Prigoschins Truppen

Verdächtige Busfahrten verstärken Rätselraten um Wagner in Belarus – „Status unklar“

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Ein Wagner-Söldner berichtete, Prigoschins Leute erführen erst „im letzten Moment“, wohin es als Nächstes geht. Nicht nur Polen ist deshalb alarmiert.

Minsk – Wie das Verhältnis zwischen Kremlchef Wladimir Putin und den Söldnern ist, steht auf einem anderen Blatt. Klar ist aber, die Wagner-Gruppe macht den Westen nervös. Polen schickt nun 10.000 Soldaten an seine Grenze zu Belarus – das EU- und Nato-Mitglied fürchtet Provokationen der russischen Privatarmee, die zuvor im Ukraine-Krieg aufseiten Russlands gekämpft hatte.

Die Wagner-Söldner von Jewgeni Prigoschin haben in Belarus ihr Lager aufgeschlagen, nach Angaben der Führung in Minsk sollen sie nach ihrem Putschversuch in Russland nun die belarussische Armee schulen – in den vergangenen Tagen kursieren aber Spekulationen über einen Rückzug aus Belarus. Ist Putins Deal mit Prigoschin kollabiert?, fragen Beobachterinnen und Beobachter. Auch das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) beobachtet die Lage genau.

Wagner-Gruppe marschiert in Richtung Moskau: Bilder zum Putschversuch in Russland

Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern.
Söldner der Wagner-Gruppe posieren in Rostow am Don vor Panzern. © IMAGO/Erik Romanenko
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen.
Die Stadt Rostow am Don wurde von der Wagner-Gruppe besetzt. Hier stehen zwischen den Zivillisten bewaffnete Soldaten und Panzer auf den Straßen. © Sergey Pivovarov/IMAGO
Nahaufnahme der Ausrüstung. Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet.
Die Soldaten in Rostow am Don sind mit kugelsicheren Westen ausgestattet und schwer bewaffnet. © Erik Romanenko/IMAGO
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator)
Auf der schusssicheren Weste eines Soldaten in Rostow am Don steht auf einem Aufnäher: „Mama hat gesagt: Anziehen“. (Yandex Image Translator) © Erik Romanenko/IMAGO
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt.
Die bewaffneten Wagner-Söldner in Rostow am Don bewachen auch mit militärischen Fahrzeugen die Stadt. © Erik Romanenko/IMAGO
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen.
Die Soldaten in Rostow am Don stehen inmitten der Bevölkerung wache und werden teilweise von Zivilisten angesprochen. © IMAGO/Erik Romanenko
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen.
Soldaten der Wagner-Gruppe bewachen das südliche militärische Hauptquartier in Rostow am Don mit Scharfschützen. © IMAGO/Erik Romanenko
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht.
In Moskau sind rund um den Kreml alle Straßen und Kreuzungen weiträumig abgesperrt und bewacht. © Kirill Zykov/IMAGO
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls. Zusätzlich zu den üblichen Wachen in prunkvoller Uniform sind hier Polizisten postiert.
Das Moskauer „Grabmal des unbekannten Soldaten“ an der Mauer des Kremls wird zusätzlich zu den üblichen Wachen von der Polizei bewacht. © Ilya Pitalev/IMAGO
Eine Polizistin in Moskau steht hinter der Absperrung des Roten Platzes neben einem Einsatzwagen. Im Hintergrund sind die farbigen Kuppeln der Basilius Kathedrale zu sehen.
Der Rote Platz in Moskau ist weiträumig abgesperrt und wird von der Polizei bewacht. © IMAGO/Ilya Pitalev
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht.
Wagner-Gebäude in mehreren russischen Städten, wie hier in St. Petersburg, werden von Polizisten bewacht. © IMAGO/Alexander Galperin
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten.
Die russische Polizei sperrt Straßen in der Region Moskau und kontrolliert die Dokumente von Fahrzeugen, die sie passieren möchten. © IMAGO/Kirill Kallinikov
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert.
In der Region Moskau wird die Autobahn M2 bei Podoslk von mehreren LKW blockiert. © IMAGO/Vitaliy Belousov
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt.
Den Menschen, die in Staus auf russischen Autobahnen festsitzen, wird Trinkwasser zur Verfügung gestellt. © IMAGO
In der russischen Stadt Rostow am Don stehen Soldaten in den Straßen Wache und beobachten die Lage.
Die Soldaten stehen in den Straßen Wache und beobachten die Lage. © IMAGO/Erik Romanenko

Anonymer Wagner-Söldner: „Erfahren erst im letzten Moment von unserem Einsatz“

In seiner jüngsten Analyse zum Ukraine-Krieg berichtet das ISW von aktuellen Satellitenbildern, die eine „beträchtliche Anzahl von Fahrzeugen“ im Wagner-Lager in Tsel nahe der belarussischen Stadt Assipowitschy zeigen. Der Status des mutmaßlichen Rückzugs sei jedoch weiterhin „unklar“.

Eine mit Wagner verbundene Quelle veröffentlichte zudem am Donnerstag (10. August) Filmmaterial, das belegen soll, dass Wagner-Söldner belarussisches Militärpersonal ausbilden. Interessant dabei ist, was ein mutmaßlicher Wagner-Söldner kürzlich äußerte. Der in den Berichten nicht namentlich genannte Mann tat alle Spekulationen um die Wagner-Gruppe als „Fantasien“ ab – allerdings räumte er laut ISW ein, dass viele Wagner-Söldner oft erst „im letzten Moment“ von ihrem nächsten Einsatz erführen. 

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin (Mi.) beim Abzug seiner Söldnertruppe aus Bachmut Ende Mai 2023.

Prigoschin-Söldner in Belarus: Analystinnen und Analysten beobachten Busfahrten nach Russland

Das ISW betonte aber, „keinerlei Anhaltspunkte“ zu sehen, die jüngste Gerüchte widerlegen: Nämlich, dass Wagner nun „500 bis 600“ ihrer Mitglieder mit Bussen aus Belarus in die russischen Regionen Krasnodar, Woronesch und Rostow gebracht habe. 

Eine „kleine Gruppe“ solle jedoch in Belarus verbleiben, um die belarussischen Streitkräfte auszubilden, trug das ISW aus offen zugänglichen Quellen auch zusammen. Russische Quellen spekulieren, dass Wagner die zweite Phase ihres angeblichen Abzugs aus Belarus am 13. August starten wollen. Wagner hat dennoch grundsätzliche Probleme: Der Söldner-Gruppe mangelt es wohl an Equipment.

Jewgenis Truppen waren nach einem gescheiterten Aufstand gegen Moskau im Juni umgesiedelt worden. Für Besorgnis sorgte dabei zunächst auch, dass Belarus wohl ein Lager für 8000 Wagner-Leute baute – nur 200 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Die neue Aufgabe für die Wagner-Söldner ist angeblich „von unschätzbarem Wert“: Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko ließ mitteilen, dass sie nun ihre Kampferfahrung aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine weitergeben sollen. (frs) 

Rubriklistenbild: © IMAGO/Press service of Prigozhin

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