Nebenberuflich in Russland: Außenpolitischer Sprecher der AfD ist Musikdozent in Moskau
VonFabian Hartmann
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Der Bundestagsabgeordnete Moosdorf unterrichtet seit Neuestem an einer Musikhochschule in Moskau. Die ideologische Nähe der Hochschule zum Kreml scheint ihn dabei nicht zu stören.
Berlin/Moskau – Matthias Moosdorf, außenpolitischer Sprecher der AfD im Bundestag, blickt neben seinem politischen Werdegang auch auf eine Karriere als professioneller Musiker zurück. Zum Cellisten ausgebildet worden war der gebürtige Leipziger (Jahrgang 1965) ab 1986 im Rahmen eines Studiums an der dortigen Musik-Hochschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“, das er 1991 abschloss. Seit 2016 ist Moosdorf Mitglied der AfD, außenpolitischer Sprecher der Partei im Bundestag ist er seit 2021.
Sein Hintergrund als professioneller Musiker hat dem AfD-Politiker nun ein neues berufliches Engagement ermöglicht. Wie das Nachrichtenportal T-Online meldete, bekleidet Moosdorf neben seinem politischen Amt im Bundestag unlängst auch eine Honorarprofessur am Moskauer Gnessin-Institut. Die Musikhochschule gilt als renommierteste Einrichtung ihrer Art in Russland. Sie steht dem Kreml nahe und vertritt auch in Kriegszeiten dessen Positionen nach außen.
AfD-Politker Moosdorf will mit Engagement in Moskau ein „Zeichen der Verständigung“ setzen
Bereits seit September ist Moosdorf als Honorarprofessor am Gnessin-Institut (GRAM) in Moskau tätig. Der AfD-Politiker äußerte sich zu einem entsprechenden Bericht von T-Online, wonach er sein Engagement an der international renommierten Moskauer Hochschule bestätigte. Im Rahmen seiner musikalischen Laufbahn habe er immer wieder Gastprofessuren bekleidet, führte der 59-jährige gelernte Cellist aus.
Eine Honorarprofessur des Moskauer Gnessin-Instituts angeboten zu bekommen, reflektiere und ehre seine Tätigkeit als weltweit tätiger Kammermusiker, betonte der AfD-Politiker. Auch wolle er mit seiner neuen Position in Russland ein „Zeichen der Verständigung“ setzen. „Musik kennt keine ideologischen Grenzen“, wird Moosdorf von T-Online weiter zitiert. Die Ausgestaltung des Vertrags sei aktuell noch offen, orientiere sich jedoch an international gängigen Vergütungen für Gastprofessuren im Bereich Musik. Es würden „übliche Honorare“ gezahlt, heißt es dem Bericht zufolge im Wortlaut weiter.
Im September sei der Cellist und AfD-Politiker schon einmal für drei Tage in Moskau gewesen und habe an der Musikhochschule „eine Art Antrittsvorlesung“ gehalten, wie aus dem T-Online-Bericht weiter hervorgeht. Nun plane er, die russische Hauptstadt imRahmen seiner Honorarprofessur „einmal im Vierteljahr mehrere Tage“ zu besuchen, um das dortige Kammermusik-Ensemble zu unterrichten.
Gnessin-Institut sorgte schon 2018 wegen Repression für internationale Schlagzeilen
Die Moskauer Musikakademie, benannt nach dem russischen Komponisten Michail Gnessin (1883-1957), sorgte in der Vergangenheit schon öfter wegen politischer Einflussnahme und vermeintlich propagandistischer Aktivitäten für Schlagzeilen in internationalen Medien. Wie Scholars at Risk – ein internationales Netzwerk akademischer Institutionen mit Sitz in den USA – berichtete, so auch im Falle der ehemaligen Studentin Sofya Kardash.
Am 24. Dezember 2018 sollen russische Behörden und ein Universitätsverwalter der Gnessin Akademie die Studentin eingeschüchtert und ihr mit rechtlichen Schritten wie dem Ausschluss von der Hochschule gedroht haben. Ziel war offenbar, Kardash durch erhöhten Druck von ihrer Teilnahme an Protestaktivitäten abzuhalten – ein politisches Instrument, das in Russland nicht selten genutzt wird.
Kardash soll damals an einer Reihe von Protesten teilgenommen haben, bei denen die russische Rentenreform angeprangert und der Rücktritt des damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin, der im März desselben Jahres in seinem Amt bestätigt worden war,gefordert wurde. Berichten zufolge war Kardash am 6. Oktober 2018 im Zusammenhang mit ihrer Teilnahme an einem der Proteste von Vertretern russischer Behörden verhaftet worden. Rund eine Woche später forderte der GRAM-Prorektor die Studentin auf, sich von den Protesten fernzuhalten.
Ist das Gnessin-Institut in Moskau eine Kaderschmiede? So nahe steht sie dem Kreml
In Szenekreisen klassischer Musik gilt die Gnessin-Akademie durchaus als eine Art Kaderschmiede, wie neben T-Online auch weitere Medien übereinstimmend berichteten. Neben den Schlagzeilen um Studentin Kardash stand die Moskauer Musikhochschule vor zweieinhalb Jahren erneut im Fokus internationaler Medien. So berichtet die Rundfunkanstalt Deutsche Wellevon einem Fall, der sich am 7. März 2022 – dem zwölften Tag des Ukraine-Kriegs – in den Hallen der Moskauer Akademie zugetragen hat.
Als Studenten der renommierten Musikschule an diesem Tag zur Probe des Gnessin-Kammerorchesters erscheinen, werden sie von einem untypisch gekleideten Dirigenten und Schuldirektor Mikhail Khokhlov empfangen. Khoklov trug einen schwarzen Kapuzenpulover, auf dem in hellem Weiß markant folgendes abgebildet war: der Buchstabe „Z“, Symbol Putins „militärischer Sonderoperation“, wie der Krieg gegen die Ukraine in Russland von Beginn an genannt werden sollte.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten
Grund für Khoklovs Kleidungswahl an jenem Tag sei ein Video gewesen, das zur Unterstützung der russischen Kollegen gedreht werden sollte, die zum damaligen Zeitpunkt im Westen wegen ihrer russischen Staatsangehörigkeit ihre Anstellungen eingebüßt hatten. Es solle, so erklärte Khoklov den Jugendlichen, ein Video zur Unterstützung der russischen Kolleginnen und Kollegen gedreht werden, die jetzt im Westen aufgrund ihrer russischen Staatsangehörigkeit ihre Engagements verlieren. Auf den Notenständern stand der DW zufolge Beethovens Fünfte Symphonie, die auch als „Schicksalssymphonie“ bekannt ist. Nur eine Woche später erschien ein knapp siebenminütiges Video, das inzwischen jedoch nicht mehr online verfügbar ist. Der DW zufolge trug es den Titel „MuZikalisches Opfer“, erneut in Anspielung auf die Z-Symbolik.
Auch 2022 sorgte ein politischer Vorfall am Gnessin-Institut für reichlich Kritik
Roman Mints, Star-Violinist und Absolvent des Gnessin-Instotuts, kritisierte Khoklovs Engagement und den Videodreh als „entsetzliche Manipulation“, wie die DW berichtete. „Für mich ist dieser Fall leider signifikant: Unsere Schule ist gewissermaßen der russische Staat in Miniatur“, betonte Mints damals. Dem Bericht zufolge kritisierten auch Eltern der Studenten in Chatgruppen vehement, dass ihre Kinder in der Musikakademie offenbar für politische Zwecke instrumentalisiert worden waren.
Für den AfD-Bundestagsabgeordneten und gelernten Cellisten Moosdorf scheinen vergangene politische Bestrebungen der Gnessin-Akademie kein Hindernis für seine aktuelle Honorarprofessur zu sein. „Eine politische Ausrichtung der Gnessin-Akademie kann ich nicht erkennen“, betonte Moosdorf laut T-Online. Darüber hinaus stellte er fest: „Sie interessiert mich auch nicht.“ Seine Tätigkeit als Lehrender gelte „ausschließlich der Musik als weltweiter Sprache der Versöhnung und Verständigung“. (fh)