VonStefan Schmidschließen
Die Lage an der belarussischen Grenze ist angespannt. Polen und die Ukraine sichern verstärkt die Grenze, auch wegen der Präsenz von Wagner-Truppen.
Podlachien/Riwne - Seit sich ein Großteil der Wagner-Söldner in Belarus befindet, ergibt sich für die angrenzenden Staaten ein gesteigertes Bedrohungspotenzial durch das mit Russland verbündete Land. Sowohl die Ukraine als auch Polen verstärken deshalb ihre Sicherheitsvorkehrungen in den Grenzregionen. Auch wenn bislang von belarussischem Boden aus noch kein Angriff erfolgt ist, warnt der mit den Maßnahmen betraute ukrainische Kommandeur zur Vorsicht. Polens Außenminister Mariusz Blaszczak hat bereits die Gründung einer neuen Einheit zur Grenzsicherung auf den Weg gebracht.
Ukraine sichert Grenzverlauf zu Belarus
Nachdem Jewgeni Prigoschin mit seinem versuchten Militärputsch in Russland gescheitert war, musste er seine Truppen nach Belarus verlegen. Vom dortigen Präsidenten Alexander Lukaschenko wurden die Wagner-Söldner mit offenen Armen empfangen, sie sollen bereits in die Ausbildung belarussischer Streitkräfte eingebunden sein.
Auch wenn der genaue Plan, sowie die Truppenbewegungen von Prigoschins Einheiten zuletzt Rätsel aufgaben, ist die Ukraine darum bemüht, die Grenze zu Belarus zu sichern. Wie der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte Serhii Naiev in einem Interview gegenüber der Agentur RBC-Ukraine ausführte, sichere man derzeit in der Region Riwne die Grenze. Bislang seien jedoch alle Grenzübertritte feindlicher Sabotage-Truppen in den Norden der Ukraine von Russland ausgegangen, aus Belarus wurden solche Versuche noch nicht festgestellt.
Wagner-Truppen in Belarus „eine Gefahr, aber noch keine Bedrohung“
Den Zusammenzug der Wagner-Truppen in Belarus hält Naiev für eine Taktik Russlands, das nach „neuen Möglichkeiten zur künstlichen Destabilisierung der Lage an der Ostflanke der Nato, insbesondere an den Grenzen zu Polen, Litauen und Lettland“ suchen würde. So müssten sich die Nato-Staaten auf weitere Länder konzentrieren, was wiederum die „Lieferung von militärischem Material und technischer Hilfe“ an die Ukraine erschweren würde.
Angesichts der „6.500 Wagner-Söldner auf dem Territorium der Republik Belarus“ sieht der ukrainische Kommandeur zwar „eine Gefahr, aber noch keine Bedrohung“. Den Unterschied der militärischen Termini verbildlicht er mit einem anschaulichen Beispiel: „Für das zivile Verständnis ist es eine Gefahr, wenn sich ein Auto nähert; wenn es direkt auf einen zukommt, ist es eine Bedrohung.“ Zu einer Einstufung der Lage als Bedrohung würde es erst dann kommen, „wenn sie spezialisierte Sabotage-Aufklärungsgruppen oder eine Bodenoffensivformation bilden“. Dies sei bislang noch nicht der Fall, so Serhii Naiev.
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Polens Verteidigungsminister ruft neue Eingreiftruppe ins Leben
Auch wenn, um in den militärischen Begriffen zu bleiben, noch keine Bedrohung festgestellt wurde, die Gefahr ist überaus deutlich – auch für Polens Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak. Aufgrund der Präsenz der Wagner-Söldner in Belarus sowie des Zusammenzugs belarussischer Truppen an der Grenze zu Polen, hat er im Rahmen der Operation „Rengaw“ den Auftrag gegeben, eine neue Eingreiftruppe zu gründen. Diese soll die polnische Armee in der Woiwodschaft Podlachien in Ostpolen ausbilden und „als Reserve zur Verfügung stehen“, wie auf der Website des polnischen Verteidigungsministeriums mitgeteilt wurde.
Außerdem werde die polnische Grenzregion mit regulären Militärtruppen unterstützt. So wurden und werden Modelle des KTO Rosomak (ein gepanzerter Transporter), der Bayraktar-Kampf- und Aufklärungsdrohne sowie Militärhubschrauber in die Nähe der Grenze verlegt. Die Stärkung der Grenze durch die Eingreiftruppe habe, so Blaszczak, den alleinigen Zweck der „Ausbildung und Verteidigung“, nicht des Angriffs. Ganz undurchlässig scheint das polnische Netz allerdings nicht zu sein, denn zwei russische Staatsbürger schafften es bis zu ihrer Verhaftung, in Warschau und Krakau Propagandamaterial zu verteilen. (sch)
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