Rutte warnt in Berlin vor Angriff aus Russland: „Müssen uns über die Bedrohung im Klaren sein“
VonFelix Busjaeger
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NATO-Generalsekretär Mark Rutte besucht Deutschland. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz betonte beide die Einigkeit des Bündnisses.
Update, 16:06 Uhr: NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat vor einer direkten russischen Bedrohung für das Bündnis gewarnt. „Wir sind Russlands nächstes Ziel“, sagte der Niederländer bei einer Rede in Berlin laut dpa. Für die NATO gehe es nun darum, einen Krieg zu stoppen, bevor dieser beginne. „Dafür müssen wir uns über die Bedrohung völlig im Klaren sein“, sagte er. Man sei bereits in Gefahr.
Rutte forderte drastisch höhere Verteidigungsausgaben und warnte vor den Folgen einer ukrainischen Niederlage. Putin sei bereit gewesen, über 1,1 Millionen russische Soldaten zu opfern – täglich durchschnittlich 1200 in diesem Jahr. „Wenn er bereit ist, normale Russen in diesem Maße zu opfern – was ist er dann bereit, uns anzutun?“, fragte der NATO-Chef. Sollte die Ukraine fallen, stünden russische Streitkräfte an einer noch längeren NATO-Grenze.
NATO-Generalsekretär Rutte in Berlin: Merz rechnet mit Stationierung von US-Mittelstreckenwaffe
Update, 13:12 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz rechnet damit, dass die USA im nächsten Jahr wie geplant mit der Stationierung von weitreichenden Waffen in Deutschland beginnen. „Ich habe im Augenblick keine Veranlassung, an den Verabredungen zu zweifeln, die wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Nato-Bündnis getroffen haben“, sagte er bei einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Berlin. „Es gibt keine Ankündigung und auch keine Schritte hin zur Auflösung des gegenseitigen Sicherheitsversprechens, das wir uns gegeben haben.“
Merz antwortete mit diesen Sätzen auf die Frage, ob er vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie die Sorge habe, dass die US-Regierung ihre Zusage zurückziehen könnte, wieder Marschflugkörper vom Typ Tomahawk in Deutschland zu stationieren. Dabei geht es um eine Absprache, die im Juli 2024 noch mit der Regierung des damaligen US-Präsidenten Joe Biden getroffen worden war.
NATO-Generalsekretär in Berlin: Rutte lobt Merz – Kanzler sieht sich durch US-Strategie bestärkt
Update, 12:00 Uhr: Merz und Rutte haben auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag die enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der NATO betont. „Wir wissen, wir können uns auf Deutschland verlassen und Deutschland kann sich auf die NATO verlassen“, sagte Rutte bei dem kurzen Statement. „Deutschland geht beispielhaft voran“. Mit Blick auf den Kanzler fügte Rutte auf Deutsch hinzu, er freue sich auf die künftige Zusammenarbeit mit Merz.
Der Kanzler bezeichnete die Stärkung der NATO als absolute Priorität für die Bundesregierung und verwies dabei auch auf die in der vergangenen Woche veröffentlichte Sicherheitsstrategie der USA. Diese „bestärkt uns, dass wir da auf dem richtigen Weg sind“, sagte Merz und fügte hinzu: Europa muss „fest auf eigenen Beinen stehen können.“ Mit Blick auf den Ukraine-Krieg bekräftigte der Kanzler, dass nur Kiew eine Entscheidung über territoriale Zugeständnisse an Russland treffen könne. Ein Friedensplan müsste nach Merz Ansicht drei Punkte erfüllen. Waffenstillstand, Sicherheitsgarantien, und eine Verhandlungslösung, die die europäischen Sicherheitsinteressen wahrt. Der Plan dürfe nicht zu Lasten der Einheit von EU und NATO gehen.
NATO-Generalsekretär Rutte in Berlin: Treffen mit Merz – Pressekonferenz geplant
Erstmeldung vom 11. Dezember: Berlin – Vor dem Hintergrund wachsender transatlantischer Spannungen empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag NATO-Generalsekretär Mark Rutte zu strategischen Beratungen in Berlin. Der Arbeitsbesuch, bei dem beide Politiker um 10:35 Uhr gemeinsam vor die Presse treten werden, markiert einen wichtigen Schritt zur Stärkung der europäischen Säule innerhalb der Atlantischen Allianz.
Rutte plant am Nachmittag zudem eine Grundsatzrede bei einer Veranstaltung der Münchner Sicherheitskonferenz. Im Anschluss ist eine Podiumsdiskussion mit Bundesaußenminister Johann Wadephul geplant. Das Treffen zwischen Merz und dem NATO-Generalsekretär findet zu einem brisanten Zeitpunkt statt: Das Bündnis muss sich mit der „unvorhersehbaren Außen- und Sicherheitspolitik“ der USA unter Präsident Donald Trump auseinandersetzen. Die europäischen Partner setzen deshalb zunehmend auf strategische Eigenständigkeit.
Merz trifft NATO-Generalsekretär: Arbeitsbesuch inmitten angespannter Zeit
Die NATO steht derzeit auch wegen des Ukraine-Kriegs vor nachhaltigen Herausforderungen. Russlands Präsident Wladimir Putin setzt in dem Konflikt weiter auf Härte und die Regierung von Wolodymyr Selenskyj ist nach wie vor auf die Hilfe des Westens angewiesen. In der jüngsten Vergangenheit kam es zudem immer wieder zu Zwischenfällen an der NATO-Ostflanke, die von Experten als russische Provokationen gewertet wurden.
Das NATO-Treffen zwischen Rutte und Merz fällt zudem in eine Zeit, in der Trump mit einer neuen US-Sicherheitsstrategie Druck auf die europäischen Partner ausübt. Washingtons neue Linie wurde unter anderem von der Bundesregierung scharf kritisiert, weil die US-Regierung etwa Russland nicht als Bedrohung einschätzt, allerdings die EU mit Vorwürfen überhäuft.
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses
Zuletzt hatte Trump seine Kritik an den Europäern bei einem Auftritt in Pennsylvania erneuert. „Sie sollten besser vorsichtig sein, denn Einwanderung und Energie werden Europa zerstören“, warnte der US-Präsident. Die Einwanderungspolitik sei so schlecht, dass sie „unser schönes Europa“ zerstöre. Gleichzeitig betonte der Republikaner: „Ich liebe Europa.“
NATO-Treffen mit Rutte und Merz – Kanzler reagierte auf Kritik von Donald Trump
Die neue US-Sicherheitsstrategie, die vergangene Woche veröffentlicht wurde, spricht von einem angeblichen „Verlust der Demokratie und der Meinungsfreiheit in Europa“. Das Dokument listet als Probleme des Kontinents die „Zensur der freien Meinungsäußerung und die Unterdrückung der politischen Opposition, abstürzende Geburtenraten sowie der Verlust nationaler Identitäten und des Selbstvertrauens“ auf. Diese Einschätzungen lösten in Europa Empörung aus.
Merz erklärte am Mittwoch, dem 10. Dezember, er sehe Deutschland von der Kritik des US-Präsidenten an der europäischen Einwanderungspolitik nicht betroffen. Der Kanzler betonte, wenn der US-Präsident „mit dieser Institution oder mit der Konstruktion der Europäischen Union nichts anfangen kann“ und sich die US-Regierung damit schwertue, dann seien es wenigstens einzelne Mitgliedstaaten – „und dazu zählt natürlich zuallererst Deutschland, mit dem man eine solche Kooperation dann auch weiter eingehen kann“.
Ganz ohne die EU kann Trump allerdings auch nicht: Noch vor dem NATO-Treffen zwischen Merz und Rutte wurde bekannt, dass die USA nach den Worten ihres Präsidenten in Europa zu einem Treffen am Wochenende eingeladen sind. Zu diesem soll auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj anwesend sein. Trump ließ aber offen, ob die USA das Treffen wahrnehmen – und wenn ja, auf welcher Ebene. (Quellen: dpa, AFP) (fbu)