Parteichef des französischen Rassemblement National
Nach Verurteilung von Marine Le Pen: Wer ist der RN-Vorsitzende Jordan Bardella?
VonGregor-José Moser
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Jordan Bardella übernahm 2022 die Führung des Rassemblement National von Marine Le Pen. Wer ist der Mann, der 2027 Präsident werden könnte?
Paris - Die zuständige Richterin hat Marine Le Pen das passive Wahlrecht für fünf Jahre entzogen. Das bedeutet, dass sie bei der Präsidentschaftswahl 2027 voraussichtlich nicht antreten darf. Le Pen wurde wegen Veruntreuung von Geldern im Zusammenhang mit Scheinbeschäftigungen im Europaparlament verurteilt. Eigentlich galt sie als Hoffnungsträgerin der extremen Rechten in Frankreich und gefährlichste Herausforderin für Präsident Emmanuel Macron.
Nach Verurteilung von Le Pen: Das ist der RN-Chef Jordan Bardella
Durch dieses Urteil rückt Jordan Bardella, der Vorsitzende des rechtsextremen Rassemblement National, stärker in den Vordergrund. Spätestens seit dem Wahlerfolg der Partei bei den Parlamentswahlen 2024 wird der Schützling von Marine Le Pen als aufstrebender Stern betrachtet. Da Le Pen nun voraussichtlich fünf Jahre lang nicht kandidieren kann, könnte Bardella umso mehr selbst zum Hoffnungsträger werden. Doch wer ist der Mann, der 2027 möglicherweise als Präsidentschaftskandidat antreten könnte?
Obwohl Bardella erst 1995 geboren wurde, hat er bereits eine beachtliche Karriere hinter sich. Hätte der RN nach der Wahl 2024 im Parlament Verbündete gefunden, wäre Bardella heute Premierminister.
Jordan Bardella: Der Schützling Le Pens, der zwischen zwei Welten aufwuchs
Bardella stammt aus einer Familie mit Migrationshintergrund: Seine Mutter wanderte in den 1960er Jahren aus Italien nach Frankreich ein, während sein Vater algerisch-italienische Wurzeln hat. In Interviews und bei politischen Veranstaltungen präsentiert sich Bardella als jemand, der es aus schwierigen Verhältnissen geschafft hat. Er wuchs im 93. Departement, dem ärmsten Frankreichs, auf und beschreibt seine Jugend in den Vororten als hart. Überall habe es Drogenhändler gegeben, und seine Mutter, die als Kindergartenhelferin arbeitete, habe am Monatsende oft nur 20 Euro übrig gehabt.
Sein Vater hingegen leitet ein mittelständisches Unternehmen für Getränkeautomaten. Bardella verbrachte die Wochenenden Medienberichten zufolge bei ihm, reiste mit ihm in den Urlaub und erhielt von ihm sein erstes Auto. Sein Abitur machte er an einer kostenpflichtigen katholischen Privatschule, nicht an einer staatlichen Schule in der Nähe. Diese Seite seiner Jugend erwähnt er selten.
Trotz seiner multikulturellen Herkunft trat Bardella im Alter von 17 Jahren dem rechtsradikalen Rassemblement National bei, der damals noch als Front National bekannt war. Seine Karriere nahm schnell Fahrt auf, vor allem dank Marine Le Pen, die ihn förderte. Es wird spekuliert, dass seine Beziehung zu Le Pens Nichte Olivier Nolwenn eine Rolle gespielt haben könnte.
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An der Seite von Marine Le Pen: Bardella ist das neue Gesicht des Rassemblement National
Nachdem er sein Geografie-Studium abgebrochen hatte, wurde Bardella 2017 mit 22 Jahren einer der drei Parteisprecher. Bei den Europawahlen 2019 ernannte Le Pen ihn zum Spitzenkandidaten, woraufhin er ins Europaparlament einzog und bald stellvertretender Fraktionsvorsitzender wurde. 2022 übernahm er schließlich den Parteivorsitz.
Unter der Führung von Marine Le Pen und Bardella hat der Rassemblement National sein Image gewandelt. Le Pen bemüht sich seit Jahren, die Partei von ihrem rechtsradikalen Randimage zu befreien, indem sie gemäßigtere Töne anschlägt. Das Parteiprogramm des RN hat sich jedoch kaum verändert. Bardella steht für einen scheinbar bürgerlichen RN, was sich auch in den guten Wahlergebnissen widerspiegelt.
Trotzdem greift Bardella weiterhin immer wieder zu hetzerischen Äußerungen. Vor der Europawahl 2024 erklärte er, dass Einwanderung und die EU die Seele Frankreichs bedrohten. Mit Blick auf den „Green Deal“ und den Migrationspakt behauptete er, Frankreich stehe vor der Auslöschung. Seit den Parlamentswahlen in Frankreich zeigt er sich jedoch gemäßigter und staatsmännischer. Nach dem Urteil gegen Le Pen wäre es nicht überraschend, wenn Bardella 2027 als Präsidentschaftskandidat für seine Partei antritt. (grmo)