Hunderte Gläubige fordern Putin zu Herausgabe von Nawalnys Leiche auf: „Ihre Pflicht gegenüber Gott“
VonNail Akkoyun
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In einem Appell fordern russisch-orthodoxe Gläubige die Herausgabe von Nawalnys Leichnam. Sie erinnern Putin an seine christlichen Pflichten.
Moskau – Hunderte russisch-orthodoxe Geistliche und Laien haben in einem Appell Wladimir Putin zur Freigabe der Leiche des im Straflager gestorbenen Kremlgegners Alexej Nawalny aufgefordert. „Wir fordern Sie auf, den Leichnam von Alexej Nawalny an seine Familie zu übergeben, damit seine Mutter, andere Familienangehörige und Gleichgesinnte sich von ihm verabschieden und ihm ein christliches Begräbnis bereiten können“, hieß es in dem Schreiben, das am Donnerstag (21. Februar) auch vom Team des Oppositionellen verbreitet wurde.
Die russisch-orthodoxen Gläubigen erinnerten Putin, der sich selbst oft mit Kerze in der Hand in Kirchen zeigt, daran, dass es christliche Regeln gebe; die Angehörigen hätten einen Anspruch auf die Beerdigung. Nach orthodoxem Brauch sollen Gläubige am dritten Tag nach ihrem Tod beerdigt werden. „Das ist nicht nur ihr Wunsch und ihr gutes Recht, sondern auch ihre Pflicht gegenüber Gott und dem Verstorbenen“, hieß es in dem Appell, der rund 800 Namen aufweist. „Alexej Nawalny war nicht nur ein Oppositionspolitiker, er war auch ein gläubiger Mensch.“
Die Tragödie des Todes dürfe nicht dadurch verschärft werden, dass eine einfache menschliche Bitte abgeschlagen werde: „Denken Sie daran, dass vor Gott alle gleich sind.“ Es bestehe die Gefahr, dass durch Ungnade und Unmenschlichkeit die Spannungen in der Gesellschaft noch weiter zunähmen. „Zeigen Sie Barmherzigkeit und Mitgefühl für seine Mutter, seine Frau, seine Kinder und seine Angehörigen.“
Menschen versammeln sich an einer behelfsmäßigen Gedenkstätte für den verstorbenen russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny am Denkmal für die Opfer politischer Repressionen in Sankt Petersburg.
Vor dem Stacheldraht des sibirischen Straflagers hat die Mutter des toten Kremlkritikers Alexej Nawalny in einer emotionalen Ansprache Präsident Putin zur Herausgabe der Leiche ihres Sohnes aufgefordert. „Ich wende mich an Sie, Wladimir Putin. Die Entscheidung der Frage hängt nur von Ihnen ab. Lassen Sie mich doch endlich meinen Sohn sehen“, sagte Nawalnaja.
Alexej Nawalny ist tot: Protest, Anschläge, Gefängnis – sein Leben in Bildern
Nawalny ist am 16. Februar nach Behördenangaben im Straflager mit dem inoffiziellen Namen „Polarwolf“ in der sibirischen Arktisregion Jamal ums Leben gekommen. Der durch einen Giftanschlag im Jahr 2020 und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwächte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein. Die Todesursache ist unklar, Nawalnys Team werfen dem Kreml Mord vor – auch die internationale Politik unterstellte Moskau Vertuschung oder gar eine gezielte Tötung. Moskau weist die Anschuldigungen zurück. (nak/dpa)