Bodenoffensive erfolgreich?

Ex-Premier Ehud Barak über Krieg in Israel: „Es könnte sehr grausam werden“

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Israelische Soldaten auf Wache an einem Punkt, wo der Zaun des Kibbutz Be’eri von der Hamas durchbrochen wurde.
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Ehud Barak, Ex-Ministerpräsident und Armee-Veteran, spricht im Interview über die Schwierigkeiten der Geiselbefreiung durch Israel und kritisiert Netanjahu.

Herr Barak, Israel steht vor einem Dilemma: Die Armee hat das Ziel, die Terrorinfrastruktur der Hamas zu zerstören, muss aber zugleich die rund 200 Geiseln schützen, die von der Hamas im Gazastreifen festgehalten werden. Wie kann das klappen?

Es ist extrem heikel. Die Frage der Geiseln ist weit oben auf der Agenda des Kriegskabinetts, und es gibt spezielle Beauftragte dafür, mit viel Erfahrung im Mossad. Es wird intensiv daran gearbeitet, auch in Abstimmung mit vielen Staaten. Es ist eine extrem komplizierte, sensible Angelegenheit.

Was macht es so kompliziert?

Die Entscheidungen werden in Gaza von den militärischen Anführern der Hamas getroffen, nicht vom politischen Flügel. Die Militärs befinden sich aber überwiegend im Untergrund, sie sind auf verschiedene Tunnels verteilt. Ihr Kontakt zueinander ist gestört, ihr Kontakt zur Außenwelt unterbrochen. Das macht es schwierig, da heranzukommen.

Welchen Plan könnte die Hamas für die Geiseln haben?

Ich vermute, dass die Hamas einen gewissen Anreiz hat, die allermeisten Geiseln mit nicht-israelischen Pässen freizulassen.

Hamas trägt den „Stempel einer IS-ähnlichen Organisation“

Warum?

Damit sie den Stempel einer IS-ähnlichen Organisation („Islamischer Staat“) loswird, den sie ja seit den barbarischen Massakern trägt. Das Image schadet ihr in der Welt. Sie könnte versuchen, das abzuschwächen, indem sie die Ausländer freilässt. Allerdings hat sie dann immer noch genügend israelische Geiseln, um ein dramatisches Ende herbeizuführen.

Den Ruf, wie der IS zu operieren, hat sich die Hamas ja selbst zuzuschreiben, indem sie ihre Massaker gefilmt und ins Netz gestellt hat. Warum sollte sie sich jetzt plötzlich davon distanzieren wollen?

Die Hamas-Leute haben gegenläufige Tendenzen. Sie wollten die Welt und Israel terrorisieren, indem sie die Bilder ihrer Bodycams auf Tik-Tok und anderen Kanälen veröffentlichten. Als sie aber bemerkten, wie sich die ganze Welt hinter Israel stellte und Israel entschlossen war, erhebliche Schritte zu ergreifen, spürten sie vielleicht einen gewissen Druck. Ich weiß das nicht mit Sicherheit, aber das scheint mir ihre Logik zu sein.

Angenommen, die Hamas lässt tatsächlich alle ausländischen Geiseln frei und behält die Israelis: Macht es das für die israelische Armee leichter, an die übrigen Geiseln heranzukommen?

Nein, das macht es sogar komplexer. Solange es Geiseln aus der ganzen Welt gibt, könnte die Hamas vorsichtiger agieren. Sobald es nur noch israelische Bürger sind, könnte das Ganze sehr grausam und unvorhersehbar werden.

Schwieriges Dilemma: Israel kann nicht zugleich die Sicherheit der Geiseln garantieren und die Hamas vernichten

Israel kann nicht zugleich die Sicherheit der Geiseln garantieren und die Hamas vernichten. Teilen Sie den Eindruck, dass die Priorität in diesem Einsatz beim Schlag gegen die Hamas liegt, weil – zynisch zugespitzt – die Zukunft von neun Millionen Israelis schwerer wiegt als das Überleben von 200 Geiseln?

Das ist ein sehr heikles Thema. Ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, die Lösung dieses Dilemmas öffentlich zu debattieren. Ich weiß, es gibt die Versuchung, mich danach zu fragen, weil ich bei dieser und jener Geiselbefreiungsmission dabei war (als Offizier der Eliteeinheit Sayeret Matkal, Anm.d.Red.). Es ist aber nicht klug, das medienöffentlich zu besprechen.

Wenn wir aber an die Bodenoffensive denken: Angenommen, die Armee zielt auf einen Hamas-Stützpunkt und erhält dann Hinweise, dass sich dort Geiseln befinden: Soll die Armee trotzdem angreifen oder lieber davon absehen, um die Geiseln befreien – und damit zu riskieren, dass der Krieg noch länger dauert und viele Tote mehr fordert?

Sie versuchen mir dieselbe Frage auf andere Weise zu stellen (lacht). Ich will in diese Details nicht eintauchen, und ich glaube auch nicht, dass jemand anders, der etwas davon versteht, es tun würde. Es wäre dumm, diese Details öffentlich zu diskutieren und auf diese Weise mit der Hamas zu teilen.

Der frühere Premierminister Ehud Barak.

„Es kann sich aber keine Nation der Welt leisten, neben einer IS-ähnlichen Organisation zu existieren“

Dann sprechen wir darüber, wie es weitergeht: Wie kann es gelingen, die Hamas militärisch in die Knie zu zwingen?

Was wir am 7. Oktober erlebten, war für uns der schwerste Schlag in der Geschichte des Staates Israel. Nie gab es sowas zuvor. Stellen Sie sich vor, Sie erleben das innerhalb Ihrer Staatsgrenzen, dass Tausende Bürger ihr Leben verlieren und mehrere Hundert verschleppt werden. Es ist auch deshalb ein Schock, weil es die Daseinsberechtigung Israels erschüttert, das ja gegründet wurde, damit die Juden der Welt hier in Sicherheit leben können. Es kann sich aber keine Nation der Welt leisten, neben einer IS-ähnlichen Organisation zu existieren. Wir müssen sie also demontieren.

Wie lange wird es dauern, bis die Hamas überwältigt ist?

Wir wären froh, wenn wir alle militärischen Kapazitäten der Hamas von der Luft aus auslöschen könnten, aber das ist unmöglich. Wir brauchen Soldaten auf dem Boden, vermutlich sehr viele. Sie werden von Haus zu Haus gehen, und es gibt viele Häuser in Gaza. Sie werden jeden Raketenstützpunkt, jedes Geschütz vernichten und die Täter, die an diesem Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt waren, aus dem Verkehr ziehen. Das wird wohl mindestens zwei Wochen dauern. Danach brauchen wir wohl noch weitere zwei bis drei Monate, um Gaza endgültig von der Hamas zu befreien. Wir stehen da aber vor mehreren Einschränkungen.

Die große Zahl der Geiseln ist eine dieser Einschränkungen?

Ja. Eine zweite Einschränkung ist, dass wir möglichst verhindern wollen, dass sich der Konflikt auf die Region ausbreitet.

Kann das denn noch verhindert werden? Schon jetzt brennt es an der Grenze zum Libanon.

Zur Person

Ehud Barak (81) wurde im Kibbutz geboren. Er diente 35 Jahre lang in Israels Streitkräften. Er war an unzähligen Anti-Terror-Einsätzen maßgeblich beteiligt. Er stieg bis zum Armeechef auf.

Von 1999 bis 2001 war er Ministerpräsident und von 2007 bis 2013 Verteidigungsminister. Er hat Mathematik studiert, liest gerne Goethe und spielt klassisches Klavier. mst

Ich würde der Hisbollah nicht empfehlen, hier einzusteigen, sie würde einen hohen Preis bezahlen. Wir sind stark genug, das zu stemmen. Ich muss betonen: Der Staat Israel ist nicht in seiner Existenz bedroht. Wir werden tun, was zu tun ist, aber selbst, wenn es in einen regionalen Krieg ausartet, ist Israel stark genug, das zu gewinnen. Es wird viel Schweiß und Blut und Tränen kosten, und auch viel Zeit, aber wir werden gewinnen. Trotz allem: Ja, es schränkt uns ein.

„Wir fühlen uns ja, anders als die Hamas, dem Völkerrecht verpflichtet“

Israel hat derzeit starke Bündnispartner. Befürchten Sie, dass dieser Rückhalt schwächer wird, je länger der Krieg andauert?

Der Faktor Zeit spielt hier eine große Rolle. Wir fühlen uns ja, anders als die Hamas, dem Völkerrecht verpflichtet. Das heißt, wir können nicht einfach ein Ziel angreifen, ohne sichergestellt zu haben, dass es ein militärisches Ziel ist – dass also Hamas dort aktiv ist, von dort aus steuert oder sich dort befindet. Wenn wir das abgeklärt haben, warnen wir die Leute, die sich dort aufhalten. Wir tun das seit dem ersten Kriegstag. Trotz allem lässt sich nicht vermeiden, dass es Kollateralschäden gibt, und es ist immer schmerzhaft, wenn unschuldige Menschen sterben. Wir werden aber niemals absichtlich ein Krankenhaus oder eine Schule bombardieren. Zugleich wissen wir, dass die Hamas ganz bewusst ihre Raketenrampen neben Schulen und Kliniken platziert. Das Hauptkommando in Gaza ist wo? In einem Bunker unter dem größten Krankenhaus. Israel hat starke Partner – aber je länger der Krieg dauert, desto mehr wird die Unterstützung erodieren. Das müssen wir mitbedenken.

Die Oppositionspartei unter Benny Gantz ist der Regierung Netanjahu beigetreten. War das eine gute Entscheidung?

Es war ein wichtiger Schritt, um mehr Nüchternheit in die Entscheidungsfindung zu bringen. Wir haben jetzt im Kabinett zwei Generalstabschefs, darunter einen ehemaligen Verteidigungsminister, und die genießen viel Vertrauen in der Bevölkerung. Die Menschen können sich darauf verlassen, dass sie die Lage richtig einschätzen.

Wie konnte der Überfall am 7. Oktober denn passieren – war es ein politisches oder ein militärisches Versagen?

Beides. Es war ein Versagen der Geheimdienste, der Einsatzkoordination, der Armeeführung, aber auch der Politik. Der Ministerpräsident war mehrmals gewarnt worden, dass unsere Sicherheit gefährdet ist. Im März verlangte der Verteidigungsminister dringend, das Sicherheitskabinett einzuberufen. Netanjahu hätte das sofort tun sollen. Stattdessen griff er zum Telefon und feuerte den Minister. Im Juli, als der erste Teil des Justizcoups ins Parlament kam, verlangten mehrere Generäle von ihm erneut, schriftlich und mündlich, dass er das Sicherheitskabinett einberuft. Netanjahu hat es verweigert. Er hat die Armee ganz bewusst daran gehindert, die Regierung über die Sicherheitsfolgen seiner Politik aufzuklären. Weil er fürchtete, das Gesetz würde dann keine Mehrheit bekommen. Er brauchte aber dieses Gesetz, um sich vor seinem Strafprozess zu retten.

Soll Netanjahu zurücktreten?

Jetzt sollten wir uns auf den Krieg fokussieren. Die politischen Konsequenzen diskutieren wir später.

Wenn es gelingt, Gaza aus den Händen der Hamas zu befreien: Was kommt danach?

Wir müssen überlegen, an wen wir die Fackel weiterreichen. Wir haben nicht vor, dort zehn Jahre lang zu bleiben, also brauchen wir einen Ansprechpartner. Vorzugsweise wäre das ein Bündnis mehrerer arabischer Staaten, das drei bis sechs Monate lang die Übergabe an die einzige international anerkannte Vertretung der Palästinenser organisiert – also an die Palästinenserbehörde. So war es ja auch ursprünglich gedacht; dann putschte sich aber vor 16 Jahren die Hamas in Gaza an die Macht.

„Die Welt würde ohne Hamas besser aussehen, aber das liegt jenseits unseres Einflusses“

Sind Sie zuversichtlich, dass das gelingen wird? Palästinenserpräsident Machmud Abbas ist selbst nicht demokratisch legitimiert und höchst umstritten.

Ich bin mir nicht sicher, dass die Arabischen Staaten und die Palästinenser dazu bereit sind, und keinesfalls können wir es ihnen auferlegen.

Angenommen, ich hätte Sie vor einem halben Jahr gefragt, ob die Hamas-Führung in Gaza militärisch beseitigt werden soll: Hätten Sie Ja gesagt?

Ich glaube, in einer Art von Wunschdenken hätte ich gesagt: Die Welt würde ohne Hamas besser aussehen, aber das liegt jenseits unseres Einflusses. Die Frage war immer: Sollen wir es aus dem Nichts heraus initiieren und eine militärische Operation beginnen, um die Hamas zu eliminieren? Ich hätte gesagt: Ja, aber nur, wenn wir jemanden haben, dem wir den Gazastreifen danach übergeben können. Denn es ist kostspielig, es kostet Zeit, es kostet Menschenleben, und Israel braucht einen legitimen Grund, um so etwas zu starten. Ich hoffte immer, es würde nicht so ein tragischer Grund sein wie das, was am Samstag, den 7. Oktober, passiert ist. Schließlich hätten wir schon zuvor mehrere Gelegenheiten gehabt.

Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern 

Vor 60. Gründungstag von Israel
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied 1947 über die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen jüdischen und einen arabischen. Im Teilungsplan wurde auch festgelegt, dass die Briten ihr Mandat für Palästina bis August 1948 niederlegen. Großbritannien hatte nach dem Ersten Weltkrieg das Gebiet besetzt und war 1922 offiziell mit dem Mandat über Palästina beauftragt worden. Am 14. Mai 1948 wurde auf Grundlage des UN-Beschlusses der jüdische Staat gegründet. © dpa
Proklamation des Staates Israel
Nach der Unterzeichnung der Proklamationsurkunde am 14. Mai 1948 im Stadtmuseum von Tel Aviv hält eine nicht identifizierte Person das Schriftstück mit den Unterschriften in die Höhe. Links ist David Ben Gurion zu sehen, der erste Ministerpräsident Israels. © dpa
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Ein historisches Datum für den Staat Israel. Doch die arabischen Staaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Irak erkannten die Gründung nicht an und überschritten nur einen Tag später mit ihren Armeen die Grenzen. So begann der Palästina-Krieg, der im Januar 1949 mit dem Sieg Israels endete. Das Foto zeigt israelische Mitglieder der paramilitärischen Organisation Haganah im August 1948.  © AFP
Operation Yoav
Die israelische Armee konnte während des Krieges 40 Prozent des Gebiets erobern, das eigentlich laut dem ursprünglichen UN-Plan zur Teilung für die arabische Bevölkerung vorgesehen war. So wurde auch der westliche Teil von Jerusalem von Israel besetzt.  © Imago
Waffenstillstand Israel Palästina 1949
Die Vereinten Nationen vermittelten zwischen Israel und Ägypten, und so kam es zwischen den beiden Ländern am 24. Februar 1949 zu einem Waffenstillstandsvertrag. Andere arabische Kriegsgegner folgten mit Waffenstillständen bis Juli 1949. Laut Schätzungen starben bei dem Krieg, den die arabischen Länder gestartet hatten, mehr als 6000 Israelis und 6000 Araber.  © ACME Newspictures/afp
Arafat. Geschichte des Krieges in Israel
Jassir Arafat gründete 1959 die Fatah, eine Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Laut ihrer Verfassung war ihr Ziel, auch mit terroristischen Mitteln die Israelis aus Palästina zu vertreiben und Jerusalem als Hauptstadt zu installieren. Ebenfalls als Ziel rief die Fatah die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ aus.  © PPO/afp
Arafat
1993 erkannte die Fatah mit ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels im Osloer-Friedensprozess an, und wollte den Terror als Waffe nicht mehr nutzen. Allerdings gab es immer wieder Bombenattentate in Israel. 2011 suchte Arafat den Schulterschluss mit der Hamas. Gemeinsam planten sie, eine Übergangsregierung zu bilden, was bis heute nicht umgesetzt wurde. Innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist die Fatah die stärkste Fraktion. © Aleksander Nordahl/Imago
1974 Arafat vor UN
Im Oktober 1974 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die PLO als Befreiungsbewegung an. Daraufhin wurde Arafat als Vertreter eingeladen. Am 13. November 1974 eröffnete Arafat die Debatte in der Vollversammlung. Er beendete die Rede mit dem Satz: „Ich bin mit einem Olivenzweig in der einen und dem Gewehr des Revolutionärs in der anderen Hand hierhergekommen. Lasst nicht zu, dass der grüne Zweig aus meiner Hand fällt!“ © dpa
Kampfflugzeug im Sechs-Tage Krieg
Vom 5. Juni bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite statt. Auslöser war die ägyptische Blockade der Seestraße von Tiran für die Israelis, die so abgeschnitten waren. Außerdem hatte der ägyptische Präsident den Abzug der Blauhelme erzwungen, die die nördliche Grenze Israels sicherten. Als Drohung schickte Ägypten dann 1000 Panzer und 100.000 Soldaten an die Grenzen zu Israel. Als Reaktion auf die Bedrohung flogen die Israelis einen Präventiv-Schlag. Auf dem Foto sieht man ein ägyptisches Kampfflugzeug. Während des Krieges konnte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem erlangen. Weil Israel seine Angreifer besiegen konnte, machte der Staat am 19. Juni 1967, neun Tage nach seinem Sieg, Ägypten und Syrien ein Friedensangebot. Darin enthalten die Aufforderung, Israel als Staat anzuerkennen. © AP/dpa
Arabisch-israelischer Krieg
Am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, startete eine arabische Militärkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens einen Überraschungsangriff, gleichzeitig auf die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. Nach anfänglichem Erfolg der arabischen Kriegsparteien gelang es Israel, sich zu behaupten. Erst mit dem Friedensvertrag sechs Jahre später am 26. März 1979, normalisierten sich die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Ägypten war der erste arabische Staat, der das Existenzrecht Israels anerkannte. © afp
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten, Jimmy Carter schüttelt dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat die Hand.
Das Friedensabkommen vom 26. März. 1979 war ein wichtiger Meilenstein. US-Präsident Jimmy Carter gratulierte damals dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin vor dem Weißen Haus. Nach den Camp-David-Verhandlungen unterzeichneten sie den Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern dort. © Consolidated News Pictures/afp
Beschuss im Libanonkrieg
1982 begann mit dem Libanonkrieg der erste große israelisch-arabische Konflikt, der von Israel gestartet wurde. Die Kriegsparteien waren die israelische Armee und verbündete Milizen auf der einen, die PLO und Syrien auf der anderen Seite. Israel besetzte im Rahmen des Krieges zwischen 1982 und 1985 den Süden Libanons. Später richtete Israel daraufhin dort eine „Sicherheitszone“ ein, die aber Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf nordisraelische Städte nicht verhindern konnte. Am 25. Mai 2000 zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab.  © Dominique Faget/afp
Soldaten und Kinder bei der Intifada 1987
Am 8. Dezember 1987 brach im Westjordanland und im Gazastreifen ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung aus. Diesen Aufstand nennt man Intifada. Auf dem Foto ist zu sehen, wie israelische Soldaten Kinder anweisen, das Gebiet zu verlassen, als Hunderte von Demonstranten Steine und Flaschen schleudern.  © Esaias Baitel/afp
Hamas-Kundgebung im Gaza-Streifen
Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die ihre Zentrale in Tunis hatte, wollte einen eigenen palästinensischen Staat ausrufen, hatte aber keine Kontrolle über die entsprechenden Gebiete. Im Zuge dessen kam es zu einem Gewaltausbruch, der erst 1991 abnahm. 1993 wurde schließlich mit dem Osloer Abkommen die erste Intifada beendet. © Ali Ali/dpa
Der PLO-Führer Yasser Arafat und der israelischen Premierminister Yitzahk Rabin schütteln sich 1993 die Hände.
Nach Jahrzehnten von Gewalt und Konflikten unterschrieben am 13. September 1993 Israels Außenminister Shimon Peres und Mahmoud Abbas, Verhandlungsführer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), unter Aufsicht der russischen und amerikanischen Außenminister die „Osloer Verträge“. Das Foto des Händedrucks zwischen Palästinenservertreter Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton wurde weltberühmt. © J. David Ake/afp
Yasir Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin erhalten den Friedensnobelpreis
Nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge bekamen Jassir Arafat, Schimon Peres und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis für 1994. Hier die Preisträger zusammen mit ihrer Medaille und ihrem Diplom im Osloer Rathaus. Die Friedensverträge wurden damals als wichtiger Startpunkt für Frieden in der Region gesehen. © Aleksander Nordahl/Imago
Bill Clinton, König Hussein und Rabin bei der Friedenssitzung
1994 folgten Friedensverhandlungen zwischen Jordanien und Israel 1994 im Weißen Haus. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der jordanische König Hussein und der israelische Premierminister Yitzahk Rabin bei der Friedenssitzung sich die Hände schütteln. © Imago/ ZUMA Press
Sarg von Yitzhak Rabin, Geschichte des Kriegs in Israel
Mit der Hoffnung auf Frieden in der Region wurde der Hass von israelischen Extremisten größer. Diese wollten Abkommen mit den arabischen Staaten und der PLO nicht akzeptieren. So wurde Yitzhak Rabin zur Zielscheibe und wurde 1995 im Anschluss an eine große Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden ermordet. Das Foto zeigt den Sarg des Premierministers in Jerusalem bei seiner Beerdigung.  © Jim Hollander/dpa
Junge schießt mit Katapult bei der zweiten Intifada, Geschichte des Krieges in Israel
Obwohl es in den 1990er Jahren mit den Osloer Verträgen große Hoffnung auf Frieden gab, hatte sich die Situation nach der Ermordung von Yitzhak Rabin massiv aufgeheizt. 2000 kam es zur zweiten Intifada, dem gewaltvollen Aufstand der Palästinenser mit Straßenschlachten. Die zweite Intifada dauerte bis 2005. © Imago/UPI Photo
Israelische Soldaten 2006, Geschichte des Krieges in Israel
2006 kam es wieder zwischen Israel und dem Libanon zum Krieg. Die Auseinandersetzung wird auch 33-Tage-Krieg oder zweiter Libanon-Krieg genannt, weil sie nach gut einem Monat am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand endete. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg im Jahr 2006. Eine israelische Artillerieeinheit hatte soeben an der libanesisch-israelischen Grenze in den Libanon gefeuert. Fast 10.000 israelische Soldaten kämpften in der Nähe von etwa einem Dutzend Dörfern im Südlibanon gegen Hisbollah-Kämpfer.  © Menahem Kahana/afp
Israelisches Militär feuert auf Ziele im Libanon
Auslöser des Libanon-Kriegs waren anhaltende Konflikte zwischen der Terrororganisation Hisbollah und der israelischen Armee. Um die Angriffe zu stoppen, bombardierte die israelische Luftwaffe die Miliz aus der Luft und verhängte eine Seeblockade. Die Hisbollah antwortete mit Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Später schickte Israel auch Bodentruppen in den Süden von Libanon.  © Atef Safadi/dpa
Angriff im Süden von Beirut
Die libanesische Regierung verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte internationale Friedenstruppen, um den Konflikt zu beenden. Am 14. August 2006 stimmten schließlich nach einer UN-Resolution die Konfliktparteien einem Waffenstillstand zu. Sowohl die Hisbollah als auch Israel sahen sich als Sieger.  © Wael Hamzeh/dpa
Krieg in Israel
2014 startete die israelische Armee (IDF) mit der Operation Protective Edge am 8. Juli eine Militäroperation, weil die Hamas aus dem Gazastreifen immer wieder Israel beschoss. Ab dem 26. Juli 2014 folgte eine unbefristete Waffenruhe, die kanpp neun jahre währte.  © Abir Sultan/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel mit Raketenbeschuss und Bodeninfiltrationen aus dem Gazastreifen, was zu schweren Verlusten und der Entführung zahlreicher Geiseln führte. Hier ist eine Gesamtansicht der zerstörten Polizeistation in Sderot nach den Angriffen der Hamas-Terroristen zu sehen.  © Ilia Yefimovich/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Minderjährige. © Ilia Yefimovich/dpa

Woran ist es gescheitert?

Ich war vor 15 Jahren Verteidigungsminister in der Regierung Ehud Olmert, und wir hatten wieder einen dieser Clashes mit Hamas, die sich mindestens alle zwei Jahre ereignen. Ich bemühte mich damals um eine Lösung. Ich ging zum Chef des ägyptischen Geheimdienstes und fragte ihn: Warum treffen wir nicht ein Übereinkommen, dass wir uns nach einer neuen Gaza-Offensive aus Gaza zurückziehen, dass ihr den Gazastreifen in einem multiarabischen Bündnis übernehmt und dann an die Palästinenser übergebt? Und er sagte nein, das machen wir nicht, ich habe Angst vor Mubarak (der damalige ägyptischer Präsident, Anm.d.Red.). Also ging ich zu Mubarak, den ich schon lange kannte, und versuchte es mit ihm zu diskutieren, aber er sagte: Nein, ihr habt den Gazastreifen 1967 erobert, jetzt gehört er euch, nicht uns – ich will meine Finger dort nicht im Spiel haben. Also ging ich zu Mahmud Abbas. Und er sagte: Ich kann es mir nicht leisten, über Israels Vermittlung die Macht im Gazastreifen zu bekommen. Das war vor nun 15 Jahren und das war der Grund, warum wir in Gaza nicht auf eine volle Zerstörung der Hamas setzten.

Heute ist vieles anders.

Ja. Damals war es relativ neu, wir waren ja erst zwei Jahre zuvor aus dem Gazastreifen abgezogen, hatten sogar Synagogen und Friedhöfe von dort zurück nach Israel transferiert. Ich weiß nicht, ob es jetzt genauso sein wird, schließlich haben wir jetzt das Abraham-Übereinkommen und sind auf einem neuen Kurs mit Saudi-Arabien. Die Lage ist jetzt also anders, vielleicht könnte daraus etwas entstehen. Wir sollten jedenfalls nicht so tun, als wären wir Israelis die Wortführer, die das von den arabischen Staaten verlangen können. Das muss von ihnen selbst kommen – und über den Einfluss Europas und Amerikas.

Israel sollte den Gazastreifen also nicht wieder besetzen?

Wir müssen ihn zwar erst einmal einnehmen, um die Wurzeln der Hamas auszureißen. Aber ich glaube, nicht einmal Netanjahus Regierung denkt, dass wir dort für längere Zeit bleiben sollten.

Was erwarten Sie von Deutschland in dieser Lage?

Es rührt mich jedes Mal zu sehen, mit welcher Beständigkeit deutsche Kanzler und Kanzlerinnen von beiden Seiten des politischen Spektrums zeigen, dass sie auf Israels Seite stehen. Das bedeutet nicht, dass sie uns nicht hinter verschlossenen Türen ihre Meinung sagen. Aber sie stehen hinter uns, das fühlen wir und das schätzen wir sehr. Die Deutschen sind auch in der Welt respektiert für ihren Einfluss und ihr Vermögen, sich in Verhandlungen einzuschalten, nicht zuletzt wenn es um Geiseln geht. Das kann uns eine große Hilfe sein.

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