Wo ist der Wagner-Boss?

Ein Foto als Lebenszeichen: Prigoschin grüßt in Unterhose vom Feldbett

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Tot oder lebendig? Seit dem Wagner-Putsch gibt es großes Rätselraten über den Aufenthalt von Prigoschin. Jetzt taucht ein Foto vom Söldner-Boss auf.

Moskau – Wochenlang war er abgetaucht, doch jetzt soll er wieder da sein: Nach vielen Spekulationen über sein Schicksal nach dem gescheiterten Aufstand gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin gibt es offenbar ein erstes Lebenszeichen von Jewgeni Prigoschin. Auf einem Foto ist der Wagner-Boss zu sehen, wie er in Unterhose auf einem Feldbett in einem Mannschaftszelt sitzt und in die Kamera winkt. Ist der Söldner-Rebell also doch nicht tot? Ganz so einfach ist die Frage weiterhin nicht zu beantworten. Denn das Bild wirft viele neue Fragen auf.

Aufenthalt von Jewgeni Prigoschin: Neues Foto zeigt Wagner-Boss in Soldatenzelt

Prigoschin in Unterhose – veröffentlicht wurde das Foto von einem Telegram-Kanal am Freitag (14. Juli), der der Wagner-Gruppe nahestehen soll, wie die Bild-Zeitung zuerst berichtete. Demnach sollen die Metadaten des Bildes auf den 12. Juli um 7.24 Uhr verweisen. Der genaue Aufenthaltsort ist aber weiterhin unklar – ebenso ob es sich um eine Inszenierung handelt.

Gruß vom Feldbett in Unterhose: Von Jewgeni Prigoschin ist ein neues Foto aufgetaucht.

Prigoschin gilt als Kopf der Wagner-Gruppe, die vor wenigen Wochen eine Meuterei gegen die russische Militärführung im Ukraine-Krieg gestartet hatte. Mit tausenden Kämpfern war der Söldner-Boss auf Moskau losmarschiert und hatte die Absetzung des Verteidigungsministers Sergei Schoigu und dessen obersten Generälen gefordert. 200 Kilometer vor Moskau war der Aufstand auf Vermittlung von Belarus-Diktator Alexander Lukaschenko gestoppt worden – und Prigoschin war daraufhin von der Bildfläche verschwunden.

Wo ist Prigoschin? Aufenthalt und Schicksal nach Wagner-Auftstand bleibt rätselhaft

Seitdem gibt es viele Gerüchte um den Aufenthalt und das Schicksal des Wagner-Bosses. Wo ist Prigoschin? Diese Frage stellten sich viele. Eigentlich war dem 65-Jährigen in Belarus Exil angeboten worden. Doch ob Prigoschin wirklich dort hinreiste oder sich weiter in Russland aufhielt, konnte zuletzt nie zweifelsfrei geklärt werden. Bereits vor wenigen Tagen hatte es ein Foto gegeben, dass ihn angeblich in seiner Heimatstadt St. Petersburg gezeigt haben soll. Allerdings hatten zwischenzeitlich die Sicherheitskräfte des Kremls eine Razzia in seiner Privatvilla und dem Wagner-Hauptquartier gestartet – und davon ebenfalls Bilder auf sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Dead or alive – tot oder lebendig? US-General spekuliert über Prigoschins Schicksal

Einige Beobachter gingen deshalb davon aus, dass Prigoschin wegen seines Wagner-Aufstandes vielleicht doch nicht mehr auf freien Fuß oder am Leben sein könnte. Er sei sicherlich „tot“ oder „eingesperrt“, mutmaßte der pensionierte US-General Robert Abrams noch am Freitagmorgen in einem Interview mit ABC News. Wenige Stunden später tauchte dann das Foto aus dem Feldlager auf.

Doch ein Beweis für Prigoschin in Freiheit ist das nicht. Unabhängig überprüfen ließ sich die Echtheit des Bildes nicht. Möglicherweise stammt die Aufnahme doch aus früheren Tagen. Doch selbst wenn es ein echtes Lebenszeichen des Wagner-Bosses ist, so halten Militärbeobachter das Bild für eine geschickte Inszenierung. Denn Prigoschin hatte sich schon früher immer an der Front gezeigt und der russischen Elite vorgeworfen, keine Ahnung von den Geschehnissen zu haben, weil sie nicht vor Ort seien. Insbesondere die militärische Führung hatte er lautstark für ihre Abwesenheit kritisiert und ihnen Feigheit vorgeworfen.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Großes Vermögen mit Privatvilla: Will Prigoschin sein angekratztes Image korrigieren?

Bei den russischen Soldatinnen und Soldaten wie bei seinen Söldnern war der Chef der Privatarmee dadurch stark im Ansehen gestiegen. Doch zuletzt hatte dieses Image starke Kratzer bekommen. Denn die Bilder, die der Kreml nach der Razzia in Prigoschins Villa veröffentlicht hatte, zeigte einen abgehobenen Multimillionär, der mit seinem satten Vermögen sich viel Protz geleistet hatte. Gut möglich, dass Prigoschin diesen Eindruck wieder verwischen will mit seinem Unterhosen-Foto – sofern er von Putin verschont worden ist und noch am Leben ist. (jkf)

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