Ex-Regierungs-Vize und WM-Organisator

„Verrat“: Früherer Putin-Strippenzieher rügt Kriegskurs - und wirft bei Prestigeprojekt hin

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Arkadi Dworkowitsch
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Der ehemalige Kreml-Berater Arkadi Dworkowitsch zieht sich aus einem russischen Prestigeprojekt zurück. Zuvor sprach er sich für eine friedliche Lösung in der Ukraine aus.

Moskau - Der frühere russische Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch hat den Vorstand des eines russischen Prestigeprojekts verlassen - kurz nach öffentlicher Kritik am Kriegskurs des Kreml. Er hatte sich der kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta zufolge in einem Interview für ein US-Magazin für eine friedliche Lösung im Ukraine-Konflikt ausgesprochen. Die Kreml-Partei Geeintes Russland sprach daraufhin von „Verrat“ und forderte Dworkowitschs Entlassung. Dworkowitsch ist das in Russland bisher bekannteste Gesicht, das dem Kreml wegen des Ukraine-Kriegs von der Stange geht.

Ukraine-Krieg: Ex-Kreml-Berater verlässt Prestigeprojekt

Nach den kritischen Äußerungen zum Krieg in der Ukraine verließ Dworkowitsch den Vorstand des Vorzeige-Technologieparks Skolkowo bei Moskau. Offiziell hieß es vonseiten der Skolkowo-Stiftung, Dworkowitsch wolle sich „auf die Entwicklung von Bildungsprojekten konzentrieren“. Der ehemalige Kreml-Vize gab keine Erklärung zu seinem Rückzug ab.

Beim Technologiepark handelt es sich um ein Prestigeprojekt des ehemaligen Kremlchefs Dmitri Medwedew, dessen enger Berater Dworkowitsch war. Beide hatten das Wissenschaftszentrum als „russisches Silicon Valley“ gepriesen. Kritiker sehen das Projekt als Sinnbild einer gescheiterten Modernisierung Russlands und Subventionsgrab.

Ukraine-Krieg: Ex-Vizeregierungschef Russlands für friedliche Lösung in der Ukraine

Der 49 Jahre alte Dworkowitsch galt in der russischen Politik lange als wichtiger Strippenzieher. Er war als Vizeregierungschef für Wirtschaft zuständig und seit 2018 bei der geplanten Hightech-Stadt Skolkowo tätig. Dworkowitsch war zudem Cheforganisator für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland.

Für Aufsehen sorgte er in den vergangenen Jahren immer wieder. So nannte er die Rückkehr von Wladimir Putin als Präsident 2012 „keinen Grund zur Freude“. Zudem bezeichnete er die Inhaftierung von Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski einst als schädlich für Russland. Auch während des Krieges in der Ukraine kritisierte er Putin und sprach sich für eine friedliche Lösung aus. Seine Gedanken seien bei „den ukrainischen Zivilisten“. Der Abgeordnete Andrej Turtschak von der Regierungspartei Geeintes Russland warf Dworkowitsch daraufhin vor, im „Interesse des Feindes“ zu halten. (dpa/AFP/lp)

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