Verdächtige Busfahrten verstärken Rätselraten um Wagner in Belarus – „Status unklar“
VonFranziska Schwarz
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Ein Wagner-Söldner berichtete, Prigoschins Leute erführen erst „im letzten Moment“, wohin es als Nächstes geht. Nicht nur Polen ist deshalb alarmiert.
Minsk – Wie das Verhältnis zwischen Kremlchef Wladimir Putin und den Söldnern ist, steht auf einem anderen Blatt. Klar ist aber, die Wagner-Gruppe macht den Westen nervös. Polen schickt nun 10.000 Soldaten an seine Grenze zu Belarus – das EU- und Nato-Mitglied fürchtet Provokationen der russischen Privatarmee, die zuvor im Ukraine-Krieg aufseiten Russlands gekämpft hatte.
Die Wagner-Söldner von Jewgeni Prigoschin haben in Belarus ihr Lager aufgeschlagen, nach Angaben der Führung in Minsk sollen sie nach ihrem Putschversuch in Russland nun die belarussische Armee schulen – in den vergangenen Tagen kursieren aber Spekulationen über einen Rückzug aus Belarus. Ist Putins Deal mit Prigoschin kollabiert?, fragen Beobachterinnen und Beobachter. Auch das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) beobachtet die Lage genau.
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Anonymer Wagner-Söldner: „Erfahren erst im letzten Moment von unserem Einsatz“
In seiner jüngsten Analyse zum Ukraine-Krieg berichtet das ISW von aktuellen Satellitenbildern, die eine „beträchtliche Anzahl von Fahrzeugen“ im Wagner-Lager in Tsel nahe der belarussischen Stadt Assipowitschy zeigen. Der Status des mutmaßlichen Rückzugs sei jedoch weiterhin „unklar“.
Eine mit Wagner verbundene Quelle veröffentlichte zudem am Donnerstag (10. August) Filmmaterial, das belegen soll, dass Wagner-Söldner belarussisches Militärpersonal ausbilden. Interessant dabei ist, was ein mutmaßlicher Wagner-Söldner kürzlich äußerte. Der in den Berichten nicht namentlich genannte Mann tat alle Spekulationen um die Wagner-Gruppe als „Fantasien“ ab – allerdings räumte er laut ISW ein, dass viele Wagner-Söldner oft erst „im letzten Moment“ von ihrem nächsten Einsatz erführen.
Prigoschin-Söldner in Belarus: Analystinnen und Analysten beobachten Busfahrten nach Russland
Das ISW betonte aber, „keinerlei Anhaltspunkte“ zu sehen, die jüngste Gerüchte widerlegen: Nämlich, dass Wagner nun „500 bis 600“ ihrer Mitglieder mit Bussen aus Belarus in die russischen Regionen Krasnodar, Woronesch und Rostow gebracht habe.
Eine „kleine Gruppe“ solle jedoch in Belarus verbleiben, um die belarussischen Streitkräfte auszubilden, trug das ISW aus offen zugänglichen Quellen auch zusammen. Russische Quellen spekulieren, dass Wagner die zweite Phase ihres angeblichen Abzugs aus Belarus am 13. August starten wollen. Wagner hat dennoch grundsätzliche Probleme: Der Söldner-Gruppe mangelt es wohl an Equipment.
Jewgenis Truppen waren nach einem gescheiterten Aufstand gegen Moskau im Juni umgesiedelt worden. Für Besorgnis sorgte dabei zunächst auch, dass Belarus wohl ein Lager für 8000 Wagner-Leute baute – nur 200 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Die neue Aufgabe für die Wagner-Söldner ist angeblich „von unschätzbarem Wert“: Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko ließ mitteilen, dass sie nun ihre Kampferfahrung aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine weitergeben sollen. (frs)