Paukenschlag im Ukraine-Krieg: Selenskyj entlässt seinen Verteidigungsminister
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Selenskyj entlässt seinen Verteidigungsminister. Russland attackiert mehrere Gebiete, darunter auch eine Grenzregion. Der News-Ticker zum Ukraine-Krieg.
Die hier verarbeiteten Informationen stammen von internationalen Medien und Nachrichtenagenturen, aber auch von den Kriegsparteien Russland, der Ukraine und ihren Verbündeten. Insbesondere die Angaben zu Verlusten der beteiligten Armeen im Ukraine-Krieg lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Hinweis der Redaktion: Dieser Ticker ist geschlossen. Die aktuelle Entwicklung im Ukraine-Krieg können Sie in unserem neuen News-Ticker verfolgen.
Update vom 3. September, 22.15 Uhr: Selenskyj sagte über die Entlassung seines Verteidigungsministers Resnikow: „Ich bin der Meinung, dass das Ministerium neue Herangehensweisen braucht und andere Formate der Zusammenarbeit mit den Soldaten und der Gesellschaft insgesamt“. Ukrainische Medien hatten schon in der Vergangenheit – und verstärkt in den vergangenen Tagen – darüber berichtet, dass eine Ablösung des 57-Jährigen unmittelbar bevorstehe. Resnikow hatte zuletzt immer wieder erklärt, dass er bereit sei, zu gehen, aber ein Ersatz für ihn gefunden werden müsse. Ein anderer Posten für ihn sei denkbar.
Resnikow hatte zuvor in einem Interview gesagt, er erwarte den von westlichen Verbündeten in Aussicht gestellten Einsatz der Kampfjets vom Typ F-16 gegen den russischen Krieg im kommenden Frühjahr. Der staatlichen ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform sagte der Minister, dass neben der Ausbildung der Piloten an den Kampfjets im Land auch die Infrastruktur und Experten und Anlagen für die Wartung vorgehalten werden müssen. Deshalb werde es Frühjahr, bis die Maschinen tatsächlich an der Front zum Einsatz kämen.
Update vom 3. September, 21.30 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will seinen Verteidigungsminister Alexej Resnikow entlassen. Dies sagte Selenskyj in einer Video-Ansprache am Abend. Ersetzt werden soll 57-Jährige durch Rustem Umerow, dem Leiter des wichtigsten Privatisierungsfonds der Ukraine. Der Wechsel käme mit einem großen Umbau des ukrainischen Verteidigungsapparats daher.
Update vom 3. September, 20.15 Uhr: Die ukrainische Marine hat nach Militärangaben ein russisches Kriegsboot an der Schwarzmeer-Küste zerstört. Die feindliche Besatzung sei im Nordwesten des Schwarzen Meeres an Land gegangen, sechs Besatzer seien getötet und zwei verletzt worden, teilte die ukrainische Marine am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram mit. Auf einem ebenfalls veröffentlichten Video war aus Drohnenperspektive aus der Luft zu sehen, wie Menschen das Boot entladen und Dinge ans Ufer bringen. Wenig später folgt eine Explosion. Unabhängig überprüfbar waren die Angaben des Militärs nicht. Es gab keine Informationen, von wann die Aufnahme stammte.
Ukraine-Krieg: Russland attackiert mehrere Gebiete – darunter eine Grenzregion
Update vom 3. September, 18.30 Uhr: In den vergangenen Stunden soll Russland einen Großteil der von Gefechten betroffenen Regionen der Ukraine attackiert haben. Drohnen, Artillerie und Mörsern hätten für Zerstörung in zehn Gebieten gesorgt, berichtete Euromaidan Press.
Nach Angaben der regionalen Militärverwaltungen waren in der an Russland grenzenden Oblast Tschernihiw mehr als 92 Explosionen zu hören, es wurden jedoch keine Verletzten gemeldet. Beim russischen Mörserbeschuss des Gebiets Sumy seien ein Mensch getötet und sechs Zivilpersonen verletzt worden.
Ukraine-Krieg: Kiew rückt weiter an der Frontlinie bei Bachmut vor
Update vom 3. September, 15.55 Uhr: In der Region Donezk ist es offenbar zu einem tödlichen Angriff der russischen Armee gekommen. Laut der Staatsanwaltschaft der Oblast Donezk sind dabei fünf Zivilpersonen verletzt sowie ein Mensch getötet worden. „Die Siedlungen Piwnichne, Toretsk und Tykyhoniwka im Bezirk Kramatorsk gerieten unter feindlichen Beschuss“, hieß es.
Update vom 3. September, 13.20 Uhr: Ukrainische Streitkräfte rücken an der Frontlinie bei Bachmut weiter vor. Das berichtet Generaloberst Oleksandr Syrskyi, Befehlshaber der Bodentruppen, über Telegram. „Die Soldaten zerstören ständig russische Ausrüstung und Arbeitskräfte“, heißt es in dem Bericht. Die 22. Separate Mechanisierte Brigade sei vor Ort im Einsatz. Ein BM-21 „Grad“-Raketensystem habe der feindlichen Infanterie einen vernichtenden Schlag versetzt, so Syrskyi, und postete dazu ein Video. „Die Kampfhandlungen gehen weiter“, schließt er den Bericht ab.
Update vom 3. September, 10.51 Uhr: Die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar forderte die Beobachter auf, den ukrainischen Fortschritt nicht in Kilometern oder Metern zu messen, sondern „an der Tatsache, dass wir unter solchen Bedingungen erfolgreich vorankommen“, wird sie vom Guardian zitiert. Das ukrainische Militär konzentriert sich derzeit auf die wichtigsten Offensivoperationen der Ukraine auf den Süden, wo sie sich auf die Küste des Asowschen Meeres zubewegen.
Ukraine-Krieg: Russland attackiert Odessa mit Kamikaze-Drohnen
Update vom 3. September, 07.21 Uhr: Bei einem russischen Drohnenangriff auf die Schwarzmeer-Region Odessa sind nach Angaben der Ukraine zwei Zivilisten verletzt worden. Der Angriff am frühen Morgen habe dreieinhalb Stunden gedauert, erklärt die ukrainische Luftwaffe auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Russland habe 25 Schahed-Drohnen aus iranischer Produktion eingesetzt, von denen 22 abgeschossen worden seien.
Update vom 3. September, 06.34 Uhr: Der Kommandeur der ukrainischen Truppen im Süden, General Oleksandr Tarnawskyi, bestätigt in einem Interview mit dem britischen „Observer“, seine Einheiten hätten die erste, am stärksten befestigte Verteidigungslinie der Russen durchbrochen. Dem General zufolge befindet sich das ukrainische Militär zwischen der ersten und zweiten Linie im Gebiet Robotyne-Werbowe. Die ukrainischen Streitkräfte könnten sich leichter weiterbewegen, da sie sich auf dem zurückeroberten Gebiet verschanzt hätten, versicherte Tarnawskyi. Nach Einschätzung des Generals leidet die russische Armee unter einem raschen Verlust an Personalreserven.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine
Update vom 2. September, 23.20 Uhr: Trotz der russischen Seeblockade sollen nach Angaben Wolodymyr Selenskyjs zwei weitere Frachtschiffe den von Kiew eingerichteten Getreidekorridor passiert haben. „Die Ukraine stellt die Freiheit der Seefahrt im Schwarzen Meer wieder her“, teilte der ukrainische Präsident am Samstagabend auf der Plattform X (vormals Twitter) mit.
Nach dem Ausstieg Russlands aus dem Abkommen zur Verschiffung von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer versucht Kiew, den Export trotz des Risikos durch russische Angriffe zu organisieren. Russland hatte gedroht, Schiffe, die ukrainische Häfen anlaufen, als Träger militärischer Fracht anzusehen. Das Verlassen der ukrainischen Häfen gilt demnach als geringeres Risiko. Details zu den Schiffen, die nun erfolgreich ausgelaufen waren, nannte Selenskyj nicht.a
„Ich danke allen unseren Hafenarbeitern und allen, die das sichere Funktionieren des Korridors gewährleisten“, sagte Selenskyj. Er forderte die westlichen Verbündeten zudem auf, noch mehr Flugabwehrsysteme zu liefern. „Zusammen können wir die Freiheit der Seefahrt im Schwarzen Meer und darüber hinaus schützen.“ Auch in seiner abendlichen Videobotschaft sagte Selenskyj, dass die Sicherheit der für den Export ukrainischer Güter in die Welt wichtigen Hafenregion Odessa wieder hergestellt werden müsse.
Ukraine-Krieg: So will Russland die Gegenoffensive im Süden abwehren
Update vom 2. September, 17.35 Uhr: Offenbar schickt Russland eine „Reservearmee“ in den Ukraine-Krieg, damit Einheiten aus dem Gebiet Luhansk in den Süden verlegt werden können. Diese sollen dann den Süden gegen die vorrückende ukrainische Gegenoffensive verteidigen. Das berichtet der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) unter Berufung auf Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Die russischen Truppen, die derzeit im Süden der Ukraine kämpfen, würden unter gehörigem psychischen Stress stehen.
Laut ISW setzen die ukrainischen Streitkräfte ihre Gegenoffensive im Westen der Oblast Saporischschja und bei Bachmut fort. Aufnahmen würden neue Fortschritte bei Klischtschijiwka, nordwestlich von Bachmut, belegen. Mit Befreiung der Ortschaft Robotyne im Süden der Ukraine war ein Durchbruch gegen Russlands Verteidigungslinien vermeldet worden.
Ukraine-Krieg: Kiew meldet Fortschritte in Raketenprogramm
Update vom 2. September, 14.20 Uhr: Nach eigenen Angaben kann die Ukraine inzwischen von Kiew aus Ziele auf russischem Staatsgebiet in 1.500 Kilometern Entfernung erreichen. Das Land arbeite schon länger an einem Raketen- und Drohnenprogramm, weshalb solche Ziele kein Problem mehr seien, sagte Olexij Danilow im ukrainischen Radio. Der Sekretär des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung machte mit Blick auf die Angriffe auf militärische Ziele klar, dass die auf russischem Staatsgebiet angewendeten Waffen ukrainischer Herkunft seien. Zugleich betonte Danilow, dass die Ukraine nur militärische Ziele angreife. Angegriffen würden Produktionsstätten in Russland für militärische „Komponenten, die unsere Kinder töten“, sagte er. „Dem müssen wir ein Ende bereiten.“ Die Ukraine hatte zuletzt Militärflugplätze im russischen Hinterland und auf der Krim angegriffen.
Update vom 2. September, 13.35 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich optimistisch über den aktuellen Verlauf des Ukraine-Krieges gezeigt. „Die ukrainischen Streitkräfte rücken vor“, schrieb er auf X (Twitter). „Trotz allem und egal, was irgendwer sagt, wir gehen vorwärts, und das ist das Wichtigste. Wir sind in Bewegung.“
Risiken für Russland durch Vorstöße in der Ostukraine
Update vom 2. September, 11.45 Uhr: Indem russische Kräfte gleichzeitig die ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes abwehren und im Osten selbst angreifen, riskiert Russland nach britischer Einschätzung eine Aufteilung seiner Kräfte. Russland setze seine Vorstöße bei Kupjansk im Osten der Ukraine fort und wolle so die ukrainischen Angreifer zwingen, ihre Einheiten zwischen dem Süden und Osten zu spalten, teilte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit. Allerdings könne Russland dadurch selbst gezwungen sein, seine Truppen aufzuspalten, um im Süden auf der Orichiw-Achse einen Durchbruch der Ukraine zu verhindern. Dort hätten ukrainische Kräfte die erste russische Hauptverteidigungslinie erreicht. Einheiten der 58. Armee sowie Luftlandetruppen versuchten, die Ukrainer aufzuhalten.
Update vom 2. September, 10.25 Uhr: Die Ukraine greift seit einigen Wochen vermehrt die Krim an. Auch in der Nacht gab es eine Attacke mit Seedrohnen (s. Update v. 9.15 Uhr). Noch vor dieser Attacke sprach Militärexperte Marcus Keupp von der Militärakademie der Schweizer ETH in der Sendung „ZDFheute“ über den Versuch der Ukraine, die Besatzer von der Halbinsel abzuschneiden. Die Ukraine sei gerade dabei, diese Lücke aufzumachen, erklärte Keupp. „Das ist also ein sehr gefährlicher Moment für die Russen.“ Sollte die Ukraine ihr strategisches Ziel erreichen, sei der Krieg für Russland taktisch verloren, so Keupp. Seine Prognose: „Ich denke schon, dass jetzt in den nächsten Wochen die strategische Entscheidung in diesem Krieg, also zumindest was die Südfront angeht und was die Beschussmöglichkeit auf die Krim angeht, fallen wird.“
Ukraine greift an: Verkehr auf Krim-Brücke in der Nacht angeblich eingestellt
Update vom 2. September, 9.15 Uhr: Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldet neue Details zum ukrainischen Angriff auf die Krim-Brücke (s. Update v. 6.15 Uhr). Demnach hat Kiew gegen 23.15 Uhr Moskauer Zeit mit einem „halbtauchfähigen unbemannten Boot“ einen ersten „Terrorangriff auf die Krimbrücke“ durchgeführt. Eine Marinedrohne sei dabei zerstört worden. Gegen 2 Uhr morgens habe das Verteidigungsministerium zwei weitere Versuche der Ukraine gemeldet, einen „Terroranschlag“ auf die Krimbrücke zu starten. Auch diese Drohnen seien zerstört worden. Der ukrainischen Nachrichtenseite RBC zufolge wurde der Verkehr auf der Brücke in der Nacht eingestellt. Die Angaben konnten nicht überprüft werden.
Update vom 2. September, 8.00 Uhr: Nach Angaben der ukrainischen Armee haben am Freitag an 45 Orten Kampfhandlungen entlang der Front stattgefunden. „Die Streitkräfte der Ukraine führen weiterhin eine Offensivoperation in Richtung Melitopol durch, verschanzen sich an den erreichten Grenzen und kämpfen in Artillerie-Gefechten“, gab die Armee der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform bekannt. Zehn Artilleriegeschütze, zwei Kontrollpunkte, drei Munitionsdepots und eine feindliche Radarstation seien angegriffen worden.
Flugkörper in Oblast Pskow abgeschossen
Erstmeldung: Kiew/Moskau – Einem russischen Gouverneur zufolge hat die Luftabwehr Russlands in der nordwestlichen Region Oblast Pskow einen unbekannten Flugkörper abgeschossen. Gouverneur Michail Wedernikow postete auf Telegram ein Video, das eine Explosion am Himmel zeigt. Laut Wedernikow, hat es sich um ein „nicht identifizierbares Objekt“ gehandelt. Nach dem Abschuss habe es keine Schäden am Boden gegeben. In derselben Region hatte Russland nach eigenen Angaben am Mittwoch über dem Militärflugplatz von Pskow bereits einen Drohnenangriff vereitelt, infolgedessen vier russische Transportflugzeuge beschädigt worden waren.
Ukraine-Krieg: Russland schützt die Krim-Brücke
Russland hat nach britischer Einschätzung besondere Schutzmaßnahmen für die Krimbrücke ergriffen. Mit Stand von Dienstag bestätigten Bilder, dass Russland eine Unterwasserbarriere errichtet habe, schrieb das britische Verteidigungsministerium am Freitag beim Kurznachrichtendienst X. Dafür seien Schiffswracks und treibende Absperrungen genutzt worden. Im südlichen Teil der Brücke befänden sich mehrere Schiffe im Abstand von 160 Metern.
Die Straße von Kertsch, die das Schwarze Meer und das Asowsche Meer verbindet, sei ein Nadelöhr, um russische Streitkräfte in den besetzten Gebieten Cherson und Saporischschja militärisch zu versorgen. „Russland ist sehr abhängig von der Krimbrücke und von Fähren, um die Meerenge zu überqueren“, schrieben die Briten. Russland setze etwa auch Rauchgeneratoren und Luftabwehrsysteme ein.
Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Moskau wirft London Desinformation vor. (Mit Agenturmaterial)