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Fingerzeig an Russland und Belarus: Im Eiltempo baut sich Polen die größte Landstreitkraft West- und Mitteleuropas auf. Die nächste Bestellung für schwere Waffen geht in die USA.
Warschau - Im Eiltempo kauft Polen schwere Waffen ein, um Russland und dessen Verbündeten Belarus im Umfeld des Ukraine-Kriegs abzuschrecken. Die neueste Bestellung umfasst 96 hochmoderne AH-64E „Apache“-Kampfhubschrauber aus den USA.
Wegen russischer Aggression gegen Nachbar Ukraine: Polen baut sich Super-Armee auf
Dies gab die amerikanische „Defense Security Cooperation Agency“ auf ihrer Website bekannt, die im Rahmen des Verteidigungsministeriums in Washington Waffen-Deals mit Partnerstaaten abwickelt. Der US-Kongress muss der geplanten Lieferung der wendigen Helikopter durch Hersteller Boeing indes noch zustimmen, was aber als Formalie gilt.
Die polnische Regierung hatte im Mai das Ziel verkündet, wegen der russischen Aggression gegen den ukrainischen Nachbarn bis Sommer 2025 die stärkste Armee West- und Mitteleuropas aufstellen zu wollen. Der vorangetriebene Kauf der „Apache“ bedeutet nach spektakulären Panzer-Käufen in Südkorea den nächsten Schritt in der Umsetzung.
Die Eigenschaften und technischen Daten imponieren: Der „Apache“, der erstmals 1986 in Dienst gestellt wurde, ist ein Kampfhubschrauber für Landstreitkräfte zur Unterstützung der jeweiligen Bodentruppen durch die Bekämpfung feindlicher Stellungen und Panzer. Entsprechend sind die Waffensysteme angeordnet.
Polen rüstet Armee auf: „Apache“ kann Kampfhubschrauber und Panzer bekämpfen
Polen hat sich die modernste Variante AH-64E gesichert, die seit 2011 produziert wird und mehrere Kampfwertsteigerungen erfuhr. So hat der AH-64E weit mehr als die standardmäßig eingebaute 30-mm-Maschinenkanone M230 mit 1200 Schuss Munition im Arsenal. Ein- oder angebaut sind ferner zwei Lenkwaffenwerfer für je zwei infrarotgesteuerte Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkwaffen vom Typ „Stinger“ sowie zwei infrarotgesteuerte Luft-Luft-Raketen „Sidewinder“ zur Bekämpfung feindlicher Kampfhubschrauber.
| Name: | AH-64 Apache |
| Hersteller: | Boeing (USA) |
| In Dienst gestellt: | April 1986 |
| Besatzung: | 2 (Pilot und Bordschütze) |
| Triebwerke: | zwei T700-GE-701-Triebwerke von General Electric mit je 1660 PS |
| Höchstgeschwindigkeit: | 293 km/h |
| Bewaffnung: | 1x 30-mm-Maschinenkanone M230 mit 1200 Schuss Munition, 2x Lenkwaffenwerfer für je 2x infrarotgesteuerte Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkwaffen Stinger, 2x infrarotgesteuerte Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkwaffen Sidewinder, 8x Werfergestelle M299 für laser- bzw. radargesteuerte Panzerabwehrlenkwaffen |
Zudem dienen acht Werfergestelle M299 für laser- oder radargesteuerte Panzerabwehrlenkwaffen der direkten Bekämpfung von Bodenzielen wie Kampf- und Schützenpanzern aus niedriger Flughöhe. Zwei gewaltige T700-GE-701-Triebwerke mit je 1660 PS ermöglichen im Einsatz Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 293 km/h.
Polens Militärparade: Signal an Russland und Kreml-Machthaber Wladimir Putin
Die polnische Regierung fährt damit erneut schwere Geschütze auf: Am 15. August hatte der Nachbar Deutschlands mit einer großen Militärparade der „Schlacht von Warschau“ von 1920 gedacht, auch „Wunder an der Weichsel“ genannt. Damals hatten polnische Truppen nach dem Zusammenbruch des russischen Zarenreiches in Folge des Ersten Weltkriegs bolschewistische Streitkräfte besiegt, die das neue polnische Staatsgebiet besetzen und das junge eigenständige Land wieder unter den Einfluss Moskaus bringen wollten.
Datum und Größe der Parade wurden als eindeutiges Signal der Stärke an den Kreml gewertet, während sich in Russland Zweifel am Kriegskurs von Moskau-Autokrat Wladimir Putin mehren sollen. So waren schwere Kampfpanzer „Abrams“ und „Leopard-2“ sowie moderne Flugabwehrsysteme „Patriot“ unter den aufgebotenen Fahrzeugen. Auch mehrere „HIMARS“ waren zu sehen, jener Mehrfachraketenwerfer also, der in der Ukraine den russischen Angreifern zusetzt. Es soll erst der Anfang sein.
Nato-Mitglied Polen kauft ein: 1000 Kampfpanzer zur Abschreckung Russlands
Nato-Mitglied Polen hat seit Frühjahr 2022 laut Tagesschau der ARD umgerechnet rund 14,6 Milliarden Euro für Panzer, Raketenabwehrsysteme und Kampfflugzeuge ausgegeben. Unter anderem bestellte Warschau im Februar 500 „HIMARS“-Artillerieraketensysteme aus den USA. Schon im Sommer 2022 hatte Polen (sage und schreibe) 1000 Kampfpanzer „K2“ sowie 672 selbstfahrende Panzerhaubitzen „K9“ in Südkorea geordert. Die ersten Modelle der südkoreanischen Panzer trafen bereits vor Monaten in Danzig an der Ostsee ein. (pm)
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