Nach Attentat auf Kirk wächst in den USA Furcht vor Eskalation
VonJekaterina Jalunina
schließen
Nach dem Anschlag auf Charlie Kirk nimmt in den USA die Furcht vor zusätzlicher politischer Gewalt und Angriffen auf Aktivisten zu.
Washington, D. C. – Der tödliche Anschlag auf den rechtsnationalen US-Podcaster und Aktivisten Charlie Kirk hat in den Vereinigten Staaten für Entsetzen gesorgt. Kirk wurde am 10. September während einer Rede an der Utah Valley University niedergeschossen. Sein Tod löste nicht nur Trauer, sondern auch Wut aus: In sozialen Netzwerken zeigen Kommentare, wie sehr der Hass auf politische Gegner in den USA in den vergangenen Jahren zugenommen hat.
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter
Innerhalb von 24 Stunden veränderte der öffentliche Mord die politische Landschaft des Landes, wie Newsweek berichtet. Einige von Kirks ehemaligen rechtsextremen Kritikern nennen ihn nun einen Märtyrer, andere sehen seinen Tod als Beweis dafür, dass „Krieg“ – und nicht politischer Diskurs – die einzige verbleibende Option sei.
Nach Anschlag auf Charlie Kirk: Racheaufrufe dominieren Medien und soziale Netzwerke
In den USA bestimmen eskalierende politische Gewalt und ihre Folgen zunehmend die öffentlichen Debatten. Kurz nach dem tödlichen Anschlag auf Charlie Kirk meldeten sich prominente rechte Stimmen zu Wort. In den sozialen Medien und im Fernsehen übertönten Rufe nach Rache die Forderungen nach Zurückhaltung. „Wir werden Charlies Tod rächen“, sagte Fox-News-Moderator Jesse Watters. Elon Musk kommentierte das mutmaßliche Attentat: „Die Linke ist die Partei des Mordes.“ Rechte Influencer posteten „Das ist Krieg“ und warnten vor einem Bürgerkrieg im Land. Der hart-rechte Aktivist und Verschwörungstheoretiker Alex Jones erklärte: „Machen Sie sich nichts vor – wir befinden uns im Krieg.“
Nach dem Anschlag wurde ein Verdächtiger festgenommen. Die Behörden des Bundesstaates Utah veröffentlichten erste Details: Es handelt sich um einen 22-jährigen Mann aus Utah. Laut FBI-Direktor Kash Patel wurde der Mann am Donnerstagabend (Ortszeit) festgenommen – rund 30 Stunden nach dem Attentat – und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen zu Motiv und Hintergründen dauern an.
Nach Anschlag auf Charlie Kirk wächst in den USA die Besorgnis über politische Gewalt
Der Angriff löste landesweit Trauer und Entsetzen aus. Neben Ex-Präsident Donald Trump bekundeten auch Vizepräsident J. D. Vance, US-Außenminister Marco Rubio, weitere hochrangige Regierungsvertreter, Republikaner und ehemalige Präsidenten ihr Mitgefühl. Kirk war zwar kein offizieller Mitarbeiter des Weißen Hauses, stand der Institution und US-Präsident Donald Trump jedoch nahe.
Rechtsextreme verüben Anschläge – immer mehr Amerikaner billigen politische Gewalt
Die Nachrichtenagentur Reuters zählt seit dem Sturm auf das Kapitol 14 Anschläge in den USA – 13 davon wurden demnach von Rechtsextremen verübt. Noch alarmierender ist laut Berichten, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger diese Form von Gewalt zunehmend für legitim halten.
Ein Bericht des Stern greift dazu eine Umfrage auf: Das „Chicago Project on Security and Threats“ führt alle drei Monate landesweite Erhebungen durch, in denen die Unterstützung politischer Gewalt unter Amerikanern und Amerikanerinnen abgefragt wird. Laut einer Untersuchung vom Mai 2025 befürworteten demnach etwa 40 Prozent der Demokraten den Einsatz von Gewalt, um Donald Trump aus dem Präsidentenamt zu entfernen.
Zunahme politisch motivierter Gewalt in den USA – Opferzahlen steigen deutlich
Politische Gewalt gehört seit Jahren zur Realität in den USA. Erst im Juni erschoss ein Attentäter in Minnesota die langjährige demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses von Minnesota, Melissa Hortman, und ihren Ehemann in deren Zuhause. Anschließend eröffnete der Täter das Feuer auf den demokratischen Senator John Hoffman und dessen Frau, die schwer verletzt überlebten. Die Vereinigten Staaten haben in der Vergangenheit immer wieder Phasen politisch motivierter Gewalt durchlebt. Nach Einschätzung von Professor Robert Pape von der Universität Chicago war die aktuelle Situation seit langem nicht mehr so ernst, wie er dem US-Sender NPR erklärte.
Ein Bericht der Tagesschau zeigt, dass die Zahl politisch motivierter Gewalttaten derzeit dramatisch ansteigt. Grundlage sind Daten des Projekts START an der Universität von Maryland. Die Forscher verglichen das erste Halbjahr dieses Jahres mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Das Ergebnis: Die Zahl der Gewalttaten stieg um 49 Prozent, die Zahl der Opfer – Tote und Verletzte – sogar um 115 Prozent. (Quellen: Newsweek, Tagesschau, Reuters, Stern, NPR) (jal)