Anfeindung auf der Straße

„Sie nennen uns Mörder“: Russlands Soldaten schlägt in Moskau plötzlich Abneigung entgegen

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Zwei Soldaten packen aus: Die Bürger von Moskau zeigen offenbar verstärkt ihre Abneigung gegenüber russischer Soldaten. Die Wortwahl ist drastisch.

Moskau – Abschätzige Blicke und Beschimpfungen: Zwei russische Soldaten, die im Ukraine-Krieg kämpfen, erzählen davon, wie die russische Bevölkerung in Moskau offen ihre Ablehnung gegenüber ihnen zeigt. Der Militärblogger Semyon Pego, Gründer des Invasions- und Militärblogs WarGonzo, interviewte die beiden Soldaten und veröffentlichte das Gespräch auf seinem Telegram-Kanal, wie Kyiv Post berichtet. Das Gespräch macht deutlich, wie sehr sich die Wahrnehmung der russischen Gesellschaft im Laufe des Ukraine-Kriegs gewandelt hat.

Russische Soldaten im Einsatz. (Archivbild)

Als „Mörder“ beschimpft: Russische Bevölkerung zeigt Ablehnung gegenüber Soldaten

„In der Tat distanzieren sich die Leute in der U-Bahn und sagen: ‚Pfui, Mörder‘“, sagt einer der Soldaten. Die Beliebtheit von russischen Soldaten scheint sich vor allem in Moskau in offene Ablehnung gewandelt zu haben. In kleineren Städten würden die Menschen mehr Respekt zeigen, so die Soldaten. Doch wenn sie sich in Uniform in der Stadt bewegten, würden ihnen böse Blicke zugeworfen werden. „Du fährst mit der U-Bahn und die Leute starren dich an, weil du eine Uniform trägst“, sagt einer der Soldaten.

Russischer Angriffskrieg auf die Ukraine: Zustimmung der Bevölkerung nimmt ab

Der Ukraine-Krieg, der als „militärische Spezialoperation“ begann, wurde am Anfang von weiten Teilen der russischen Bevölkerung befürwortet – auch Dank Putins Propagandamaschine. Doch die Auswirkungen des Krieges machten sich auch bald im Alltag der Menschen bemerkbar: Die Sanktionen des Westens schwächten die russische Wirtschaft und auch der Rubel befindet sich im freien Fall. Zudem steigen die Kriegsverluste laut dem unabhängigen russischen Medienportal Mediazona. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 47.000 russische Soldaten bis Mai 2023 im Krieg gefallen seien.

Russische Soldaten: Respekt bei den Bürgern in Moskau verloren

Wie die Reaktionen der Bürger in Moskau zeigen, scheint nun auch die Stimmung auf der Straße zu kippen. Die Soldaten im Interview berichten, dass sie gefragt wurden, warum sie nicht verweigert hätten, so Kyiv Post. Die beiden Soldaten rechtfertigen ihre Situation damit, dass sie nicht freiwillig in den Krieg gegangen seien. Sie seien den Anweisungen der russischen Behörden gefolgt und hätten sich an die Gesetze gehalten, anstatt zu desertieren oder sich ins Ausland abzusetzen. „Ich habe mich wie ein gesetzestreuer Bürger verhalten. Aber wenn ich in den Urlaub komme, zeigen sie mit dem Finger auf mich“, sagt einer der Soldaten. (eike)

Rubriklistenbild: © IMAGO/RIA Novosti

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