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Nils Thomas Hinsbergerschließen
Donald Trumps Anhänger wettern gegen Millionen von Bürgern. Die wollen sich nicht unterkriegen lassen und demonstrieren „für die Demokratie“. So liefen die Proteste.
Update, 16.51 Uhr: Der ehemalige MSNBC-Moderator Mehdi Hasan hat bei den No Kings Protesten in Washington mit einem beißenden Witz über Donald Trump für Lacher gesorgt. Bei seiner Rede machte sich Hasan über Trumps Ehefrauen lustig und sagte über Einwanderer: „In der Tat waren zwei seiner drei Ehefrauen Einwanderer, was wieder einmal beweist, dass Einwanderer die Jobs machen werden, die selbst Amerikaner nicht bereit sind zu tun.“
Der Gründer des Medienunternehmens Zeteo bezog sich dabei auf First Lady Melania Trump aus Slowenien und Trumps erste Ehefrau Ivana Trump aus Tschechien. Die landesweiten Proteste verliefen laut Daily Beast friedlich, während republikanische Politiker im Vorfeld vor „Terroristen“ und „Extremisten“ gewarnt hatten.
Update, 13.30 Uhr: Auf die „No Kings“-Proteste hat Trump jetzt auf eklige Weise reagiert: Er stellte ein KI-generiertes Video auf Truth Social online. Dieses zeigt ihn als Piloten eines Kampfjets, welcher die Aufschrift „King Trump“ trägt – und mit dem Flieger wirft er dann braunen, an Kot erinnernden Schlamm über Demonstranten ab.
„No Kings“-Proteste: Bürgerrechtler warnen vor Überwachung durch Trump
Update, 11.58 Uhr: „No Kings“-Demos fanden übrigens auch außerhalb der USA statt. Bürgerrechtsorganisationen verbinden die Proteste mit einer eindringlichen Warnung – denn in New York zum Beispiel kreisten Hubschrauber und Drohnen über Demonstrationszügen. Die Details in Bürgerrechtler warnen vor Überwachung durch Trump.
„No Kings“-Demos in den USA und weltweit – Trump: „Ich bin kein König“
Update, 10.35 Uhr: Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hat die „No Kings“-Demos als „Hass-Amerika-Kundgebung“ bezeichnet, wie Reuters berichtet. US-Präsident Donald Trump selbst äußerte sich zurückhaltend. Dem Sender Fox sagte er: „Sie bezeichnen mich als König – ich bin kein König.“
Massenproteste gegen Trump in den USA: Vergleich mit Diktator Stalin
Update, 9.46: Bei mehreren „No Kings“-Demos trugen Menschen Transparente, in denen Trump als Verkörperung des sowjetischen Diktators Josef Stalin, als Königin von England oder als Sonnenkönig Ludwig XIV. dargestellt wurde. Oft wurde der Republikaner in Slogans zum Rücktritt aufgefordert.
„No Kings“-Massenproteste gegen Trump – „sind am Kipppunkt zum Faschismus“
Update, 19. Oktober, 7.24 Uhr: Millionen Menschen sind unter dem Motto „No Kings“ gegen Donald Trumps Politik auf die Straße gegangen. Eine Szene aus Boston: Auf Plakaten war zu lesen: „Nein zur Autokratie, ja zur Demokratie“ oder „Hände weg von unseren Nachbarn“. Von einer Bühne rief jemand, „Wehre dich – No Kings“, worauf die Menge im Chor „No Kings“ zurückrief.
Verschiedene Gruppen scheinen sich inzwischen auch zunehmend untereinander zu organisieren: Etliche Initiativen sind unter dem Dach von „No Kings“ vereint. Die Organisatoren sprachen von fast sieben Millionen Teilnehmern in mehr als 2.700 Städten und Ortschaften – rund zwei Millionen mehr als noch im Juni. „Der Präsident glaubt, seine Macht sei absolut“, heißt es auf der Website. „Aber in Amerika haben wir keine Könige.“
In New York City nahmen laut Polizei mehr als 100.000 Menschen friedlich an Protesten in der ganzen Stadt teil. Teilnehmer äußerten Sorge um den Zustand der US-Demokratie. „Wir sind am Kipppunkt zum Faschismus“, sagte etwa eine junge Frau namens Meg. Die 93-jährige Stephanie erklärte, sie habe schon gegen den Vietnamkrieg protestiert und viele Präsidenten erlebt, „aber dieser ist so schlimm, dass wir etwas tun müssen“.
Der Künstler Michael sagte, die Mächtigen in den USA - weiße Männer - brächten absichtlich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und Sexualität gegeneinander auf, um ihre eigene politische Macht zu erhalten. Auffällig waren in New York wie anderswo bunte, aufblasbare Kostüme. „Ich will das Narrativ widerlegen, dass wir gefährlich oder gewalttätig sind“, sagte Michelle, die als Hase verkleidet war. „Wir verteidigen unser Land mit Freude.“
Update, 21:46 Uhr: Bei den „No Kings“-Protesten in den USA sind auch bekannte Demokraten und Trump-Kritiker unter den Demonstrierenden: Der Vorsitzende der Minderheitsfraktion im Senat, Chuck Schumer, erklärte etwa auf der Plattform X, gemeinsam mit Gewerkschaften und anderen in New York City mitmarschiert zu sein. Und auch Elizabeth Warren, Senatorin von Massachusetts, sprach vor Tausenden von Demonstranten, die sich auf dem Boston Common zur „No Kings“-Kundgebung versammelt hatten: „Wenn wir uns nicht vor Königen oder Tyrannen verneigen, verlieren sie ihre Macht“, sagte Warren laut NBC News bezogen auf US-Präsident Trump.
„No Kings“: Bernie Sanders kritisiert Trump und US-Tech-Giganten
In der US-Hauptstadt richtete sich der parteilose progressive Senator Bernie Sanders an die Demonstrierenden: Sanders kritisierte laut CNN die Politik des US-Präsidenten – darunter seine Bemühungen, US-Militärs in Städte zu entsenden, aggressiv gegen Migranten ohne Papiere vorzugehen, Medienorganisationen einzuschüchtern und politische Gegner zu bestrafen. „Hier geht es nicht nur um die Gier eines Mannes, die Korruption eines Mannes oder die Verachtung eines Mannes für die Verfassung“, erklärte Sanders.
„Es geht um eine Handvoll der reichsten Menschen der Welt, die in ihrer unersättlichen Gier unsere Wirtschaft und unser politisches System gekapert haben, um sich auf Kosten der arbeitenden Familien in diesem Land zu bereichern“, fuhr er fort und nannte auch die Namen der Männer, an die er seine Kritik richtete: „Ich spreche von Elon Musk, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und den anderen Multimilliardären, die bei Trumps Amtseinführung direkt hinter ihm saßen.“
Proteste gegen Trump: Governeur von Illinois spricht bei „No Kings“-Demos
Update vom 18. Oktober, 21:05 Uhr: Die „No Kings“-Proteste finden am Samstag, 18. Oktober (Ortszeit) in vielen Städten in den USA statt. In Chicago sprach der dortige Gouverneur von Illinois zu den Demonstrierenden, wie NBC berichtet. „Die Geschichte wird uns danach beurteilen, wo wir uns heute, in diesem Moment, positionieren. Zukünftige Generationen werden fragen: ‚Was haben wir getan, als unsere Mitmenschen verfolgt wurden? Als unsere Rechte beschnitten wurden? Als unsere Verfassung angegriffen wurde?‘“, fragte er.
„Sie werden wissen wollen, ob wir uns gewehrt oder geschwiegen haben.“ Illinois ist demokratisch regiert, in Chicago gibt es immer wieder Proteste gegen die Aktivitäten der Einwanderungsbehörde ICE. Donald Trump will die Nationalgarde nach Chicago entsenden; das wurde vor einer Woche von einem Gericht gestoppt. Der Streit liegt aktuell vor dem Supreme Court, dem US-Verfassungsgericht.
„No Kings“: Millionen demonstrieren in den USA gegen Trump
Erstmeldung: Washington, D.C. – Dass Donald Trump nicht mit Kritik umgehen kann, ist ein offenes Geheimnis. Sobald Medien den US-Präsidenten im negativen Licht darstellen, werden diese gleich als „Fake News“ bezeichnet. Negative Berichterstattung zu seiner Person nannte er vergangenen Monat sogar illegal. „Sie nehmen eine tolle Story und machen daraus eine schlechte“, zitiert ihn die New York Times im Oval Office. „Ich halte das für wirklich illegal.“
Umso schlimmer für Trump, dass am Samstag (18. Oktober) eine ganze Welle der Kritik auf ihn zuzurollt. Denn Millionen von Menschen wollen sich an den „No Kings“-Protesten gegen die Politik der US-Regierung beteiligen. Wie MSNBC berichtet, bedeutet das für die Republikaner „DEFCON 1“ – höchste Alarmbereitschaft.
Panik vor „No Kings“-Protesten – Republikaner nennen Demos gegen Trump unamerikanisch
Entsprechend scharf wird die Rhetorik der Republikaner gegen die Millionen von Bürgerinnen und Bürgern, die am Samstag von ihrem demokratischen Recht auf Demonstrationen Gebrauch machen wollen. Laut der Washington Post verunglimpfen Unterstützer Trumps die geplanten Demonstrationen bereits im Vorfeld als unamerikanisch. Der Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson und weitere Abgeordnete würden den Demonstrierenden vorwerfen, die USA zu „hassen“. Die Proteste seien gar ein Mittel, den „terroristischen Flügel“ der US-Demokraten zu beschwichtigen, zitiert die Post.
Protest gegen Trump-Politik in Washington – und Sorge wegen Nationalgarde




„Wir nennen es die ‚Hass-Amerika‘-Kundgebung, die am Samstag stattfinden wird. Mal sehen, wer sich dazu gesellt“, so Johnson auf einer Pressekonferenz am Mittwoch (15. Oktober). Er sagte voraus, dass bei den Protesten „Hamas-Anhänger“, „Antifa-Anhänger“ und „Marxisten“ zu sehen sein werden. Damit nutzt Johnson wohl die von Trump verabschiedete Einordnung der Antifa als Terrororganisation, um unliebsame Proteste zu delegitimieren.
Vor dieser Praxis haben kurz nach der Entscheidung mehrere Experten gewarnt. Der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent erklärte gegenüber FR.de von Ippen.Media, dass Trump die Antifa als Terrororganisation hat einstufen lassen, um „Protestbewegungen und oppositionelle Milieus (...) einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen.“
Demokraten verurteilen republikanischen Protest gegen Anti-Trump-Demos
Gegen die Angriffe auf die „No Kings“-Proteste aus dem republikanischen Lager, regt sich Widerstand. Die US-Demokraten verurteilen die verbalen Entgleisungen der MAGA-Anhänger scharf. „Die republikanischen Attacken auf die No Kings-Proteste sind widerlich“, schrieb der demokratische Senator Chris Murphy auf X. „Für sie sind nur Pro-Trump-Äußerungen geschützt. Wer sich gegen Trump ausspricht, ‚hasst Amerika‘ oder ist ein ‚Terrorist‘.“
Die Demonstrierenden erhalten auch prominente Unterstützung. So hat der US-Senator und entschiedene Trump-Kritiker Bernie Sanders bereits seine Teilnahme an den Protesten angekündigt. Auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris rief zur Teilnahme an den Demonstrationen auf. Jimmy Kimmel, dessen Late-Night-Show zuletzt auf Druck der Trump-Regierung kurzzeitig abgesetzt wurde, macht den Demonstrierenden sogar Vorschläge für Protestschilder: „Erinnert euch, unser Präsident ist sehr sensibel, wenn es um sein Gewicht geht“, sagte er in seiner Sendung. Namen wie „King Hungry The Eighth“ (König Hungrig der Achte) sollten deshalb besser vermieden werden.
Proteste gegen Trump-Regierung: „No Kings“-Demos nach Militäreinsätzen in US-Städten
So kreativ die Proteste in den USA auch werden können, sie beruhen auf sehr ernsten und historischen Entwicklungen in den USA. Trump und seine Regierung gehen rigoros gegen Migrantinnen und Migranten vor und setzen das Militär in mehreren Städten ein. Ziel solcher Aktionen sind vor allem solche Gebiete, die von Demokraten regiert werden. Die Nationalgarde soll so die Arbeit der Migrationsbehörde ICE unterstützen und die angeblich hohen Kriminalitätszahlen in demokratisch geführten Städten senken.
Auf ihrer Webseite schreiben die Veranstalter der „No Kings“-Proteste dazu: „Im Juni gingen Millionen Amerikaner aus allen Gesellschaftsschichten friedlich auf die Straße und verkündeten einstimmig: keine Könige.“ Nun verschärfe Trump die Situation und schicke „bewaffnete Agenten in unsere Gemeinden, bringt Wähler zum Schweigen und verteilt Geschenke an Milliardäre“, während weite Teile der Bevölkerung in Not gerieten. „Es geht um Demokratie gegen Diktatur. Und gemeinsam entscheiden wir uns für die Demokratie.“ (Quellen: NBC, New York Times, MSNBC, Washington Post, Webseite „No Kings“, X) (nhi)
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