz warnt vor voreiligen Urteilen, Medwedew vor Drittem Weltkrieg

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Scholz will zu den Raketeneinschlägen in Polen keine voreilige Aussage treffen. Medwedew sieht die Angriffe als eine Provokation des Westens

Bundeskanzler Olaf Scholz warnt nach dem Raketeneinschlag in Polen vor voreiligen Schlüssen.

Nusa Dua/Moskau - «Jede voreilige Festlegung über den Tatsachenverlauf vor seiner sorgfältigen Untersuchung verbietet sich bei einer so ernsten Angelegenheit», sagte Scholz am Mittwoch nach dem G20-Gipfel auf der indonesischen Insel Bali. Er verwies darauf, dass die Nachrichtendienste sich ausgetauscht hätten und die USA die polnischen Ermittler unterstützen würden.

Scholz betonte auch, dass die Ursache des Raketeneinschlags nicht aus dem Blick geraten dürfe. «Wichtig ist, dass wir alle gleichzeitig klar machen und klar gemacht haben, dass all das ja nicht passiert wäre ohne den russischen Krieg gegen die Ukraine, ohne die Raketen, die jetzt intensiv und in großem Ausmaß auf die ukrainische Infrastruktur verschossen werden.»

Medwedew: Westen provoziert Dritten Weltkrieg

Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew hat den tödlichen Raketeneinschlag in Polen als westliche Provokation bezeichnet und vor einem Dritten Weltkrieg gewarnt. «Die Geschichte mit den ukrainischen «Raketenschlägen» auf eine polnische Farm beweist nur eins: Der Westen erhöht durch seinen hybriden Krieg gegen Russland die Wahrscheinlichkeit für den Beginn des Dritten Weltkriegs», schrieb der 57-Jährige am Mittwoch auf Twitter.

Bei dem Raketeneinschlag in Polen am Dienstag sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Russland bestreitet, die Raketen auf Polen abgeschossen zu haben. Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits in einer ersten Reaktion nach Bekanntwerden des Vorfalls von einer «Provokation» gesprochen. Russische Militärblogger präsentierten Fotos der Raketentrümmer, die darauf hindeuten sollen, dass es sich um Teile einer S-300 handelt - als Beweis dafür, dass es sich um ukrainische Luftabwehrraketen handelt. Tatsächlich nutzt die Ukraine unter anderem S-300-Systeme zur Flugabwehr. Andererseits hat Russland seinerseits mit den Raketen, deren Reichweite allerdings begrenzt ist, auch schon Ziele in der Ukraine beschossen.

Dmitri Poljanski, stellvertretender Leiter der russischen UN-Delegation, wies ebenfalls eine Schuld Moskaus an dem Vorfall zurück. Er verwies in dem Zusammenhang darauf, dass westliche Staaten schon in der vergangenen Woche eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen hätten - damals noch ohne Themenangabe. «Und nun plötzlich unmittelbar am Vorabend ein «Raketenangriff» auf Polen», das sei sehr verdächtig, übte sich der russische Diplomat in Verschwörungstheorien. (dpa)

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