VonErkan Pehlivanschließen
Russland muss einen äußerst verlustreichen Tag im Ukraine-Krieg verkraften. Doch nicht alles ist schlecht an diesem Tag für Wladimir Putin.
Kiew – Der Samstag war einer der verlustreichsten Tage für Russland im Ukraine-Krieg. Nach einem Bericht des US-Nachrichtenmagazins Newsweek unter Berufung auf ukrainische Regierungsquellen wurden an diesem Tag 440 russische Soldaten getötet und 30 Artilleriesysteme zerstört. An diesem Tag sollen auch elf russische Panzer durch ukrainische Kräfte zerstört worden sein.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, sein Militär habe im vergangenen Monat die Kontrolle über Klischtschijiwka, ein Dorf südwestlich von Bachmut, zurückgewonnen und damit der Ukraine einen dringend benötigten Schub für ihre Gegenoffensive gegeben. Auch bei dieser Schlacht sollen die russischen Kräfte herbe Verluste erlitten haben. Ein russischer Soldat teilte ein am 19. September aufgenommenes Video auf X, in dem er behauptete, dass mindestens 1.000, möglicherweise aber auch bis zu 1.200 Soldaten in der Schlacht um Klischtschijiwka getötet worden seien.
Partei von pro-russischem Robert Fico wird stärkste Kraft in der Slowakei
Der russische Präsident Wladimir Putin dürfte dennoch glücklich sein. Der ehemalige slowakische Regierungschef Robert Fico hat gute Aussichten, die nächste Regierung in Bratislava zu bilden. Seine linksnationale Partei „Richtung - Slowakische Sozialdemokratie“ (Smer-SSD) gewann die Parlamentswahl am Samstag mit 22,9 Prozent der Stimmen. Die liberale Partei „Progressive Slowakei“ (PS) unter der Führung des EU-Abgeordneten Michal Simecka bekam nur 18 Prozent der Stimmen und wurde nur zweitstärkste Kraft.
Eine Regierung unter Fico würde Kiew schwächen. Fico will Kiew nur humanitäre Hilfe und keine Militärhilfe mehr anbieten. Die Slowakei und Polen hatten MiG-29-Kampfflugzeuge aus der Sowjetzeit in die Ukraine geschickt. Damit haben beide Staaten die westlichen Verbündeten Kiews ermutigt, Flugzeugen aus westlicher Produktion wie den F-16 an die Ukraine abzugeben.
Fico musste 2018 als Regierungschef wegen Journalistenmord zurücktreten
Fico war bereits von 2006 bis 2010 und von 2012 bis 2018 slowakischer Regierungschef und hatte dabei zweimal eine Regierung mit der SNS gebildet, die ebenfalls die Militärhilfe für die Ukraine ablehnt. 2018 musste Fico nach der Ermordung des Journalisten Jan Kuciak und dessen Verlobter zurücktreten. Kuciak hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und Ficos Regierungspartei recherchiert.
Während des Wahlkampfs wurde die Slowakei von einer Flut von Falschinformationen überschwemmt, die vielfach auf Ficos Rivalen Simecka abzielten. Laut einer Studie des Politikinstituts Globsec vom vergangenen Jahr hängt etwa die Hälfte der 5,4 Millionen Einwohner der Slowakei populistischen Verschwörungstheorien an.
Derweil bahnt sich in Deutschland ein neuer Rekord in Sachen Rüstungsexporte an. (erpe/AFP)
