VonFelix Busjaegerschließen
Mit dem Iron Dome geht Israel gegen Raketenangriffe vor. Wie effektiv das System gegen die Hamas ist, zeigt sich heute. Auch Deutschland hat Interesse an israelischen Waffen.
Berlin/Tel Aviv – Das Sirenengeheul setzte am Morgen des 7. Oktober laut Augenzeugen erst spät ein, zuvor waren bereits zahlreiche Menschen durch Detonationen und Druckwellen aus ihrem morgendlichen Treiben gerissen worden. Während die Hamas aus dem Gazastreifen hinaus mit massivem Raketenbeschuss einen Angriff auf Israel startete, zeigte die israelische Raketenabwehr „Iron Dome“ was ein autonomes Waffensystem leisten kann – tausende Raketen wurden abgefangen.
Zwar hat das Abwehrsystem keine hundertprozentige Erfolgsquote, gilt dennoch als wichtiges Instrument zum Schutz der Bevölkerung in Israel. Durch Jahrzehnte der Bedrohungen haben sich die Entwickler von Raketensystemen immer weiter spezialisiert und exportieren ihre Waffen ins Ausland. Auch Deutschland hat in diesem Jahr eine Kaufabsicht unterschrieben: für Arrow 3 – ein System, das für die Abwehr von größeren Raketen vorgesehen ist.
Schwerer Angriff auf Israel: So effektiv arbeitet Iron Dome bei Raketenangriffen
Raketenangriffe der Hamas auf Städte in Israel sind in der Region seit jeher Normalität. Seit das Militär bei der Abwehr der Flugkörper allerdings auf Iron Dome vertraut, läuft ein Teil der Verteidigung losgelöst von menschlichen Akteuren. Iron Dome ist nämlich ein mobiles, bodengestütztes System zur Abwehr von Raketen, Artillerie- und Mörsergranaten. Entwickelt wurde es von Rafael Advanced Defense Systems Ltd. und Israel Aerospace Industries und ist seit 2011 zum Schutz der israelischen Bevölkerung im Einsatz.
Während die Hamas versucht, aus dem Gazastreifen heraus mit mehreren Dutzend Raketenangriffen pro Stunde Ziele in Israel zu treffen, werden zahlreiche Geschosse vom Abwehrsystem Iron Dome automatisch ausgeschaltet. Wie effektiv dies geschieht, wird immer wieder auf X (vormals Twitter) dokumentiert. Mitunter wird der Nachthimmel über Israel bei Raketenangriffen der Hamas wie bei einem Feuerwerk erleuchtet.
Abwehr gegen Raketenangriff: Israel setzt im Krieg auf Iron Dome
Die Raketenabwehr Iron Dome führt bei der Bekämpfung von Flugkörpern autonom Regie: Während eine menschliche Befehlskette im Ernstfall mehrere Fehlerquellen bietet, erfasst das System computergestützt seine Ziele und schaltet sie aus. Damit die Luftabwehr reibungslos funktionieren kann, besteht jede Iron Dome-Einheit aus drei Komponenten: einem Radarsystem, einem Kontrollzentrum und mehreren Startbatterien für die Abfangraketen. Ein Vorteil ist dabei, dass das Abwehrsystem Iron Dome mobil ist und damit auf plötzliche Bedrohungslagen reagieren und seinen Standort verändern kann.
WATCH as the Iron Dome Aerial Defense System intercepts rockets over southern Israel: pic.twitter.com/xUz3bMuTzz
— Israel Defense Forces (@IDF) May 12, 2021
In Sekundenbruchteilen werden mögliche Raketen identifiziert und vom Computer bewertet, ob durch den Flugkörper eine Gefahr ausgeht. Wenn Israel unter Raketenangriffen steht, kommt es mitunter vor, dass mehrere Geschosse gleichzeitig abgewehrt werden müssen. Für Iron Dome soll dies möglich sein: Unbestätigten Berichten zufolge soll die Luftabwehr bis zu sechs Ziele parallel bekämpfen können. Wie viel der Einsatz von Iron Dome kostet, kann ebenfalls nicht mit Gewissheit gesagt werden. Allerdings soll ein Schuss zwischen 50.000 und 100.000 Dollar kosten.
Raketenangriff auf Israel: Schafft Deutschland einen Iron Dome an?
Für Israel stellt Iron Dome wegen der Angriffe der Hamas seit 2011 eins der wichtigsten Verteidigungsmittel für die Abwehr von feindlichen Raketen dar. Für die Bekämpfung kleinerer Flugkörper hat sich das System in der Vergangenheit immer wieder bewährt und zeigt auch beim jüngsten Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, dass es eine Vielzahl von Geschossen ermitteln und vernichten kann. Ob ein Iron Dome für Deutschland in der gegenwärtigen Bedrohungslage durch die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sinnvoll wäre, darf indes angezweifelt werden.
Das Abwehrsystem Iron Dome ist nur für die Abwehr von kleinen Geschossen wie Raketen oder Granaten geeignet, die in der Regel nur eine geringe Wirkungsreichweite aufweisen. Das Arrow-3-System, das ebenfalls aus Israel stammt und auf der Einkaufsliste von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) steht, erfüllt eher die Anforderungen der Bundesregierungen. Im Zusammenhang mit dem European Sky Shield drängt Berlin auf die europäische Aufrüstung bei der Luftabwehr. Gegenwärtig baut Deutschlands Raketenabwehr auf alte Patriot-Raketensysteme für den mittleren Entfernungsbereich und auf das moderne Iris-T-System. Arrow 3 soll künftig die Raketenabwehr ergänzen. (fbu)
