Wie stehen die Chancen?

„Nicht immer Öl ins Feuer gießen“: Kirche pocht auf Waffenruhe im Ukraine-Krieg

+
Wann kommt es zum Ende des Ukraine-Krieges? EKD-Friedensbeauftragter Friedrich Kramer pocht zunächst einmal auf eine Waffenruhe über Weihnachten.
  • schließen

Wann naht das Ende des Ukraine-Krieges? Für den EKD-Friedensbeauftragten Friedrich Kramer dürfe erstmal nicht weiter „Öl ins Feuer“ gegossen werden. Was er konkret meint.

Magdeburg – Kaum, dass der Ukraine-Krieg Ende Februar 2022 begonnen hatte, wurde auch gleich schon über das Ende und den Ausgang der „militärischen Spezial-Operation“ von Wladimir Putin spekuliert. Russlands Präsident will das osteuropäische Land nach wie vor gewaltsam einnehmen, Waffengewalt ist ihm und seinem Militär nicht fremd.

Doch weiß sich die Ukraine weiterhin zu wehren. Nicht zuletzt durch Waffenlieferungen aus aller Welt, die das Land von Präsident Wolodymyr Selenskyj immer wieder erreichen. Dafür hat Friedrich Kramer, Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), kein Verständnis. Sieht er das Ende des Ukraine-Krieges dadurch in weite Ferne gerückt?

Wann endet der Ukraine-Krieg? Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche kritisiert deutsche Waffenlieferungen

Kramer vertritt qua seines Postens eine pazifistische Position. Mit dieser wusste der EKD-Friedensbeauftragte 2022 immer wieder anzuecken. Er weiß, dass er mit seiner Haltung zu den Waffenlieferungen an die Ukraine keine Mehrheit hinter sich hat. Doch hätten für ihn innerhalb der Kirche auch gegensätzliche Positionen zu diesem Thema Platz. Kramer, der auch Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist, forderte nun im Interview mit der dpa, auch international stärkere Bemühungen um eine Waffenruhe – bis hin zum möglichen Ende des Ukraine-Kriegs?

In Bezug auf Russlands militärische Invasion in der Ukraine spricht Kramer von einem „Krieg, der schon lange läuft, das ist die andere Wahrheit, die uns immer deutlicher vor Augen tritt“. Sowohl in der Politik als auch in der Kirche hätte sich durch Wladimir Putins ausgelebten Imperialismus „ein Sinneswandel“ vollzogen. Kramer aber sei bei seiner pazifistischen Position geblieben. Hierfür stehe er auch weiterhin ein, „weil sie eine aus dem christlichen Glauben sich speisende Position ist“. Aber: „Dem Nächsten zu helfen, Nächstenliebe, ist auch eine vertretbare Position.“

Ende des Ukraine-Krieges ungewiss – doch Waffenruhe zu Weihnachten 2022 möglich?

Von einem Ende des Ukraine-Kriegs kann Kramer nur indirekt sprechen. Schließlich wüsste niemand, „wie lang der Krieg geht, ob wir uns auf zwei, vier, sechs, zehn Jahre einstellen müssen“. Wovon der EKD-Friedensbeauftrage indes aber überzeugt ist: „Es wird zwar so getan, als seien Waffen das, was die Sache voranbringt. Aber wenn man genau hinguckt, merkt man auch, es ist wie Öl ins Feuer gießen“. Und:

Wie viele Menschen da sterben, das ist alles fürchterlich. Und ich finde, es muss sofort aufhören. Auch die Weltgemeinschaft müsste viel klarer für eine Waffenruhe eintreten.

Friedrich Kramer, EKD-Friedensbeauftragter, im Gespräch mit der dpa

Ob Kramer denn Hoffnung auf eine Waffenruhe zu Weihnachten hätte? „Das orthodoxe Weihnachtsfest ist am 6. Januar. Vielleicht gibt‘s da auch einen Nachklang. Die russischen Soldaten in der Ukraine und die ukrainischen Soldaten wissen, dass es letztlich ein Brudermord ist“, heißt es in diesem Kontext vom EKD-Friedensbeauftragten. Er spricht vom 1. Weltkrieg, als der Weihnachtsbaum noch im Schützengraben hochgezogen worden sei. Dann hätte man Lieder gesungen und aufgehört, sich umzubringen. „Und vielleicht gelingt das auch“, lässt Kramer seinen Blick auf eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg über Weihnachten schweifen.

„Da sterben Menschen und das muss jetzt sein“: Warum der EKD-Friedensbeauftragte Waffenlieferungen an die Ukraine kritisiert

Angesprochen wird Kramer aber auch auf seinen Verweis, der sich auf eine besondere deutsche Verantwortung nach zwei Weltkriegen bezieht. Aber auch auf die Warnung vor Rüstung, gegenseitiger Bedrohung und einer möglichen Eskalation des Ukraine-Kriegs. In diesem Kontext spricht der EKD-Friedensbeauftragte von einer „Normalität“, die einkehren würde. Bedeutet: „Wenn ich Waffen liefere und letztlich mitfiebere, dass die Ukraine gewinnt, bin ich ja innerlich auch bereit, diesen Krieg mitzurechtfertigen, und zu sagen, da sterben eben Menschen und das muss jetzt sein“.

Doch sei jeder einzelne Tote im Ukraine-Krieg einer zu viel. Gleichzeitig könne man aber auch nicht sagen, man lasse den Russen freien Lauf. Hier macht Kramer eine „Spannung“ aus, Krieg sei letztlich das „Gegenteil von Demokratie“ – und lasse keine „Vielstimmigkeit“ zu. Und das Ende des Ukraine-Krieges ist weiterhin nicht greifbar.

Kommentare