Studie enthüllt

„Wie in der Sowjetunion“: Einblick in Putins brutales System

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Wladimir Putin herrscht in Russland mit eiserner Hand. Das zeigt nun eine investigative Studie. Es werden erschreckende Parallelen zur Sowjetunion deutlich.

Moskau – Die Wahlen in Russland scheinen ihre Schatten vorauszuwerfen. Wladimir Putin erweckt den Eindruck, aktuell mit noch härterer Hand gegen seine Gegner vorzugehen. Für internationales Aufsehen sorgte vor allem der Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny. Seine Familie wirft Putin Mord vor.

Im Anschluss ging der russische Machtapparat offen gegen Anhänger Nawalnys vor. Mehr als 150 Menschen wurden laut afp-Angaben wegen öffentlicher Trauerbekundungen zu kurzen Haftstrafen verurteilt. Einige davon sollen als Strafe sogar an die Ukraine-Front geschickt worden sein. Und auch die Mutter von Nawalny berichtet von „Erpressung“. So hätten die Behörden sie dazu gedrängt, ihren Sohn schnell und unauffällig zu bestatten.

Putins brutales System in Russland: Studie zeigt „Ausmaß der Repressionen“

Doch auch wenn der Fall Nawalny aktuell sicherlich für großes Aufsehen sorgt: Ein Einzelfall scheint es nicht zu sein. Auch die Ermordung eines russischen Überläufers im Exil am Mittelmeer – laut Geheimdienstinformationen durch russische Hand – stellt eine neue Qualität der Repression dar. Fast zeitgleich stirbt ein Kreml-kritischer bekannter Militär-Blogger auf mysteriöse Weise. Es scheint, kurz vor der Wahl will Wladimir Putin kein Risiko mehr eingehen. Nach Meinung des Soziologen Maxim Aljukow vom King‘s College in London könnte auch Nawalnys Tod eine Botschaft an alle Gegner in Russland darstellen: „Widerstand ist zwecklos“, so der Wissenschaftler gegenüber dem Business Insider.

Russlands Polizei verhaftet trauernde Nawalny-Anhänger, nachdem sie an einem Denkmal für Opfer politischer Repression zu Ehren des russischen Oppositionsführers Alexei Nawalny Blumen niedergelegt hatten.

Es stellt sich in dieser Lage die Frage: Warum finden in Russland keine großen Proteste gegen das System Putin statt? Dieser Frage ist das Kreml-kritische Investigativ-Team Proekt nachgegangen. In der Daten-Analyse kamen sie dabei auf erschreckende Ergebnisse. Eine Antwort auf die Frage nach fehlenden Protesten ist demnach das „Ausmaß der Repressionen, die die Behörden“ in Russland durchführen.

Russland unter Putins strenger Hand: Zahlen zeigen Unterdrückung

Die Journalisten untersuchten Straf- und Verwaltungsfälle in den Jahren 2018 bis 2023 in Russland. Das entspricht der Zeit von Putins vierter Amtszeit im Kreml. Selbst nach „konservativster Schätzung“ seien in diesem Zeitraum mindestens 116.000 Menschen in irgendeiner Form Verfolgung ausgesetzt gewesen. Tausende Personen seien aufgrund der von Menschenrechtsaktivisten als repressiv erachteten Tatbestände strafrechtlich verfolgt worden. Dazu zählt man etwa Extremismus, Rechtfertigung des Terrorismus, Verbreitung wissentlich falscher Informationen, Diskreditierung der Armee. Nimmt man Personen hinzu, die sich weigerten, in der Ukraine zu kämpfen sowie die, denen Staatsverrat, Spionage und ähnliches vorgeworfen wird, komme man auf deutlich mehr Unterdrückte, so der Bericht. 11.400 Personen wurden angeklagt, bei 105.000 Menschen wurden Bußgelder verhängt. Dabei ist diese Zahl den Angaben nach sicher nicht erschöpfend.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Am 24. Februar 2022 befahl Wladimir Putin den Angriff russischer Truppen auf die Ukraine. Setdem ist er nicht nur Präsident Russlands, sondern Kriegsherr – auch wenn in Russland der Ukraine-Krieg nach offizieller Lesart nur eine militärische „Spezialoperation“ genannt wird. © Mikhail Klimentyev/Imago
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
Von 1975 bis 1982 war der am 7. Oktober 1952 geborene Putin KGB-Offizier, von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau. Ab 1985 war er in der DDR tätig, hauptsächlich in Dresden. Danach ging es wieder zurück nach St. Petersburg. Vom 25. Juli 1998 bis August 1999 war Putin Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB. In dieser Eigenschaft traf er sich im November 1998 mit Flottenchef Wladmir Kurojedow (rechts). © Stringer/dpa
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Jahr 1992 im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er von einem der Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt ernannt. Sein politischer Aufstieg nahm Formen an. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister der Stadt St. Petersburg im Jahr 1994 wurde Wladimir Putin in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach, in dem er sich einen Schwarzen Gurt verdiente. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Wladimir Putin mit Boris Jelzin im Kreml.
Im Jahr 1999 übernahm Putin zum ersten Mal das Amt des Ministerpräsidenten – mit Option auf die Nachfolge von Präsident Boris Jelzin (links). Als Jelzin am 31. Dezember 1999 sein Amt niederlegte, übernahm Putin kommissarisch auch die Amtsgeschäfte des Präsidenten. Im Mai 2000 wurde Putin dann regulär zum Präsidenten Russlands gewählt. © dpa
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Wladimir Putin erstmals zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. Die Beiden sollte im weiteren Verlauf eine innige Freundschaft verbinden, die auch über Schröders politische Karriere hinaus Bestand hatte. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Am 7. Mai 2000 legte Putin seinen Amtseid ab.
Am 7. Mai 2000 legte Putin unter den Augen von Boris Jelzin seinen Amtseid ab. Mit einer Ausnahme einer Zeit als Regierungschef von 2008 bis 2012 hat Putin seither das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation inne.  © Imago
Wladimir Putin und Bill Clinton bei der Unterzeichnung eines Vertrages in New York.
Im September 2000 führte Putin der Weg in die USA. Bill Clinton (rechts) war der erste US-Präsident, mit dem er es in den kommenden Jahren zu tun bekam. in seiner Mit dem damals noch amtierenden US-Präsidenten B © Imago
Mit einer Umarmung begrüßen sich Gerhard Schröder und Wladmir Putin im Foyer des Taschenbergpalais in Dresden.
Als Russlands Präsident reiste Putin im September 2001 zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Deutschland. Im Foyer des Taschenbergpalais in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begrüßte ihn auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (links). Die beiden verstanden sich offensichtlich schon damals ausnehmend gut. Die Freundschaft hat auch heute noch Bestand. © Jan-Peter Kasper/dpa
Der schwarze Labrador von Wladimir Putin läuft beim Treffen seines Herrchens mit Angela Merkel durchs Zimmer.
Putin spielt gerne psychologische Spielchen – so auch 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Treffen in Sotschi am Schwarzen Meer ließ Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz eine Labradorhündin ohne Leine herumlaufen. Merkel, einst in ihrer Jugend von einem Hund gebissen worden, fühlte sich sichtlich unwohl.  © Dmitry Astakhov/dpa
George Bush und Wladimir Putin spazieren auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei.
George W. Bush (rechts) war der zweite US-Präsident, mit dem es Putin zu tun bekam. Im April 2008 trafen sich beiden Staatschefs auf dem Gelände von Putins Sommerresidenz Bocharov Ruchei. © Imago
Wladimir Putin neuer russischer Regierungschef.
Am 7. Mai 2008 löste Dmitri Medwedew nach zwei Amtszeiten Putin im Amt des russischen Präsidenten ab. Einen Tag danach wählte die Duma Putin auf Vorschlag des neuen Präsidenten zum neuen Regierungschef. Putin blieb auch in dieser Position der starke Mann. © dpa
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Wladimir Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos pflegte Putin sein Macho-Image. Er wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. Das gilt für Reiten wie offenbar auch fürs Angeln. © Aleksey Nikolskyi/Imago
Putin und Obama stoßen miteinander an.
Am 7. Mai 2012 wurde Putin erneut zum Präsidenten gewählt. Sein Verhältnis zu US-Präsident Barack Obama war von Distanz geprägt. Das war auch im September 2015 bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen in New York der Fall.  © Amanda Voisard/dpa
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam.
Als Donald Trump die US-Wahl 2016 gegen Hillary Clinton gewann, hatte Russland wohl seine Hände mit im Spiel. Putin hatte sicher seinen Grund. Mit Donald Trump kam er jedenfalls gut zurecht. Im November 2017 begrüßten sie sich Familienfoto im Rahmen des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Da Nang (Vietnam) herzlich.  © Mikhail Klimentyev/dpa
Der chinesische Präsident Xi Jinping (r) und der russische Präsident Wladimir Putin (l) geben sich am 04.07.2017 im Kreml in Moskau (Russland) bei einem Gespräch die Hände
Unter Putin sind sich Russland und China zuletzt immer nähergekommen. Ein wichtiger Termin war der 4. Juli 2017, als der chinesische Präsident Xi Jiping im Kreml in Moskau zu Besuch war. Damals wurden mehrere Verträge und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin und Olaf Scholz am Tisch im Kreml.
So pflegt Putin inzwischen seine Gäste zu empfangen – vor allem die aus dem Westen. Am 15. Februar 2022 reiste Kanzler Olaf Scholz nach Moskau. Damals hatte der Ukraine-Krieg noch nicht begonnen. Putin ließ sich von Scholz aber nicht beeindrucken. © Kremlin Pool/Imago
Wladimir Putin im Kreml.
Putin forcierte in seiner dritten Amtszeit die kriegerischen Auseinandersetzungen. Seit dem 21. März 2014 betrachtet Russland die Krim als Teil des eigenen Staatsgebiets, seit September 2015 unterstützt die russische Luftwaffe im Militäreinsatz in Syrien den syrischen Präsidenten Assad im dortigen Bürgerkrieg.  © Sergei Ilnitsky/dpa
Wladimir Putin (links) und Joe Biden schütteln sich bei ihrem Treffen in der „Villa la Grange“ die Hand.
Anlässlich der Genfer Gipfelkonferenz traf sich Putin am 16. Juni 2021 mit US-Präsident Joe Biden zu einem Gespräch. Schon damals waren die russischen Truppenaufmärsche an der Grenze zur Ukraine ein Thema. © Denis Balibouse/dpa
Wladimir Putin lacht
Genutzt hat das Gipfelgespräch wenig. Am 24. Februar 2022 begann mit dem Einmarsch der russischen Truppen ins Nachbarland der Ukraine-Krieg. Putin wusste es wohl schon in Genf.  © Denis Balibouse/dpa
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago

Putins Zwangsstaat Russland: „Wie in der Sowjetunion“

Was dies bedeutet, wird erst durch einen Vergleich mit Sowjetzeiten deutlich. Laut Proekt sind die Zahlen zu Verurteilungen höher, als die Fälle von Verfolgung zu Zeiten der UdSSR in jeweils gewählten Vergleichszeiträumen in der Post-Stalin-Ära. Damals wurden Menschen etwa wegen „antisowjetischer Hetze und Propaganda“ verfolgt. Dabei weist das Investigativ-Team darauf hin, dass in der Sowjetzeit viele Menschen einer „Prophylaxe“ unterzogen wurden. Sie also gewarnt wurden, ohne direkt angeklagt zu werden. In der Zeit zwischen 1967 und 1974 seien 120.000 Menschen davon betroffen gewesen. Nimmt man die oben genannten Zahlen aus den letzten sechs Jahren unter Wladimir Putin, schlussfolgern die Journalisten, dass die heutigen Zahlen mit denen der Sowjetunion zumindest vergleichbar seien.

Das Fazit der Studie, über die auch die Moscow Times berichtet: „Die moderne russische Regierung wendet aktiv ähnliche Methoden an (...). Wie in der Sowjetunion werden Andersdenkende von Universitäten und von der Arbeit entlassen, aus dem Land gezwungen, und diejenigen, die nicht gehen wollen, werden gezwungen, sich öffentlich zu entschuldigen und Treue an die Behörden zu schwören“. (rist)

Rubriklistenbild: © Collage: IMAGO / SOPA-Bilder // dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Dmitry Azarov

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