Gerücht um Führungswechsel

„Grauhaar“ soll Prigoschin ersetzen: Wer ist Putins Favorit als neuer Anführer der Gruppe Wagner?

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Putin wollte einen Führungswechsel in der Wagner-Gruppe erzwingen. Der Ex-Offizier Andrey Troshev sollte Prigoschin ersetzen. Doch wer ist der Schattenmann?

Moskau – Jewgeni Prigoschin spielte über Jahre hinweg ein gefährliches Spiel um die Gunst des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Als Anführer der privaten Militärfirma (PMC) Gruppe Wagner koordinierte „Putins Koch“ in Syrien und der Ukraine militärische Aufträge für den Kreml-Chef. Innenpolitisch setzte Putin Prigoschin nicht selten als Kritiker des Verteidigungsministeriums ein. Doch durch den Ukraine-Krieg zerriss das Band zwischen dem Söldner-Chef und seinem Präsidenten. Der abgebrochene Umsturzversuch der Gruppe Wagner bildete den Höhepunkt dieser Entwicklung. Jetzt sucht Putin offenbar nach einem Nachfolger für Prigoschin.

Wagner-Gruppe: Nach Söldner-Aufstand – Putin sucht Nachfolger für Prigoschin

Wie die russische Zeitung Kommersant berichtete, soll Putin den Söldner der PMC einen Führungswechsel innerhalb der Gruppe Wagner vorgeschlagen haben. Somit könnte der Kreml-Chef die Söldner-Truppe weiter in verschiedenen Konflikten einsetzten und sich dennoch Prigoschin entledigen. Für die Nachfolge des Söldner-Anführers soll der russische Präsident dem Bericht zufolge bereits einen Favoriten haben. Andrey Troshev, ein hochrangiges Mitglied der Söldner-Armee, soll die Führung übernehmen.

Präsident Wladimir Putin (l.) sucht nach einem Nachfolger für Jewgeni Prigoschin an der Spitze der Wagner-Gruppe.

„Sie hätten sich alle an einem Ort versammeln und weiter dienen können“, sagte Putin, „und für sie hätte sich nichts geändert. Sie würden von derselben Person geführt, die die ganze Zeit über ihr eigentlicher Befehlshaber war“, zitiert Kommersant Putin mit Blick auf Troshev. Der russische Präsident versucht mit seinen Aussagen bereits die Stellung Prigoschins in der Sölder-Truppe zu untergraben. Troshev – so Putins Narrativ – sei bereits in der Vergangenheit der eigentliche Befehlshaber gewesen. Doch wer ist der potenzielle Nachfolger von Jewgeni Prigoschin?

Kampfname „Grauhaar“: Troshev soll Prigoschin als Wagner-Chef ablösen

Der 61-jährige Troshev hat bis 2012 in der russischen Armee gedient und war dabei am Krieg in Afghanistan sowie am zweiten Tschetschenienkrieg beteiligt gewesen. Währen seiner Dienstzeit erreichte er den Rang eines Colonel (dt. Oberst) und erhielt die höchste Auszeichnung des Landes: den Titel „Held der Russischen Föderation“. Anders als Prigoschin, der sich vor allem als Unternehmer einen Namen gemacht hatte, wurde sein potenzieller Nachfolger also stark militärisch geprägt.

Nach seiner Zeit bei der russischen Armee schloss sich Troshev der Wagner-Gruppe an. Dort trägt der 61-Jährige den Kampfnamen „Sedoy“, was auf deutsch „Grauhaar“ bedeutet.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Troshev als Prigoschin-Nachfolger? Stabschef bei Wagner und Einsätze in Syrien

Die EU bezeichnet Troshev als Gründungsmitglied der Gruppe Wagner und schreibt ihm den Rang eines Stabschefs („Chief of Staff“) zu. Das geht aus einem Sanktionsbeschluss aus dem Jahre 2021 hervor, von dem auch Troshev betroffen war. Sanktionen sprach die EU wegen der Rolle des 61-Jährigen im Syrien-Krieg aus. Prigoschins Wagner-Gruppe kämpft dort an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad.

Troshev sei dem EU-Dokument zufolge direkt an den Militäroperationen der Wagner-Gruppe in Syrien beteiligt gewesen. „Er engagierte sich insbesondere in der Gegend von Deir ez-Zor. Als solcher leistet er einen entscheidenden Beitrag zu den Kriegsanstrengungen von Baschar al-Assad und unterstützt und profitiert daher von dem syrischen Regime“, heißt es in dem Sanktionspapier.

Putin will Prigoschin ersetzten – „Grauhaar“ Troshev ist der Mann der Wahl

Auch die britische Regierung hat im Jahr 2022 Sanktionen gegen Troshev wegen seiner Beteiligung an der Gruppe Wagner verhängt. Wie der US-amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, stufte London „Grauhaar“ als leitendes Mitglied („Chief Executive“) der Söldnertruppe ein.

Als bekannter Mitstreiter Troshevs wird der russische Neonazi Dmitri „Wagner“ Utkin aufgeführt, der gemeinsam mit Prigoschin die Gruppe Wagner gründete. Ein auf sozialen Medien geteiltes Bild zeigt Troshev gemeinsam mit Utkin bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten im Kreml in Moskau. Die Aufnahme werden auf das Jahr 2016 datiert. Putin und „Sedoy“ können also bereits auf eine gemeinsame Geschichte zurückblicken.

Ukraine-Krieg: Führungswechsel in der Wagner-Gruppe? Prigoschin könnte am Ende sein

Im Laufe des Ukraine-Kriegs geriet Utkin jedoch immer mehr in den Hintergrund und Prigoschin stellte sich auch öffentlich an die Spitze der PMC. Gerade bei der Schlacht um die ukrainische Stadt Bachmut inszenierte sich der Wagner-Chef als russische Feldherr. Die Söldner waren westlichen Analysen zufolge maßgeblich für die Eroberung der umkämpften Stadt verantwortlich.

Diese Stellung könnte Prigoschin nun jedoch wieder verlieren. Putin bekräftigte gegenüber Kommersant, dass die Wagner-Söldner, denen er den Führungswechsel vorgeschlagen hatte, sich begeistert gezeigt hätten. „Viele Leute nickten, als ich das sagte“, sagte Putin mit Blick auf einen möglichen Führungswechsel. Bei dem Treffen Ende Juni war dem Bericht zufolge auch Prigoschin anwesend. Seit dem gescheiterten Putsch ist es ruhig geworden um den Noch-Anführer der Söldnertruppe. Erst am Freitag gab Prigoschin wieder einmal ein Lebenszeichen von sich. (fd)

Rubriklistenbild: © GAVRIIL GRIGOROV/SERGEI ILNITSKY/AFP

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