Iran-Israel-Konflikt

Nach Biden-Ausstieg: Netanjahu offenbar zu strengerem Vorgehen gegen den Iran ermutigt

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Israel fürchtet eine Reaktion Irans auf die Tötung von Hamas-Anführer Hanija. Der Ausstieg Bidens aus dem US-Wahlkampf könnte zu einer härteren Linie Netanjahus im Umgang mit dem Iran führen.

Tel Aviv/Teheran – Nach der gezielten Tötung von Hamas-Anührer Ismail Hanija in Teheran (31. Juli) spitzt sich die Lage im Iran-Israel-Konflikt aktuell zu. Israel sorgt sich zunehmend um einen Angriff Irans als Gegenreaktion auf die Tötung Hanijas und verstärkt seine Positionen zur Verteidigung vor einem möglichen Vergeltungsschlag im eigenen Land. Welche Rolle könnte der Rückzug des amtierenden US-Präsidenten Joe Biden vom Posten als demokratischer Präsidentschaftskandidaten für die US-Wahl in diesem Konflikt spielen? 

Hochrangiger israelischer Beamter: Biden-Rückzug aus US-Wahlkampf verleitet Netanjahu zu härterem Kurs

Wie Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kürzlich erklärte, rechnet er mit immensen Auswirkungen des Biden-Rücktritts auf die politische Lage im Nahen Osten und insbesondere auf die Spannungen zwischen Israel und dem Erzrivalen Iran. Netanjahu zufolge könnte Bidens Rückzug aus dem US-Wahlkampf einen „großen Wendepunkt“ im Iran-Israel-Konflikt bedeuten.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu

Damit aber nicht genug: Offenbar ermutigt die Entscheidung Bidens Israels Ministerpräsidenten dazu, strengere Maßnahmen im Umgang mit dem Iran zu ergreifen, wie ein hoher israelischer Beamter nun dem britischen Telegraph erklärte. Der US-Präsident habe versucht, Netanjahu zu „zügeln“, als dieser noch im Rennen um die Wiederwahl war, so der Beamte.

„Er sagte ihm, er solle nicht zu hart auf die Angriffe des Irans reagieren. Und der Iran wusste das, weshalb er die Situation ausnutzte, um Israel anzugreifen“, betonte der israelische Beamte. Er fügte hinzu, dass Biden nun das tun werde, was er „für richtig hält“. Auch rügte Biden den israelischen Ministerpräsidenten bereits in den vergangenen Tagen bei einem Telefongespräch für die Tötung von Hamas-Chef Hanija.

Aus Angst vor iranischer Vergeltung – Israel schützt sensible Orte und eröffnet zusätzliche Kapazitäten in Krankenhäusern

Bidens „wahre Absicht“ sei demnach die volle Unterstützung Israels, die er auch schon in seiner politischen Karriere untermauerte, lange bevor er den Posten als US-Präsident zugesprochen bekam. Netanjahu wisse, dass er mit Hilfe von US-Seite rechnen kann, was ihn zu einem mutigeren Umgang mit Israels Feinden veranlasse. Der beschworene „große Wendepunkt“ im Nahen Osten durch Bidens Rückzug könnte dem hohen israelischen Beamten zufolge darin liegen, dass der Iran Pläne verfolge, sich Bidens Entscheidung für mögliche Schläge gegen Israel zunutze zu machen. 

Aktuell bereitet sich Israel auf eine mögliche iranische Reaktion auf die gezielte Tötung von Hamas-Anührer Hanija vor, wie internationale Medien jüngst übereinstimmend berichteten. Demnach werden sensible Orte im ganzen Land gegenwärtig stärker geschützt, außerdem werden vielerorts zusätzliche Stationen in Krankenhäusern eröffnet.

USA verstärken ihre Unterstützung für Israel – Angriff Irans könnte diesmal komplexer sein

Die USA stockten ihre militärischen Hilfen für Israel in den vergangenen Tagen auf, um das Land bei seiner Verteidigung gegen ballistische Raketen und Drohnen aus dem Iran und von dessen Stellvertretern im Nahen Osten zu unterstützen. Beide Verbündete bereiteten sich auf die Abwehr eines möglichen iranischen Angriffs vor, meldete das US-Medium Wall Street Journal am Samstag (3. August). Es werde befürchtet, dass ein Angriff diesmal breiter und komplexer sein werde als die iranische Attacke auf Israel im April (13. April), die Irans ersten Direktangriff überhaupt auf Israel markierte. Damals griff Teheran seinen selbsterklärten Feind mit 330 Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen an.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ordnete die Entsendung zusätzlicher Zerstörer mit der Fähigkeit zur Abwehr ballistischer Raketen sowie eines weiteren Jagdgeschwaders in die Region an. Es gehe darum, die Verteidigung Israels zu unterstützen und auf die „sich entwickelnde Krise“ in der Region reagieren zu können, hieß es aus dem Pentagon. Zudem würden Schritte ergriffen, um die „Bereitschaft zum Einsatz zusätzlicher landgestützter ballistischer Raketenabwehr zu erhöhen“, so das Pentagon.

Iran kündigt entschlossene Reaktion an: „Unsere Antwort wird schnell und hart sein“

Die Forderung „befreundeter und nicht-befreundeter“ Staaten nach einer friedlichen Lösung des Iran-Israel-Konflikts sei für Teheran nach der gezielten Tötung von Hamas-Anführer Hanija in Teheran „inakzeptabel“, zitierte das Nachrichtenportal Iran Nuances informierte Quellen. „Israel hat alle roten Linien überschritten“, zitierte auch das Wall Street Journal einen iranischen Diplomaten. „Unsere Antwort wird schnell und hart sein“, sagte der Diplomat.

Auch die Vermittlungsversuche würden Irans Entschlossenheit zu einem Vergeltungsschlag gegen Israel nicht verringern, heißt es im Bericht von Iran Nuances auf der Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter). Die USA werden dennoch weiterhin mit Verbündeten und Partnern zusammenarbeiten, um die angespannte Situation in der Region zu deeskalieren, teilte das Pentagon weiter mit.

Israel droht dem Iran im Falle eines Vergeltungsschlags für die Tötung Hanijas mit einer weitaus härteren Gegenreaktion als nach der Attacke des Iran im April. Damals habe sich Israel auf Anraten beziehungsweise Bitten der USA und anderer internationaler Verbündeter bei seiner Antwort auf die Aggression Irans zurückgehalten, sagte Israels nationaler Sicherheitsberater Zachi Hanegbi gegenüber der Bild-Zeitung. (fh)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Pool REUTERS | Nir Elias

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