Millionen auf den Straßen

„No Kings“-Proteste: Bürgerrechtler warnen vor Überwachung durch Trump

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Landesweit ziehen Millionen gegen Trumps Kurs auf die Straßen. Aktivisten betonen den friedlichen Protest – und warnen vor Eingriffen in Grundrechte.

Washington, D.C. – In dutzenden US-Metropolen und hunderten Kleinstädten sind am Samstag (18. Oktober) erneut Menschen gegen die Politik von Präsident Donald Trump auf die Straße gegangen. Familien mit Kindern, Studierende, Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und Rentnerinnen marschierten mit Schildern, Kostümen und US-Flaggen – vielerorts in Straßenfest-Atmosphäre, aber mit klarer Botschaft: „No Kings“ – keine Könige in Amerika.

Demonstrierende in New York fordern am 18. Oktober auf dem Times Square ein Ende autoritärer Politik – wenige Stunden später verbreitet Donald Trump auf seiner Plattform ein KI-Video, das ihn mit Krone in einem Kampfjet über den Protesten zeigt.

Organisatoren sprachen von knapp sieben Millionen Teilnehmenden an mehr als 2.700 Orten – deutlich mehr als bei der ersten Runde im Juni. Auch große Plätze wie der Times Square in New York, die Pennsylvania Avenue in Washington und Grant Park in Chicago füllten sich, während kleinere Kundgebungen an Highways, in Vorstädten und Parks stattfanden. Die Ereignisse verliefen überwiegend friedlich; vielerorts blieb die Polizei im Hintergrund, berichtet Reuters.

No-Kings-Proteste: Bürgerrechtler warnen vor Überwachung durch Donald Trump

Bürgerrechtsorganisationen verbinden die Massenproteste mit einer Warnung vor Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die American Civil Liberties Union (ACLU) sprach von einem landesweiten, gewaltfreien Zeichen gegen „Machtmissbrauch“ und kündigte an, alles für den Schutz von Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit zu tun.

In Washington kritisierte Wissenschafts-Kommunikator Bill Nye gegenüber NBC News die Regierung: „Sie fördern nicht den Fortschritt der Wissenschaft. Sie unterdrücken ihn – zum Nachteil unserer Gesundheit, unseres Wohlbefindens und unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Das ist eine Formel für das Scheitern.“

Protest gegen Trump-Politik in Washington – und Sorge wegen Nationalgarde

An vielen Orten in Washingtons Stadtbild findet man Anti-Trump-Plakate.
An vielen Orten in Washingtons Stadtbild findet man Anti-Trump-Plakate. © Peter Sieben
Epstein-Plakat in Washington
Protestler fordern die Veröffentlichung der „Epstein-Files“, in die auch der US-Präsident verwickelt sein soll, sagen Regierungskritiker. © Peter Sieben
„No Kings“-Plakate
Die „No Kings“-Bewegung wächst in den USA: Viele Menschen haben die Sorge, dass Trump zu viel Macht auf sich bündelt. © Peter Sieben
Demo-Plakate in Washington
Ankündigung von Demos am 18. Oktober 2025.  © Peter Sieben
Derweil patrouillieren Nationalgardisten durch mehrere Städte in den USA.
Derweil patrouillieren Nationalgardisten durch mehrere Städte in den USA. © Peter Sieben
Nationalgarde in Washington, D.C.
Eine Form der Einschüchterung, sagen Trump-Gegner – mit einem Langfrist-Kalkül: Die Bevölkerung solle sich an den Anblick von Soldaten in ihren Heimatstädten gewöhnen.  © Peter Sieben
Protest am Rande der IWF-Herbsttagung gegen die Klimapolitik von Donald Trump.
Protest am Rande der IWF-Herbsttagung gegen die Klimapolitik von Donald Trump.  © Peter Sieben
Klimaprotest in Washington
Die Protestaktionen sollen schnell gehen – bevor die Aufmerksamkeit von Sicherheitskräften allzu groß wird. © Peter Sieben
Demonstrant Christian mit Trump-Maske: „Es ist gefährlich geworden, zu demonstrieren.“
Demonstrant Christian mit Trump-Maske: „Es ist gefährlich geworden, zu demonstrieren.“ © Peter Sieben

Parallel berichten Teilnehmer und Beobachter von Maßnahmen, die sie als Überwachung empfinden: In mehreren Bundesstaaten wurden Nationalgardisten „zur Beobachtung möglicher Unruhen“ in Bereitschaft versetzt, in New York kreisten Hubschrauber und Drohnen über Demonstrationszügen, so NBC News und die BBC. In Portland kämpfen Stadt und Bundesstaat zudem juristisch gegen Trumps Pläne zur Nationalgarde-Entsendung.

New York, Washington, Chicago: Bilder eines Protestritts der No-Kings-Bewegung

In New York City meldeten die Behörden mehr als 100.000 Teilnehmende in allen fünf Bezirken, einer der größten Aufzüge füllte den Times Square. Dort trugen Demonstrierende Schilder wie „I Pledge Allegiance to No King“ (deutsch: „Ich schwöre keinem König die Treue“) und skandierten „No more Trump!“, schreibt die New York Times. Auf die Frage nach einem Kommentar zu den Protesten antwortete eine Sprecherin des Weißen Hauses knapp: „Wen kümmert’s?“ – „Who cares?“.

In Chicago zog sich der Marsch zeitweise über 22 Blocks. Gouverneur J. B. Pritzker rief dazu auf, „die Vorstellung einer Regierung mit unbegrenzter Macht“ zurückzuweisen. In Washington waren Familien und Kinder prominent vertreten, auf der Pennsylvania Avenue wurden Botschaften auf eine große Replik der US-Verfassung geschrieben.

„No Kings – das steckt hinter der Bewegung“

Was: Landesweite Protestbewegung gegen Donald Trumps Regierungsstil, der von Gegnern als autoritär bezeichnet wird.

Wann: 18.10.2025 (zweite Großdemonstration nach Juni)

Wo: Über 2.700 Orte in allen 50 Bundesstaaten, u. a. New York, Washington, Chicago, Los Angeles, Atlanta.

Teilnehmerzahl: Rund 7 Millionen Menschen laut Veranstaltern.

Organisatoren: u. a. Indivisible, MoveOn, ACLU, 50501, Human Rights Campaign.

Motto: „No Kings“ – Symbol gegen Machtmissbrauch, für Demokratie und Bürgerrechte.

Besonderheit: Friedliche, oft familienfreundliche Proteste mit Kostümen und Musik.

Reaktion des Weißen Hauses: Sprecherin kommentierte: „Wen kümmert‘s.“ Trump teilte KI-Videos, die ihn als „King Trump“ zeigen.

„No Kings“: Internationale Solidarität und breite Trägerschaft gegen Trump

„No Kings“-Kundgebungen fanden auch im Ausland statt – etwa vor US-Botschaften und Konsulaten in Prag, Wien, Malmö und in Berlin am Brandenburger Tor. In London, schreibt die BBC, versammelten sich mehrere Hundert Menschen vor der US-Botschaft.

Getragen wurde der Tag von einem breiten Bündnis nationaler und lokaler Gruppen – darunter Indivisible, 50501, MoveOn, ACLU, HRC und Gewerkschaften. Die Organisatoren betonen, Zehntausende in Deeskalation geschult zu haben, Waffen seien bei den Demos strikt untersagt, heißt es auf der „No-Kings“-Webseite.

Stimmen der Straße – „No Kings“-Teilnehmer von Utah bis Kalifornien

Stimmen der Straße – von Utah bis Kalifornien„Wir können über Politik streiten und Lösungen diskutieren“, sagte der Anwalt Chris Scharman in Salt Lake City gegenüber der New York Times. „Aber wir sollten nicht über den Wert von Menschen debattieren.“ Bianca Diaz erklärte in Chicago, sie wolle, dass ihre Tochter „das erlebt“ – Protest als gelebte Bürgerpflicht.

Viele verbanden ihre Teilnahme mit konkreten Anliegen: Schutz von Einwanderern, Kritik an Nationalgarde-Einsätzen in Städten, Sorge über Kürzungen bei Gesundheitsprogrammen sowie über die Behandlung von Regierungsbediensteten während des Shutdowns, bemerkt die Washington Post.

„No Kings“: Republikaner diffamieren Demonstranten als Demokratie-Hasser

Führende Republikaner versuchten im Vorfeld, so The Guardian, den Tag als „Hate America“-Rallye zu framen, zugleich hieß es, die Proteste verlängerten den Regierungs-Stillstand. Trump selbst wies die „Königs“-Zuschreibung laut Reuters zurück: „Sie sagen, sie beziehen sich auf mich als König. Ich bin kein König“ – „I’m not a king“.

Doch nur Stunden nach Ende der Kundgebungen verbreitete der Präsident auf seiner Plattform Truth Social ein KI-generiertes Video, das ihn in einem Kampfjet mit der Aufschrift „KING TRUMP“ zeigt – beim Abwurf brauner Flüssigkeit auf Demonstrierende in New Yorks Times Square. Dazu läuft Kenny Loggins’ „Danger Zone“, bekannt aus dem Film Top Gun.

Ferner kursierten in Trumps Umfeld weitere KI-Bilder, die ihn mit Krone zeigten, erklärt Axios, die Botschaft der Straße blieb daher dennoch: „Die Macht gehört dem Volk“. Demokratische oder unabhängige Spitzenpolitiker wie Bernie Sanders und Chris Murphy, schreibt CNN, nahmen an Kundgebungen teil und warnten vor einem Plan zur Zerstörung der Demokratie, setzten aber auf die Kraft friedlicher Massenproteste.

Friedliche Proteste gegen Trump – „No Kings“ dennoch unter Beobachtung?

Die New Yorker Polizei meldete „null“ protestbezogene Festnahmen, auch andernorts blieb es überwiegend ruhig, konstatiert Reuters. Bürgerrechtsgruppen sehen dennoch eine bedenkliche Verschiebung: „Heute haben Millionen gezeigt, dass wir nicht zum Schweigen gebracht werden“, erklärte die ACLU – und verwies auf „Know Your Rights“-Ressourcen, Trainings und rechtliche Unterstützung.

Veteranen-Organisationen mahnten vor der „Kriminalisierung friedlicher Proteste“ und „Truppen in amerikanischen Städten“: „Wir haben keinen Eid auf einen König geschworen. Wir haben auf die Verfassung geschworen“, so der Veteran Naveed Shah von Common Defense auf nokings.org.

No-Kings-Bewegung gegen US-Präsident Trump: Wie es weitergeht

Das Bündnis kündigte weitere Aktionen und Schulungen an – und betonte, die Bewegung reiche „weit in konservative Regionen“ hinein. Unabhängige Schätzungen liegen teils auseinander, Einigkeit herrscht indes darüber, dass es eine der größten Protestwellen der vergangenen Jahre war, erklärt unter anderem die Washington Post.

Unterdessen setzen sich lokale Behörden und Gerichte mit Trumps Nationalgarde-Einsätzen, Einwanderungsrazzien und Beschneidungen zivilgesellschaftlicher Räume auseinander. Für die Protestbewegung bleibt das zentrale Motiv bestehen: Widerstand gegen autoritäre Tendenzen – gewaltfrei, sichtbar, ausdauernd. (Quellen: New York Times, NBC News, The Guardian, CNN, BBC, Washington Post, Axios, Reuters, NoKings.org) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Foto links: IMAGO / Kyodo News | Foto rechts: Truth Social (Screenshot)/@realDonaldTrump

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