Wagner sammelt sich in Belarus

Ukraine-Kommandeur sieht Wagner-Gefahr – Polen gründet neue Einheit gegen Prigoschins Söldner in Belarus

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Die Lage an der belarussischen Grenze ist angespannt. Polen und die Ukraine sichern verstärkt die Grenze, auch wegen der Präsenz von Wagner-Truppen.

Podlachien/Riwne - Seit sich ein Großteil der Wagner-Söldner in Belarus befindet, ergibt sich für die angrenzenden Staaten ein gesteigertes Bedrohungspotenzial durch das mit Russland verbündete Land. Sowohl die Ukraine als auch Polen verstärken deshalb ihre Sicherheitsvorkehrungen in den Grenzregionen. Auch wenn bislang von belarussischem Boden aus noch kein Angriff erfolgt ist, warnt der mit den Maßnahmen betraute ukrainische Kommandeur zur Vorsicht. Polens Außenminister Mariusz Blaszczak hat bereits die Gründung einer neuen Einheit zur Grenzsicherung auf den Weg gebracht.

Ukraine sichert Grenzverlauf zu Belarus

Nachdem Jewgeni Prigoschin mit seinem versuchten Militärputsch in Russland gescheitert war, musste er seine Truppen nach Belarus verlegen. Vom dortigen Präsidenten Alexander Lukaschenko wurden die Wagner-Söldner mit offenen Armen empfangen, sie sollen bereits in die Ausbildung belarussischer Streitkräfte eingebunden sein.

Auch wenn der genaue Plan, sowie die Truppenbewegungen von Prigoschins Einheiten zuletzt Rätsel aufgaben, ist die Ukraine darum bemüht, die Grenze zu Belarus zu sichern. Wie der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte Serhii Naiev in einem Interview gegenüber der Agentur RBC-Ukraine ausführte, sichere man derzeit in der Region Riwne die Grenze. Bislang seien jedoch alle Grenzübertritte feindlicher Sabotage-Truppen in den Norden der Ukraine von Russland ausgegangen, aus Belarus wurden solche Versuche noch nicht festgestellt.

Serhii Naiev (rechts), Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte, bei einer Militärübung im Juni 2023 in der Region Kiew.

Wagner-Truppen in Belarus „eine Gefahr, aber noch keine Bedrohung“

Den Zusammenzug der Wagner-Truppen in Belarus hält Naiev für eine Taktik Russlands, das nach „neuen Möglichkeiten zur künstlichen Destabilisierung der Lage an der Ostflanke der Nato, insbesondere an den Grenzen zu Polen, Litauen und Lettland“ suchen würde. So müssten sich die Nato-Staaten auf weitere Länder konzentrieren, was wiederum die „Lieferung von militärischem Material und technischer Hilfe“ an die Ukraine erschweren würde.

Angesichts der „6.500 Wagner-Söldner auf dem Territorium der Republik Belarus“ sieht der ukrainische Kommandeur zwar „eine Gefahr, aber noch keine Bedrohung“. Den Unterschied der militärischen Termini verbildlicht er mit einem anschaulichen Beispiel: „Für das zivile Verständnis ist es eine Gefahr, wenn sich ein Auto nähert; wenn es direkt auf einen zukommt, ist es eine Bedrohung.“ Zu einer Einstufung der Lage als Bedrohung würde es erst dann kommen, „wenn sie spezialisierte Sabotage-Aufklärungsgruppen oder eine Bodenoffensivformation bilden“. Dies sei bislang noch nicht der Fall, so Serhii Naiev.

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Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Polens Verteidigungsminister ruft neue Eingreiftruppe ins Leben

Auch wenn, um in den militärischen Begriffen zu bleiben, noch keine Bedrohung festgestellt wurde, die Gefahr ist überaus deutlich – auch für Polens Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak. Aufgrund der Präsenz der Wagner-Söldner in Belarus sowie des Zusammenzugs belarussischer Truppen an der Grenze zu Polen, hat er im Rahmen der Operation „Rengaw“ den Auftrag gegeben, eine neue Eingreiftruppe zu gründen. Diese soll die polnische Armee in der Woiwodschaft Podlachien in Ostpolen ausbilden und „als Reserve zur Verfügung stehen“, wie auf der Website des polnischen Verteidigungsministeriums mitgeteilt wurde.

Außerdem werde die polnische Grenzregion mit regulären Militärtruppen unterstützt. So wurden und werden Modelle des KTO Rosomak (ein gepanzerter Transporter), der Bayraktar-Kampf- und Aufklärungsdrohne sowie Militärhubschrauber in die Nähe der Grenze verlegt. Die Stärkung der Grenze durch die Eingreiftruppe habe, so Blaszczak, den alleinigen Zweck der „Ausbildung und Verteidigung“, nicht des Angriffs. Ganz undurchlässig scheint das polnische Netz allerdings nicht zu sein, denn zwei russische Staatsbürger schafften es bis zu ihrer Verhaftung, in Warschau und Krakau Propagandamaterial zu verteilen. (sch)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Yevhen Lubimov

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