Erneuter Aussetzer auf Nato-Gipfel

Biden spricht von „Vizepräsident Trump“ – Reaktion seiner Minister steht für sich

  • schließen

US-Präsident Biden sorgt mit verbalen Fehltritten beim Nato-Gipfel für Aufsehen. Seine Verwechslungen lassen erneut Zweifel an seiner Eignung zum Präsidenten aufkommen.

Washington, D.C. – Erneut hat sich Joe Biden, der Präsident der USA, während des Nato-Gipfels einen unangenehmen Fehltritt geleistet. Dabei kursieren ohnehin schon Zweifel an der gesundheitlichen Verfassung Bidens, kurz vor der US-Wahl 2024. In Washington hat er sich jetzt nicht nur einmal, sondern gleich zweimal versprochen – und das auf eine besonders peinliche Art und Weise.

Biden begann mit der Ankündigung der Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Anstatt Selenskyj zu nennen, sagte Biden jedoch „Präsident Putin“. Obwohl er seinen Fehler bemerkte und erklärte, dass er so sehr darauf konzentriert sei, „Putin zu besiegen“, dass er zu sehr an ihn gedacht habe, konnte er das mediale Echo nicht verhindern. Dies dürfte die Kritiker des Präsidenten, auch innerhalb der eigenen demokratischen Partei, bestärken. Die Zweifel an Biden nehmen zu: ein erster demokratischer Abgeordneter, sowie der Schauspiel-Superstar George Clooney, haben kürzlich seinen Rückzug aus dem Wahlkampf gefordert.

Biden vertauscht Selenskyjs Namen bei Rede auf Nato-Gipfel in Washington – „Präsident Putin“

Die Reaktionen von Bidens Kollegen auf den Nato-Gipfel auf diesen peinlichen Moment waren ernst. Bundeskanzler Olaf Scholz schaute perplex, EU-Ratspräsident Charles Michel schielte ungläubig zur Seite. Andere klatschten verkrampft. Viele Staats- und Regierungschefs standen hinter Biden auf der Bühne.

Er hat es schon wieder getan: US-Präsident Joe Biden schockiert bei seiner Rede auf dem Nato-Gipfel mit Verwechslungen und Aussetzern.

Wenn der Wahlkampf gegen den Favoriten Donald Trump nicht so ernst wäre, hätte man den Versprecher wahrscheinlich schnell als Lappalie abtun können. Die Situation ist jedoch kritisch - und es sollte nicht Bidens einziger Fehltritt an diesem Gipfeltag bleiben. Biden hielt bei dem Treffen noch eine Solo-Pressekonferenz. Es war die erste PK dieser Art seit langem. Der Präsident hat seit dem katastrophalen TV-Duell gegen Trump noch einiges gutzumachen. Das gelang ihm jedoch kaum.

Aufregung bei Solo-Pressekonferenz auf Nato-Gipfel – Biden nennt Trump „Vize-Präsident“

Das Auftaktstatement gelang noch, Biden las einiges auch vom Teleprompter ab, das Ganze weitgehend unfallfrei. Dann kam jedoch die Fragerunde. Und direkt bei der ersten Frage folgte die nächste Panne. Biden verwechselte seine eigene Vizepräsidentin Kamala Harris mit seinem ärgsten Konkurrenten. „Sehen Sie, ich hätte Vizepräsident Trump nicht als Vizepräsidentin gewählt, wenn ich nicht denken würde, dass sie für das Amt des Präsidenten qualifiziert ist“, sagte er.

Bidens Entourage verfolgte das Geschehen aus der ersten Reihe. Videos zeigen einen genaueren Blick auf deren Reaktionen zum nächsten Fehler des US-Präsidenten – und die sprechen Bände. In der ersten Reihe sitzen nebeneinander Außenminister Antony Blinken, Verteidigungsminister Lloyd Austin und Bidens nationaler Sicherheitsberater, Jake Sullivan. Die Anspannung ist ihnen anzusehen. 

Bidens Minister reagieren auf Biden-Patzer – Reporter nehmen Präsidenten ins Kreuzverhör

Als Joe Biden den Vizepräsident-Patzer liefert, zuckt Blinken fast unmerklich zusammen und senkt um wenige Millimeter den Blick. Nachdem er vor Monaten eine Aufreger-Äußerung seines Chefs bei einer Pressekonferenz in Reihe eins mit einem verzerrten Gesicht und krampfartigen Bewegungen verfolgt hatte, ringt der Chefdiplomat diesmal besonders intensiv um Fassung. Zwei Plätze links von ihm hebt Sullivan nach dem Biden-Satz eine Hand vors Gesicht und reibt sich das Kinn. Zwischen den beiden hört Austin ohne Regung zu. 

Was dabei oft übersehen wird: Auch die folgenden Momente der Pressekonferenz waren keine Glanzleistung, wie aus einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hervorgeht. Biden wurde von den Journalisten ins Verhör genommen. Es wurde sogar gefragt, ob seine ständigen Patzer auf der großen Weltbühne nicht langsam dem Ansehen der USA schaden.

Rücktrittsaufforderungen vor US-Wahl – Biden schockt mit Rede bei Nato-Gipfel

Mehrere Male lehnt er sich etwas ungelenk nach vorn über das Pult und flüstert mit aufgerissenen Augen Sätze ins Mikro – wohl um sie wirkungsvoller zu machen. Zwischendurch ballt Biden mehrfach die Faust, um Stärke zu demonstrieren – wie öfter auch in den vergangenen Tagen beim Nato-Gipfel. Wohl als Antwort darauf, dass er immer wieder auf die Rückzugsforderungen seiner Parteikollegen angesprochen wurde.

Doch immer wieder haderte Biden bei der Pressekonferenz, geriet ins Stocken, brachte Sätze nicht zu Ende, verwechselte mal Zahlen oder Länder (Nordkorea und Südkorea). Und immer, wenn er nicht weiterwusste, sagt er „wie dem auch sei“. Diese Wendung war oft zu hören in dieser knapp einstündigen Pressekonferenz. Ein Auftritt, der die Kritiker nur weiter anfeuern wird.

In Deutschland wird derweil über eine andere Entscheidung des Nato-Gipfels heftig diskutiert. Die USA wollen Langstreckenwaffen in Deutschland stationieren. Die Grünen fordern bereits eine Erklärung dazu von Scholz. Der Kreml fühlt sich bedroht. (han/mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Matt Rourke/dpa

Kommentare