Kanzler schafft neues Gremium

Nationaler Sicherheitsrat: Was die Merz-Regierung für Deutschland plant

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Friedrich Merz' Bundesregierung gründet einen Nationalen Sicherheitsrat für Deutschland. Was seine Rolle ist. Und welche Personen darin mitwirken.

Berlin - Er soll also seine Arbeit aufnehmen, ein Nationaler Sicherheitsrat für Deutschland. Ein Instrument, das zum Beispiel Präsident Donald Trump in den USA nutzt und das in den Vereinigten Staaten seit Langem fest in maßgebliche außenpolitische Entscheidungen integriert ist. Friedrich Merz (CDU) wollte ihn. Jetzt hat der Bundesanzler mit dem Gremium Fakten für die Bundesrepublik geschaffen.

Bundeskanzler: Friedrich Merz von der CDU.

Nationaler Sicherheitsrat für Deutschland: Stabstelle im Bundeskanzleramt

Es ist eine der vielen Reaktionen aus Deutschland auf den Ukraine-Krieg. Mit der internationalen Aggression des Russland-Regimes von Wladimir Putin soll sich künftig nicht zuletzt besagter Nationaler Sicherheitsrat befassen. Oder mit imperialistischen Tendenzen aus China im Pazifikraum. Oder mit Unruhen auf dem Balkan, wo in Serbien im Hochsommer 2025 zehntausende Menschen gegen den teils autoritär regierenden Präsidenten Aleksandar Vucic auf die Straßen gehen.

Der Nationale Sicherheitsrat beschäftigt sich als ständiger Kabinettsausschuss federführend mit außen- und sicherheitspolitischen Fragen, die Deutschland betreffen, und ist im Bundeskanzleramt eingerichtet. Das Bundeskabinett, also die Zusammenkunft der Bundesminister, hat gemäß seiner Befugnisse an diesem Mittwoch (27. August) die Einrichtung eines ständigen Nationalen Sicherheitsrates beschlossen. Das Parlament musste diesem Entschluss nicht zustimmen, war aber über Regierungsfraktionen im Bundestag permanent informiert.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Wie ernst ist die Bedrohung für Polen und da Baltikum durch Putin? Wie gestaltet sich die Sicherheitslage in der Ostsee mit Blick auf Russland? Was hat das Peking-Regime im Indopazifik vor? Inwieweit stützen die Amerikaner unter Trump das Militärbündnis Nato? Was braucht die Bundeswehr am dringendsten? Mit solchen Fragen soll sich der Nationale Sicherheitsrat künftig turnusmäßig auseinandersetzen, damit die schwarz-rote Bundesregierung (und nachfolgende Regierungen) aus CDU/CSU und SPD möglichst auf Stand ist (sind).

Nationaler Sicherheitsrat für Deutschland: Kanzler Friedrich Merz drückt aufs Tempo

Merz hatte offenbar keine Zeit zu verlieren. Denn: Im Kanzleramt war laut Nachrichten-Website der ARD-Tagesschau bereits vor dem 27. August 2025 eine Stabstelle unter der Leitung seines Büroleiters Jacob Schrot eingerichtet – ausgestattet mit zunächst 13 Stellen. Sie soll die Schnittstelle zwischen dem Gremium mit den verschiedenen Ministern, deren Ministerien, den Sicherheitsbehörden, den Bundesländern sowie externen Fachleuten, zum Beispiel aus der Politikwissenschaft, sein.

Vorbild USA: Präsident Donald Trump tagt mit dem Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten. (Archivfoto)

Gehört werden sollen von höchster Stelle aus bis zu Kanzler Merz auf möglichst kurzen Wegen zum Beispiel die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt, die 16 Landeskriminalämter, die 16 Landesämter für Verfassungsschutz, das Bundesamt für Verfassungsschutz, geheimdienstlich der BND sowie der Katastrophenschutz. Die Informationen der vielen Behörden sollen durch die Stabstelle gebündelt und sortiert werden, sodass die Bundesregierung auf Basis dieser Informationen bestmögliche Entscheidungen treffen kann. Ein aktuelles Beispiel für betroffene Themen ist die deutsche Reaktion auf die humanitäre Krise im Gazastreifen.

Nationaler Sicherheitsrat für Deutschland: Expertin lobt den Plan von Friedrich Merz

So zumindest die Theorie. Die sicherheitspolitische Expertin Sarah Bressan vom „Global Public Policy Institute“ erklärte der ARD, sie gehe davon aus, dass der neue Rat in Zukunft „mit einer neuen Zielsetzung und klaren Leitplanken vieles erfüllt, was vorherige Gremien teilweise als Improvisation erfüllt haben, weil es eben die Struktur eines Sicherheitsrates nicht gab“. Ein expliziter Nationaler Sicherheitsberater als engster Berater der Regierungschefin oder des Regierungschefs, wie in den Vereinigten Staaten praktiziert, ist im Modell, wie Merz es sich wünscht, nicht vorgesehen.

An diesem Mittwoch (27. August) hatte das Kabinett zudem ein Gesetz für den neuen Wehrdienst beschlossen, mit einer möglichen Wehrpflicht in Deutschland als Notlösung. Der Personalbestand der Bundeswehr soll von aktuell rund 182.000 Soldatinnen und Soldaten auf permanent 260.000 erhöht werden, plus Reservisten soll mittelfristig die Zahl 460.000 erreicht werden. So lautet die Zielvorgabe, um Absprachen mit der Nato einhalten zu können. (pm)

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