Nach umstrittener Aussage

Fridays for Future Deutschland distanziert sich von Greta Thunberg

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Nach Greta Thunbergs neuen Äußerungen zu Palästina geht Fridays for Future Deutschland auf Distanz: „Wir stehen für uns selbst.“

Den Haag/ Berlin – Greta Thunbergs erneuter Einsatz für Palästina beschäftigt Fridays for Future Deutschland: Der deutsche Ableger geht auf Distanz zu der Ikone der Klimaschutzbewegung. Zuvor hatte sich auch bereits Ricarda Lang (Grüne) kritisch geäußert. Thunberg hatte am Wochenende unter anderem Palästina als „besetztes Gebiet“ bezeichnet, indem sie „No climate justice on occupied land“ skandierte. „Ich bin für eine Klimademonstration hierhergekommen, nicht, um politische Ansichten zu hören“, hatte ihr ein Demonstrant, der auf die Bühne gesprungen war, entgegengehalten.

Es war die größte Klimaschutzdemonstration in der Geschichte der niederländischen Hauptstadt: Am Sonntag nahmen zwischen 70.000 und 85.000 Menschen an einer Demonstration teil – so viele wie nie zuvor. In einer gemeinsamen Erklärung verwiesen Organisationen wie Extinction Rebellion, Fridays for Future, Oxfam und Greenpeace auf die Bedeutung der Parlamentswahlen am 22. November. Diese seien für den Klimaschutz „die wichtigsten, die es jemals gab“.

Fridays for Future Deutschland distanziert sich von Greta Thunberg

Fridays for Future Deutschland hat sich nun von Greta Thunberg distanziert:

Wir haben bei Fridays for Future Deutschland eine eindeutige Beschlusslage: Wir stehen als Bewegung klar gegen jeden Antisemitismus. Dabei machen wir keine Kompromisse. Wir stehen ein für den Schutz von jüdischem Leben – hier und überall. Auch deshalb haben wir die Prozesse mit der internationalen Vernetzung ausgesetzt. Greta Thunberg verletzt mit ihrer Positionierung gerade viele Menschen. Für uns ist dabei entscheidend: Sie vertritt Fridays for Future Deutschland nicht, wir stehen für uns selbst. 

Fridays for Future Deutschland

Bereits im Oktober hatte sich Greta Thunberg für Palästina eingesetzt, aber nicht gegen die Gräueltaten der Hamas ausgesprochen. Fridays for Future Deutschland hatte sich damals von dem internationalen Account von Fridays for Future distanziert, auf dem Anschuldigungen gegen den israelischen Staat und „westliche Medien“ erhoben worden waren.

Demonstrant warnt vor Spaltung der Klimabewegung: „Ich fühlte mich missbraucht“

Auf die Bühne gesprungen war ein Mann namens Erjan Dam, pensionierter Physiotherapeut und Klimaaktivist. Dem Spiegel sagte er über seine Eindrücke auf der Demo: „Ich fühlte mich missbraucht – und viele andere Teilnehmer auch.“ Und er warnte vor einer Spaltung der Klimabewegung: „Wenn Greta Thunberg oder andere führende Aktivisten ständig über die Palästina-Frage sprechen, sorgt das für Uneinigkeit. Menschen, die anderer Meinung sind, werden von solchen Reden abgestoßen. Das schadet der Sache“, sagte er weiter und forderte: „Die Klimaschutzbewegung sollte sich auf ihr Kernthema konzentrieren: den Klimaschutz.“

Erst am Montag war eine aktuelle Studie bekannt geworden, die bescheinigt, dass weltweit zu wenig für den Klimaschutz getan wird.  „Trotz jahrzehntelanger eindringlicher Warnungen und Weckrufe haben unsere Politiker dabei versagt, auch nur annähernd Klimaschutz im erforderlichen Tempo und Umfang zu mobilisieren“, so die Studienautorin. Um die Klimaerwärmung auf einem für Menschen erträglichen Maß zu halten, müssten bei erneuerbaren Energien, Kohleausstieg und dem Verringern von Subventionen von Öl und Gas noch enorme Anstrengungen geleistet werden. (dpa/kat)

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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