Lage am Morgen

FR-üh dran: Namenlos in Magdeburg – Wagenknecht geht, BSW sucht die eigene Identität

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Das BSW will sich auf seinem Parteitag neu aufstellen. Doch die Umbenennung ist verschoben. In „FR-üh dran – die Lage am Morgen“ sammeln wir, was für Sie als FR-Leser:in heute wichtig wird und liefern Ihnen die Argumente für die Kaffeeküche.

FR-üh Radar – das steht heute an: Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht vor der Zäsur. Auf dem Bundesparteitag in Magdeburg will sich die Partei neu erfinden. Das beginnt beim Personal. Sahra Wagenknecht tritt vom Parteivorsitz zurück, bleibt aber irgendwie am Ruder, als Vorsitzende der eigens für sie geschaffenen Grundwertekommission. Der geplante Namenswechsel wurde derweil erst einmal verschoben. In die Landtagswahlen 2026 will das BSW noch mit der alten Identität gehen. Wir erklären Ihnen, warum es beim Bundesparteitag des BSW um dessen Zukunft geht und was das für die politische Landschaft in Deutschland bedeutet.

Sahra Wagenknecht will den Parteivorsitz beim „Bündnis Sahra Wagenknecht“ abgeben. (Archivbild)

Die Ausgangslage

Wir erklären Ihnen, wie es dazu kam: Anfang November hatte Wagenknecht ihren Rückzug vom Parteivorsitz beim BSW angekündigt. Die Partei kündigte eine Umbenennung an. Das Kürzel soll bleiben, doch aus dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ soll das „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ werden. Nach dem knapp verpassten Einzug in den Bundestag nach der Bundestagswahl 2025 hofft das BSW im nächsten Jahr auf Erfolge, vor allem bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sowie Abgeordnetenhauswahl in Berlin.

Die Crux

Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Das BSW ringt rund um den Parteitag weiter um die eigene Identität. Der Name aber bleibt erstmal. Laut eines Berichts der Zeit ist die Angst zu groß, das Wahlvolk vor den Landtagswahlen im Osten zu verwirren. Bereits bei der Bundestagswahl 2025 sorgte nach Ansicht diverser BSW-Vertreter das namentlich ähnliche „Bündnis Deutschland“ für Verwirrung unter potenziellen BSW-Wählern. Sahra Wagenknecht bleibt also Identifikationsfigur. Ihren Einfluss in der Partei sichert sich die Gründerin durch die neue Grundwertekommission. Eine Neuaufstellung, inhaltlich wie symbolisch, sieht anders aus.

Gleichzeitig erleidet die Partei in ihrem Kampf um den nachträglichen Einzug in den Bundestag einen Rückschlag. Das BSW war knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und hatte Einspruch eingelegt. Der Wahlprüfungsausschuss lehnte eine Neuauszählung der Stimmen bei der Bundestagswahl 2025 ab.

FR-üh dran – die Lage am Morgen

In unserem täglichen Briefing informieren wir Sie über die wichtigsten Termine des Tages, erklären Hintergründe und liefern Ihnen passende Argumente für die politische Debatte in der Kaffeeküche. Lesen Sie hier, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.

Ihnen fehlen Argumente, Sie widersprechen unseren oder Sie möchten diese ergänzen? Dann diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter jeder Ausgabe.

Espresso-Argumente für die Kaffeeküche

Wir helfen bei bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche: „Wagenknecht ist eine wichtige Stimme gegen das Establishment“ - Die BSW-Gründerin kritisiert System und „Alt-Parteien“ und benennt offensichtliche Probleme. Doch ihre Lösungsansätze bleiben vage und widersprüchlich. Systemkritik muss mehr sein als populistische Parolen. Doch statt strukturelle Probleme wie Wohnungsmangel und Lohndumping zu thematisieren, sucht Wagenknecht lieber Sündenböcke in der Migrationspolitik.

„Das BSW vertritt endlich wieder die einfachen Leute!“ - Wagenknecht spricht soziale Missstände an, ihre Rhetorik bedient aber oft die gleichen Ressentiments wie die der AfD. Wer sich wirklich für Arbeiter:innen einsetzt, beschäftigt sich mit Umverteilung und Gleichberechtigung, nicht mit Kulturkampf und Identitätspolitik. Der bleibende Personenkult um die scheidende Parteichefin nährt zudem Zweifel, ob das BSW wirklich die richtige Partei für die „kleine Frau“ ist.

„Endlich eine Partei, die gegen den Krieg in der Ukraine ist“ – Pazifismus ist ehrenwert. Wagenknechts Position im laufenden Ukraine-Krieg aber ist naiv. Sie ignoriert die Verantwortung, die Russlands Machthaber Wladimir Putin für das Leiden an der Front trägt. Und sie spricht der Ukraine ihr Recht auf Selbstverteidigung ab. Echte Friedenspolitik verteidigt das Völkerrecht.

Bundestagswahl 2025: Von „Tünkram“ bis zum „Tor zur Hölle“ – denkwürdige Zitate aus dem Wahlkampf

Bundestag - Vertrauensfrage
„Fritze Merz erzählt gern Tünkram“ – SPD-Kanzler Scholz am 16. Dezember zu Vorwürfen von Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der Amtsinhaber sei bei Debatten auf EU-Ebene passiv und melde sich nicht zu Wort. „Tünkram“ ist Plattdeutsch und bedeutet dummes Zeug oder Unsinn. © Michael Kappeler/dpa
Olaf Scholz, Wahlparteitag SPD
„Manch einer hat uns schon abgeschrieben. Das kann unsere sozialdemokratische Partei mit über 160 Jahren Kampferfahrung aber überhaupt nicht beeindrucken.“ – SPD-Ko-Chefin Saskia Esken (rechts) beim Parteitag am 11. Januar in Berlin zu den schwachen Umfragewerten für die Sozialdemokraten und der Hoffnung auf eine Aufholjagd bis zur Wahl. © Imago
Nach Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg-Rechte Proteste
„Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ – AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa zur Aufnahme des umstrittenen Begriffs in das Wahlprogramm, der im rechten Spektrum für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund steht. © dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa
„Wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“ – AfD-Kanzlerkandidatin Weidel beim Parteitag am 11. Januar in Riesa. © Sebastian Kahnert/dpa
Habeck liest aus seinem neuen Buch
„Ich war nicht gut in Rechtschreibung früher und hatte einen leichten Schlag in Richtung Legasthenie.“ – Der Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck räumt am 12. Januar ein, als Schüler eine Rechtschreibschwäche gehabt zu haben. Habeck thematisierte bei der „Wahlarena“ des „Mannheimer Morgen“ in Mannheim seine Schulzeit und persönliche Schwächen. © Kay Nietfeld/dpa
Wahlplakate in Wiesbaden - SPD
„Es gibt, glaube ich, keinen Kanzler in der Bundesrepublik, der sich so im Detail in Gesetze eingemischt hat, damit sie pragmatisch werden.“ – Olaf Scholz zieht am 13. Januar eine positive Bilanz seines Wirkens als Regierungschef. „Es sind unglaublich viele Entscheidungen getroffen worden, die ohne meine Intervention gar nicht zustande gekommen wären“, sagte er den NRW-Lokalradios. © Arne Dedert/dpa
Nach tödlichem Angriff in einem Park in Aschaffenburg
„Das Maß ist endgültig voll.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz am 23. Januar nach dem Messerangriff von Aschaffenburg auf eine Kindergartengruppe mit zwei Toten, den ein Geflüchteter aus Afghanistan begangen haben soll. © Daniel Vogl/dpa
Demo gegen Rechts - Berlin
„Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“ – Merz am 24. Januar bei der Ankündigung, für Anträge zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag auch eine Mehrheit mit AfD-Unterstützung zu tolerieren. Die Menschen sehen das kritisch und gehen auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demonstration zur Migrationspolitik - Berlin
„Die Brandmauer bröckelt.“ – Die AfD-Fraktion am 29. Januar im Online-Dienst X zur bisher geltenden Abgrenzung der CDU von der in Teilen als rechtsextremistisch eingestuften Partei, nachdem erstmals mit ihrer Hilfe ein Unionsantrag eine Mehrheit im Bundestag erhalten hat. © Sebastian Gollnow/dpa
209. Bundestagssitzung: Heidi Reichinnek, Linke
„Allen politischen Differenzen zum Trotz hätte ich mir niemals vorstellen können, dass eine christlich-demokratische Partei diesen Dammbruch vollzieht und mit Rechtsextremen paktiert.“ – Die Vorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, am 29. Januar im Bundestag in ihrer viral gegangenen Rede zum mit AfD-Stimmen verabschiedeten Unionsantrag. © Imago
Bundestag - Regierungserklärung
„Und deshalb, finde ich, kann ich ihm nicht mehr trauen.“ – Kanzler Olaf Scholz über das Verhalten von Friedrich Merz am 29. Januar 2025. Das sei „wahrscheinlich ein ganz bedeutender Tag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen, sagte Scholz in der ARD-Sendung „Maischberger“. Die Union habe einen Konsens aufgekündigt, den es die ganze Nachkriegsgeschichte über unter den Demokraten in Deutschland gegeben habe.  © Kay Nietfeld/dpa
Demonstration fuer die Brandmauer und gegen die CDU
„Für falsch halte ich es, (…) sehenden Auges erstmalig bei einer Abstimmung im Deutschen Bundestag eine Mehrheit mit den Stimmen der AfD zu ermöglichen.“ – Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert am 30. Januar das Vorgehen von Merz. © Matthias Gränzdörfer/Imago
Wahlkampf Grüne - Berlin
„Tun Sie es nicht, Herr Merz.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck appelliert am 28. Januar eindringlich an Unionsfraktionschef Friedrich Merz, keine gemeinsame Sache mit der AfD zu machen.  © Christoph Soeder/dpa
Sitzung, Bundestag, Plenum
„Das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.“ – SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich am 31. Januar in der Bundestagsdebatte über eine angekündigte Zustimmung der AfD auch zu einem Migrationsgesetz der Union. Dieses scheiterte aber letztlich auch an fehlender Unterstützung aus der Union. © Bernd Elmenthaler/Imago
Bundestag
„Ich bin mit mir persönlich sehr im Reinen, dass wir es wenigstens versucht haben.“ – Merz am 31. Januar nach dem Scheitern seines Gesetzentwurfs zur Verschärfung der Migrationspolitik im Bundestag, obwohl auch dieser von den AfD-Abgeordneten geschlossen unterstützt wurde. © Kay Nietfeld/dpa
Nach tödlichem Angriff in Aschaffenburg - Trauerfeier
„Diese Woche hat die Union klargemacht, dass es ihr ernst ist. Und damit ist die Glaubwürdigkeit auch eines neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz enorm gestiegen.“ – CSU-Chef Markus Söder sieht am 2. Februar die Position der Union nach den umstrittenen Abstimmungen zur Migrationspolitik im Bundestag deutlich gestärkt.  © Daniel Vogl/dpa
Bundesparteitag der CDU - Friedrich Merz + Markus Söder
„Mit den Grünen ist kein Richtungswechsel und keine Koalition möglich.“ – CSU-Chef Markus Söder anlässlich des CDU-Parteitags am 3. Februar auf X. © Imago
Wahlkampf – ZDF-Livesendung "Schlagabtausch"
„Wie dumm kann man sein zu sagen, man macht Sanktionen, um Russland zu schaden. Am Ende schaden wir vor allem unserer Wirtschaft.“ – BSW-Chefin Sahra Wagenknecht am 6. Februar in einer ZDF-Wahlrunde zu ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen aus Russland. © Christoph Soeder/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Wir können auf die FDP keine Rücksicht nehmen.“ – Merz am 7. Februar, nachdem er mögliche Wähler der in Umfragen weiterhin schwächelnden FDP aufgerufen hat, ihre Stimme der Union zu geben. © Kay Nietfeld/dpa
FDP Bundesparteitag
„33 oder 31 Prozent für die CDU machen keinen Unterschied, aber vier oder sechs Prozent für die FDP ändern maßgeblich das Gefüge in der Bundesrepublik.“ – FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner reagiert beim Sonderparteitag in Potsdam am 9. Februar auf die Aussage von Merz. © Michael Kappeler/dpa
Scholz und Merz im TV-Duell
„Was ist Bubatz?“ – Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz kann am 9. Februar mit dem Begriff „Bubatz“ nichts anfangen. Auf dem Live-Streaming-Portal Twitch antwortete Merz nach dem TV-Duell bei ARD und ZDF mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die Frage, ob „Bubatz“ legal bleibe: „Bleibt was legal?“ Daraufhin entgegnete die Moderatorin: „Bubatz“. Merz’ Replik: „Was ist Bubatz?“ Die Moderatorin: „Gras.“ Merz sagte dann: „Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.“ © Kay Nietfeld/dpa
Kundgebung "Brandmauer statt Brandstiftung"
„Friedrich Merz tritt an, Europa zu Grabe zu tragen“ – Kanzler Scholz am 11. Februar in der letzten Plenardebatte des Bundestags vor der Wahl mit Blick auf Merz’ Pläne, Geflüchtete an den Grenzen zu den EU-Nachbarn zurückzuweisen. © Fabian Sommer/dpa
TV-Runde im Bundestagswahlkampf
„Weil ich dieses animalische Grunzen der AfD-Fraktion voraussehen konnte, möchte ich einordnen, worüber wir reden, wenn wir Klimaschutz sagen.“ – Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck reagiert in einer Rede im Bundestag am 11. Februar auf Zwischenrufe der AfD, nachdem er den Klimaschutz als drängendste Aufgabe der Zukunft bezeichnet hat. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag
„Wir werden möglicherweise miteinander reden müssen.“ – Unions-Kanzlerkandidat Merz wendet sich in seiner Plenarrede am 11. Februar im Bundestag an die SPD – und nimmt dabei eine mögliche Koalitionsoption für die Zeit nach der Wahl in den Blick. © Kay Nietfeld/dpa
ZDF-Sendung "Klartext"
„Wenn sich die Menschen zurückziehen, dann ist es vorbei mit Deutschland. (…) Demokratie ist kein Zuschauersport, es geht nur, wenn Menschen sich bei den Wahlen engagieren.“ – Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck am 13. Februar in der ZDF-Sendung „Klartext“ auf den Kommentar eines Zuschauers hin, der erklärt hatte, er wisse nicht mehr, was er wählen solle. © Michael Kappeler/dpa

Blick nach Vorne

Lesen Sie hier schon heute, was als Nächstes passieren wird: Der BSW-Bundesparteitag in Magdeburg läuft bis Sonntag (7. Dezember 2025). Laut Programm wird ein neuer Parteivorstand gewählt. Spannend wird, wer Wagenknechts Position an der Spitze übernimmt. Anschließend soll über die Namensänderung abgestimmt werden. Wirksam wird die aber erst im Oktober 2026 - nach den Landtagswahlen in Ostdeutschland. Parallel dazu läuft der juristische Kampf des BSW um den Einzug in den Bundestag weiter. Die Partei will nach der Absage des Wahlausschusses vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe weiter um eine Neuauszählung der Stimmen bei der Bundestagswahl 2025 kämpfen.

Weitere Termine am Samstag

  • Heidelberg: Landesparteitag der CDU Baden-Württemberg vor den Landtagswahlen 2026
  • Rom: Giorgia Melonis Rechtspopulisten der Fratelli d‘Italia treffen sich zum jährlichen Atreju-Treffen
  • Amman/Jerusalem: Bundeskanzler Friedrich Merz reist nach Jordanien und Israel

Echt Jetzt?!

Neun Monate hat der Wahlprüfungsausschuss über die BSW-Beschwerde beraten. In anderen Ländern übernehmen das unabhängige Wahlgerichte, die schneller und neutraler arbeiten. Dass in Deutschland auch noch Abgeordnete über die Gültigkeit ihrer eigenen Wahl entscheiden, stammt aus der Kaiserzeit. Damals wollte das Parlament die Prüfung nicht dem Monarchen überlasen. Heute wirkt das wie ein demokratischer Anachronismus. Sollte das Bundesverfassungsgericht irgendwann im Jahr 2026 tatsächlich eine Neuauszählung der Bundestagswahl 2025 beschließen, könnten diese Strukturen gravierende Folgen haben.

Rubriklistenbild: © imago

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