Geisel-Deal zwischen Hamas und Israel: Islamisten lassen drei Männer in Gaza frei
VonNail Akkoyun
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Bedrettin Bölükbasi
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Der Geiseldeal zwischen der Hamas und Israel schien zu bröckeln. Doch nun lässt die Terrororganisation die Geiseln doch noch frei.
Update, 9.40: Die Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad haben drei weitere Geiseln freigelassen. Die vor mehr als 16 Monaten aus Israel entführten Männer wurden in Chan Junis im Gazastreifen an Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben. Es handelt sich um Alexander (Sascha) Trufanov (29), Sagui Dekel-Chen (36) sowie Iair Horn (46).
Im Gegenzug soll Israel nach palästinensischen Angaben 369 inhaftierte Palästinenser freilassen, darunter 333 im Gazastreifen nach dem 7. Oktober festgenommene Personen und 36 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilte Personen. Während der live im Fernsehen übertragenen Geiselübergabe wurden die drei Männer von vermummten und bewaffneten Kämpfern auf eine Bühne geführt und mussten dort auch in ein Mikrofon sprechen. Sie sahen auf den ersten Blick nicht so abgemagert aus, wie die in der Vorwoche freigelassenen Männer.
Israel erwartet Freilassung weiterer Geiseln
Update vom 15. Februar, 6.00 Uhr: Nach einem Nervenkrieg um die Zukunft der Waffenruhe im Gazastreifen wollen zwei islamistische Terrororganisationen nun doch drei weitere israelische Geiseln freilassen. Die Hamas werde zwei Geiseln übergeben und die kleinere Terrorgruppe Islamischer Dschihad eine, teilten die beiden Organisationen mit. Im Gegenzug soll Israel nach palästinensischen Angaben 369 inhaftierte Palästinenser freilassen.
Update, 22.42 Uhr: US-Präsident Donald Trump will Israel die Entscheidung überlassen, welche Konsequenzen drohen, falls die islamistische Hamas das Ultimatum zur Freilassung der Geiseln aus dem Gazastreifen nicht einhält. „Ich weiß nicht, was morgen um 12.00 Uhr passieren wird“, sagte der Republikaner auf Nachfrage einer Journalistin im Weißen Haus. „Wenn es nach mir ginge, würde ich eine sehr harte Haltung einnehmen.“ Die Entscheidung liege jedoch bei Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: „Es hängt davon ab, was Bibi tun wird. Es hängt davon ab, was Israel tun wird.“
Trump hatte der Hamas zu Wochenbeginn ein Ultimatum gesetzt. Er sprach sich dafür aus, die zwischen Israel und den Islamisten ausgehandelte Waffenruhe aufzukündigen, falls nicht alle verbliebenen Geiseln bis Samstagmittag um 12.00 Uhr frei sein sollten. Ansonsten breche „die Hölle los“.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Gaza-Pläne der USA: Empfang von Jordaniens König nach Trump-Treffen – „Nein zur Vertreibung unserer Brüder“
Update, 16.19 Uhr: Der jordanische König Abdullah II. ist nach seiner Rückkehr aus Washington in Amman von zehntausenden Menschen empfangen worden. Sie versammelten sich auf der Zufahrtsstraße zum Flughafen in der jordanischen Hauptstadt, um ihre Unterstützung für Abdullahs Ablehnung der von US-Präsident Donald Trump geforderten Umsiedlung von Palästinensern aus dem Gazastreifen nach Jordanien und Ägypten zum Ausdruck zu bringen. Dies berichtet die AFP.
Einige hielten Schilder, auf denen zu lesen war „Jordanien ist für die Jordanier da und Palästina für die Palästinenser“ oder „Nein zur Vertreibung unserer Brüder“. Der jordanische König hatte Trump bei seinem Besuch in Washington seine „entschiedene Ablehnung der Umsiedlung von Palästinensern“ aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland zum Ausdruck gebracht, wie er nach dem Treffen bei X schrieb. Er habe zudem betont, dass es sich dabei um eine „gemeinsame arabische Position“ handele.
Hindernisse „ausgeräumt“: Israel und Hamas wollen Abkommen wie geplant umsetzen
Update vom 13. Februar, 13.06 Uhr: Die im Gaza-Krieg vermittelnden Staaten Ägypten und Katar haben die Hindernisse bei der weiteren Umsetzung des Waffenruhe-Abkommens laut einem ägyptischen Medienbericht „ausgeräumt“. Israel und die radikalislamische Hamas hätten sich dazu verpflichtet, das Abkommen vollständig umzusetzen, berichtete der staatsnahe Fernsehsender Extra News unter Berufung auf offizielle Quellen am Donnerstag. Zuvor hatte ein Hamas-Sprecher erklärt, die Miliz sei „bestrebt“, die Waffenruhe einzuhalten, im Gegenzug müsse sich aber auch Israel daran halten.
Erstmeldung: Gaza-Stadt – Die islamistische Hamas will am Samstag nun doch israelische Geiseln freilassen. Die Terrororganisation teilte nach Vermittlungsgesprächen in Ägypten mit, sie sei der Umsetzung der Waffenruhe-Vereinbarung mit Israel verpflichtet. Der Vereinbarung zufolge sollen drei Geiseln freigelassen werden.
Die Gespräche in Kairo seien positiv verlaufen, hieß es weiter in der Mitteilung der Hamas. Die Unterhändler Katar und Ägypten hätten versichert, dass sie weiterhin daran arbeiten würden „Hindernisse aus dem Weg zu räumen“.
Nach Darstellung der Hamas wird Israel die Zahl der Hilfslieferungen, die in den zerstörten Gazastreifen einfahren dürfen, erhöhen. Außerdem dürften schwere Baumaschinen zur Räumung von Trümmern und Wohncontainer in das blockierte Küstengebiet gebracht werden. Dies wurde jedoch von israelischer Seite dementiert.
Geiseldeal und Waffenstillstand im Gazastreifen soll andauern: Hamas will humanitäre Schritte
Der Vorwurf der Hamas war, dass Israel Lieferungen von Wohncontainern, Zelten und schweren Baumaschinen zur Räumung von Trümmern nicht in ausreichendem Maße zulasse. Zudem seien in dem abgeriegelten Küstengebiet während der Waffenruhe 92 Palästinenser durch israelischen Beschuss getötet worden.
Die für Palästinenserangelegenheiten zuständige israelische Behörde Cogat wies die Vorwürfe zu den Hilfslieferungen zurück. Während der Waffenruhe seien rund 15.000 Lastwagen mit humanitärer Hilfe in den Gazastreifen gefahren, hieß es. Sie hätten Lebensmittel, Trinkwasser, Treibstoff, Medikamente, medizinische Ausrüstung, Zelte, Unterkünfte und schweres Räumgerät transportiert.
US-Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatten der Hamas ein Ultimatum gestellt, um die Freilassung der verbliebenen Geiseln zu erzwingen. Trump drohte, es werde die „die Hölle losbrechen“, falls die Hamas die Geiseln nicht wie vereinbart freilasse.
Netanjahu erklärte seinerseits, dass die israelische Armee die Kämpfe wieder aufnehmen werde, falls die Hamas die Geiseln nicht freilässt. Wie viele Geiseln freigelassen werden müssten, um einen neuen Waffengang zu verhindern, ließ Netanjahu dabei offen. Israelische Medien berichteten, die Regierung in Jerusalem fordere die Freilassung aller noch lebenden Geiseln, die während der ersten Phase der Vereinbarungen zur Waffenruhe und dem Geiseldeal freikommen sollten. Das wären neun Verschleppte.
Die Vereinbarung über die Waffenruhe und der Geiseldeal sehen eigentlich vor, dass während einer ersten Phase nach und nach 33 Geiseln gegen 1904 in israelischen Gefängnissen inhaftierte Palästinenser ausgetauscht werden.
Insgesamt werden gegenwärtig noch 76 Geiseln im Gazastreifen festgehalten. Nach israelischen Angaben sind 36 von ihnen nicht mehr am Leben, in ihrem Fall geht es also um die Übergabe der sterblichen Überreste. Zuletzt hatte die Hamas bei fünf Austauschaktionen insgesamt 16 israelische Geiseln freigelassen. Israel setzte im Gegenzug Hunderte palästinensische Häftlinge auf freien Fuß. (red/dpa)