Kremlkritische Zeitung «Nowaja Gaseta» veröffentlichte ein Video

Nach Verurteilung: Anwälte von Nawalny von Polizisten abgeführt

+
Nach der Verhandlung wurden seine Anwälte in Polizeigewahrsam genommen

Die Anwälte von Kremlgegner Alexej Nawalny wurden nach Verurteilung für eine kurze Zeit in Polizeigewahrsam genommen.

Moskau - Nach der Verurteilung des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny zu weiterer Straflagerhaft sind dessen Anwälte kurzzeitig in Polizeigewahrsam genommen worden. Olga Michajlowa und Wadim Kobsew seien in der Nähe des Straflagers in einen Polizeibus gesteckt und weggebracht worden, schrieb Nawalnys Team am Dienstag bei Twitter. Die beiden Juristen hatten nach dem Urteilsspruch zunächst noch Interviews gegeben.

Die kremlkritische Zeitung «Nowaja Gaseta» veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie Michajlowa von zwei Polizisten abgeführt wird - begleitet von Kameras. Der Agentur Interfax zufolge hatte zuvor ein Beamter dazu aufgerufen, sie wegen «Störung der Arbeit der Justizvollzugsanstalt» vom Gelände zu bringen. Die beiden Anwälte kamen der Interfax zufolge wenig später wieder auf freien Fuß.

Nawalny ist bereits seit gut einem Jahr in einem Straflager in Pokrow etwa 100 Kilometer östlich von Moskau inhaftiert.

Nach der Verurteilung des bereits inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny zu weiteren Jahren Straflager hat seine Frau Julia ihm den Rücken gestärkt. «Wir sind bereits mehr als 20 Jahre zusammen, und Jahr für Jahr lernen wir, gute Eltern und gute Ehepartner zu sein», schrieb Julia Nawalnaja am Dienstag auf ihrer Instagram-Seite. «Und wenn wir durchgehend Druck standhalten müssen, dann werden wir auch diese Aufgabe meistern.»

Dazu postete Nawalnaja ein Foto, das sie, Alexej und die beiden gemeinsamen Kinder Darja und Sachar zeigt. «Ich liebe dich, mein teuerster Mensch auf dieser Welt», beendete die 45-Jährige ihren Beitrag. «Und bereits seit vielen, vielen Jahren höre ich nicht auf, stolz auf dich zu sein.»

In einem weiteren umstrittenen Prozess gegen Nawalny hatte ein russisches Gericht den 45-Jährigen zuvor zu neun Jahren Straflager unter besonders harten Haftbedingungen verurteilt. Zudem soll der Oppositionelle, der als bekanntester Gegner von Präsident Wladimir Putin in Russland gilt, 1,2 Millionen Rubel Strafe (umgerechnet 8200 Euro) zahlen, wie die Agentur Interfax meldete. (dpa)

Kommentare