Trotz Ukraine-Krieg

Nato startet Militäroperation an der Grenze zu Russland – unter deutsch-britischer Leitung

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Unter deutscher und britischer Führung beginnt die Nato eine Militärmission im estländischen Luftraum an der Grenze zu Russland.

London/Tallinn - Die britische und die deutsche Luftwaffe überwachen bei einer Mission der Nato gemeinsam den Luftraum über Estland. Das hat der britische Verteidigungsminister Ben Wallace in einem Interview mit dem Fernsehsender Sky News mitgeteilt. Wallace sagte, die Mission werde dazu beitragen, „die Sicherheit des europäischen Luftraums“ zu gewährleisten und „die Präsenz der Nato in Osteuropa“ zu verstärken.

Das Vereinigte Königreich soll 300 Angehörige der Royal Air Force zur Leitung der Mission entsenden. Aus Deutschland sowie Großbritannien kommen Kampfjets vom Typ Typhoon-Eurofighter. In gemischten Rotten sollen die britischen und die deutschen Streitkräfte im Luftraum an der russischen Grenze patrouillieren.

Die Nato plant ein Luft-Manöver an der russischen Grenze unter Führung Deutschlands und Großbritanniens.

Nato überwacht seit 2014 mit Militäroperation den Luftraum an der russischen Grenze

Neben Estland grenzen auch Lettland und Litauen an Russland. Die drei baltischen Staaten gehören zwar zur Nato, verfügen jedoch über keine eigene Luftverteidigung. Daher sichert die Nato bereits seit fast zwei Jahrzehnten den baltischen Luftraum. Im regelmäßigen Wechsel verlegen die Nato-Verbündeten Soldaten und Kampfjets ins Baltikum.

Auf die Entwicklung der Luftverteidigung entlang der Grenze zu Russland durch die Nato blickte Erwan Lagadec in einem Interview mit dem US-amerikanischen Magazins Newsweek. Der Historiker sagte: „Während es seit 2014 und noch mehr seit 2022 einen klaren operativen Bedarf für die Mission gab, diente sie auch als hochpolitisches Signal, da sie es den westlichen Verbündeten ermöglichte, ihre Solidarität mit den baltischen Staaten und ihre Besorgnis gegenüber Russlands militärischer Haltung im Allgemeinen zu bekräftigen.“ Lagadec ist Professor für internationale Angelegenheiten an der George Washington University in Washington DC.

Kampfjet aus Deutschland vom Typ Typhoon Eurofighter. Solche Modelle sollen auch bei der Nato-Mission im Baltikum eingesetzt werden.

Militäroperation an der Grenze zu Russland: „Zeichen der Einheit der Nato“

Für Großbritanniens Verteidigungsminister Wallace ist die Operation ein „Zeichen für die Einheit der Nato“ angesichts der anhaltenden russischen Bedrohung“. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor mehr als einem Jahr sind die Spannungen zwischen der Nato und dem Regime von Wladimir Putin größer denn je. Wallace sagte weiter: „Gemeinsame Operationen dieser Art demonstrieren die Stärke und Einheit des Nato-Bündnisses und unsere gemeinsame Entschlossenheit, Frieden und Sicherheit in der gesamten Region aufrechtzuerhalten“.

Seit langem ist das Verhältnis zwischen der Nato und Russland angespannt. Putins Regime sieht seine Vormachtstellung an seinen Grenzen durch das Militärbündnis bedroht. Spätestens seit Russlands Überfall auf die Ukraine haben auch die angrenzenden Staaten Schweden und Finnland ihre Beitrittsbemühungen zur Nato vorangetrieben. Zuletzt sind diese jedoch etwas ins Stocken geraten.

Vor allem stößt aber die Ukraine weiter auf größere Hindernisse vor einem möglichen Beitritt zur Nato. Westliche Politikerinnen und Politiker, darunter auch US-Präsident Joe Biden, bleiben skeptisch, was einen Beitritt der Ukraine angeht. Als Grund wird häufig Korruption in Kiew genannt, die vor einem Beitritt beseitigt werden müsste. (cd)

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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