Steuerreform und Rente

SPD-Abgeordneter über schwarz-rote Koalition: „Wir brauchen einen Neustart“

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Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff fordert einen „verlässlichen politischen Auftakt nach der Sommerpause“ (Archivbild).
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In der schwarz-roten Koalition ruckelt und rumpelt es. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff erklärt im Interview, wie er nach der Sommerpause neue Impulse setzen will.

Der Münchner Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff ist wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Als unsere Zeitung ihn am Dienstag für dieses Interview anruft, ist er gerade auf dem Heimweg von einer Delegationsreise nach Kiew. Ein Gespräch über den Krieg und die knirschende Koalition.

Hallo, Herr Roloff, wo erwische ich Sie gerade?
Ich bin jetzt nach gut 16 Stunden Zugfahrt durch die Ukraine und Polen am Warschauer Flughafen angekommen, von wo aus ich nach München weiterfliege.
Sie waren gerade in Kiew. Stand das in Verbindung mit der Reise von SPD-Vizekanzler Lars Klingbeil, der am Montag ebenfalls dort war?
Nein, das war Zufall. Ich war dort mit einer Gruppe von Parlamentariern aus der gesamten EU aus Anlass des ukrainischen Unabhängigkeitstages.

SPD-Abgeordneter Roloff in Kiew: Freiheit ist „fragil“

Wie war Ihr Eindruck?
Zwiegespalten. Wenn man durch die Stadt läuft, merkt man zunächst wenig vom Krieg. Sobald aber die Sirenen zum Luftalarm ansetzen, wird man schnell daran erinnert. Zudem haben wir einer Ehrung für gefallene Soldaten beigewohnt. Wenn ein Achtjähriger den Orden für seinen gefallenen Vater entgegennehmen muss, ist das schon sehr bewegend. Man spürt auch, wie fragil Freiheit ist – wenn die Ukraine fallen sollte, eines Tages vielleicht auch unsere.
Sie haben auch Präsident Wolodymyr Selenskyj getroffen. Welchen Eindruck macht er auf Sie?
Ich habe ihn schon öfter erlebt. Er sah diesmal wirklich sehr abgekämpft und müde aus, aber er war gleichzeitig auch zuversichtlicher, als ich ihn schon erlebt habe. Und er wirkt absolut entschlossen und hat klargemacht, dass er, was die viel diskutierten Sicherheitsgarantien betrifft, sehr konkrete Vorstellungen hat.
Nach der Sommerpause geht es für Sie zurück nach Berlin. Bei Steuern und Sozialreformen haben sich Union und SPD verhakt. Ist der Konflikt lösbar?
Es braucht tatsächlich einen kleinen Neustart. Und damit meine ich nicht nur eine Klausur oder das gemeinsame Grillfest von SPD- und Unionsabgeordneten im September. Wir brauchen jetzt wirklich einen verlässlichen politischen Auftakt nach der Sommerpause und müssen zeitnah offene Themen abräumen und zur Zufriedenheit der Menschen erledigen. Gerade in der Steuerpolitik und bei der Sicherung des Sozialstaats haben wir uns einiges vorgenommen. Unser gemeinsames Ziel ist es, kleine und mittlere Einkommen, aber auch Unternehmen zu entlasten. Ich glaube, im Gegenzug könnten Spitzenverdiener ab 20.000 Euro im Monat ein wenig stärker in die Pflicht genommen werden. Und bei der Erbschaftssteuer gibt es schon lange Reformbedarf.

SPD-Abgeordneter Roloff im Interview: Steuerreform oder CSU-Blockade?

CSU-Chef Söder sagte gerade „No way“. Sehen Sie trotzdem Bereitschaft in der Union zu Steuererhöhungen?
Die Union insgesamt hat das jedenfalls nicht kategorisch ausgeschlossen. Und nach der Wahl haben sich CDU und CSU in einigen Punkten wie der Schuldenbremse auch sehr schnell sehr weit bewegt. Auch wenn ich natürlich verstehe, dass das nicht leicht ist.
Was ist die SPD denn im Gegenzug bereit, in puncto Sozialstaatsreformen zu geben?
Ein Sozialabbau ist mit der SPD nicht zu machen. Aber wir müssen Geld einsparen, indem wir effizienter werden. Etwa durch die Krankenhausreform, oder auch eine Neustrukturierung der ärztlichen Versorgung.
Die Union dürfte eher ans Bürgergeld denken.
Da sehe ich wenig Spielraum, besonders nicht beim Regelsatz von derzeit 563 Euro. Auch Ansätze wie der einer pauschalen Zuweisung für Mietkosten, statt die tatsächliche Miete zu übernehmen, halte ich für absurd. Das würde in der Praxis bedeuten, dass viele in eine andere Stadt ziehen müssten.

SPD-Abgeordneter Roloff über Renteneintritt: „Sehe keinen Handlungsbedarf“

Rentenalter?
Ich finde es richtig, Anreize zu setzen, damit Leute freiwillig länger arbeiten. Aber insgesamt glaube ich, dass unterschätzt wird, wie die Produktivität gestiegen ist und sich die Erwerbstätigkeit entwickelt hat. Die Rechnung, dass heute mehr Beitragszahler einen Rentner finanzieren müssen als früher, greift deshalb zu kurz.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke
Wie steht es mit der sogenannten Rente mit 63?
Auch da sehe ich keinen Handlungsbedarf, zumal es sich faktisch bereits um eine Rente ab 64 handelt und wir absehbar bei 65 sein werden. Die Rente für besonders langjährig Versicherte wurde aus guten Gründen für Menschen eingeführt, die 45 Jahre eingezahlt haben. Von „spätrömischer Dekadenz“ sind wir da weit entfernt.
Das klingt aber alles nicht so sehr kompromissbereit.
Wir können natürlich nicht alles ausschließen und nur sagen, die anderen müssen sich bewegen. Ich glaube: Wenn es konkret wird, können wir tragfähige Kompromisse finden. Klar ist aber auch, dass es mit der SPD keine Sozialkürzungen geben wird.

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