Anschuldigungen und Spekulationen

Nach Flugzeug-Tragödie: Biden und Obama sind laut Trump verantwortlich

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Mit Beileidsbekundungen beginnt Trump – doch er endet mit ungestümen Schuldzuweisungen. Schnell nutzt er das Flugzeugunglück zu seinem Vorteil.

Washington, D.C. – Die erste Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf die Kollision eines Passagierflugzeugs mit einem Militärhubschrauber entsprach dem, was man vom Weißen Haus erwarten würde. Doch kurz darauf ändert sich etwas in der Kommunikation des wiedergewählten Präsidenten. Schuld am Absturz, so Trumps wilde Spekulation, sollen seine Vorgänger Joe Biden und Barack Obama sein – sowie die staatlichen Programme für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI).

Am Mittwoch (29. Januar) kollidierte ein Passagierflugzeug der American Airlines mit 64 Personen an Bord mit einem Armeehubschrauber und stürzte in der Nähe des Ronald Reagan National Airport nahe Washington D.C. in den Potomac River. Niemand überlebte die Kollision in der Luft.

Trump reagiert zunächst zurückhaltend: Erste Stellungnahme voller Mitgefühl und Anteilnahme

Es dauerte nicht lange, bis sich das Weiße Haus zu Wort meldete. „Ich wurde umfassend über den schrecklichen Unfall informiert, der sich gerade am Reagan National Airport ereignet hat“, hieß es in der um 22:51 Uhr (Ortszeit) von Trumps Pressesprecherin veröffentlichten Mitteilung. „Möge Gott ihre Seelen segnen. Vielen Dank für die unglaubliche Arbeit unserer Ersthelfer. Ich beobachte die Situation und werde weitere Einzelheiten bekannt geben, sobald sie vorliegen“, so die erste Botschaft des US-Präsidenten weiter.

US-Präsident Donald Trump sieht die Schuld des tragischen Flugzeugabsturzes bei seinen Vorgängern und deren Diversitäts-Bestrebungen.

Doch nach dieser ersten, angemessenen Reaktion, dauerte es nicht lange, bis Trump auf seiner Social-Media-Plattform ‚Truth Social‘ in Erscheinung trat, um wilde Spekulationen über den Absturz in die Welt zu setzen. Es sei eine klare Nacht gewesen und das Flugzeug hell erleuchtet. Wieso der Helikopter nicht auf- oder abgestiegen sei, weshalb der Tower nicht alles verhindert habe, so Trumps Fragen. „Das ist eine schlimme Situation, die so aussieht, als hätte sie verhindert werden müssen. NICHT GUT!!!“, schloss er mit dem Post.

Trump macht Biden und Obama für Absturz verantwortlich: Kritik an Diversitätsprogrammen der FAA

Eine Hoffnung, so schreibt das New York Magazine, sei gewesen, dass wenigstens Trumps Pressekonferenz am nächsten Tag ohne solche Verschwörungstheorien auskommen würde. Vielversprechende habe diese mit einer gut formulierte Erklärung seines Beileids und einer Schweigeminute begonnen, sei dann aber ins Gegenteil umgeschlagen. Die „präsidiale Fata Morgana“ in der US-Politik habe sich aufgelöst und sei von Trumps Tiraden abgelöst worden.

Obama, Biden, den ehemaligen Verkehrsminister Pete Buttigieg, die Verkehrssicherheitsbehörde und Menschen mit Behinderungen machte der US-Präsident darin für den Absturz verantwortlich. „Für mich steht Sicherheit an erster Stelle. Obama, Biden und die Demokraten stellen die Politik an erste Stelle und sie bringen die Politik auf ein Niveau, das noch niemand gesehen hat“, so Trump im Wortlaut. Damit bezog sich der US-Präsident auf Diversitätsprogramme innerhalb der US-Luftfahrtbehörde FAA. Er warf diesen Maßnahmen vor, die Anforderungen an das Personal gesenkt zu haben. Seine Vorgänger hätten das Personal „zu weiß“ gefunden, sagte der Republikaner und fügte hinzu: „Und wir wollen die Leute, die kompetent sind“.

Politische Instrumentalisierung einer nationalen Tragödie: Trump nutzt den Absturz für seine Zwecke

Der Präsident unterzeichnete zudem ein Memorandum, um Bestrebungen für Vielfalt im Luftfahrtsektor zu beenden und alle Änderungen, die während der Biden-Regierung vorgenommen wurden, zu überprüfen. Zudem unterzeichnete er eine Durchführungsverordnung zur Ernennung eines neuen Leiters der FAA.

Zwei Dinge seien aus Trumps Äußerungen deutlich geworden, so das Urteil der britischen BBC. Erstens sei sein Eifer, sich in wichtige Nachrichten einzumischen, auch in seiner neuen Amtszeit ungebrochen. Zweitens sei es seiner Meinung nach nie zu früh, eine nationale Tragödie politisch aufzuladen – und sie zu nutzen, um Gegner anzugreifen und seine Agenda voranzutreiben. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bonnie Cash / Pool via CNP /MediaPunch

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