Debatte um Brosius-Gersdorf

Koalitionskrise um Richterwahl: Union blockiert SPD-Kandidatin – was nun?

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Schwarz-Rot steckt mit der geplatzten Richterwahl in der Krise. Die Lage wirkt verfahren. Wie können Union und SPD den Konflikt lösen? Vier Szenarien:

Berlin – Die Sommerpause dürfte sich die schwarz-rote Regierung anders vorgestellt haben: Angesichts der kurzfristig abgesagten Richterwahl sieht es für Bundeskanzler Friedrich Merz und die Koalition aus Union und SPD derzeit nicht nach erholsamen Wochen aus. Eine Lösung aus der Koalitionskrise scheint nicht in Sicht.

Koalitionskrise nach abgesetzter Richterwahl: Wie geht es weiter?

„Die SPD ist sehr klar, wir halten an unserer Kandidatin fest“, machte Parteichef Lars Klingbeil jüngst noch einmal deutlich. Auch die Staatsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf will ihre Kandidatur zunächst nicht aufgeben. In der Unionsfraktion brodelt es weiter: Eine Mehrheit für die SPD-Kandidatin für Karlsruhe scheint aktuell weiter unsicher: wie also raus aus der Krise? Diese Optionen bleiben Schwarz-Rot nach der geplatzten Richterwahl:

Szenario eins: Bundestag holt Richterwahl nach – mit Brosius-Gersdorf als SPD-Kandidatin

Der schnellste Ausweg wäre eine zügig nachgeholte Wahl der Verfassungsrichterinnen und Verfassungsrichter – unter Beibehaltung der Kandidaten. Auf diese Variante drängen die Grünen seit Tagen und fordern eine Sondersitzung noch in der Sommerpause. In der SPD würden einige sich mehr Zeit lassen wollen und auf eine Nachhol-Richterwahl nach der Sommerpause setzen, berichtet der Spiegel; in der Hoffnung, dass sich die Lage beruhigt. Andere Sozialdemokraten teilen diese Hoffnung jedoch nicht, heißt es.

Kurzfristig abgesagte Richterwahl: Wie kommt Schwarz-Rot aus der Koalitionskrise? (Symbolbild)

Mit Blick auf die nach wie vor öffentlich geäußerte Kritik an der SPD-Kandidatin, scheinen jene Zweifler innerhalb der SPD recht zu haben: Bislang bricht die Unions-Kritik nicht ab. Die Richterinnen und Richter werden in geheimer Abstimmung gewählt. Niemand kann garantieren, dass genügend Unionsleute mitziehen. Nach der kurzfristig abgesagten Wahl dürfte die schwarz-rote Koalition wohl kaum eine zweite Pleite in Form einer gescheiterten Wahl in Kauf nehmen.

Union und SPD sind bei der Wahl der Verfassungsrichterinnen und Verfassungsrichter mangels einer eigenen Zweidrittel-Mehrheit ohnehin auf Stimmen der Oppositionsparteien angewiesen. Die Grünen haben sich in den vergangenen Tagen hinter Brosius-Gersdorf gestellt. Das würde jedoch für die benötigte Mehrheit nicht ausreichen. Sollte auch die Linkspartei geschlossen zustimmen, dürften dennoch nicht mehr als 57 Stimmen von Unions-Abgeordneten fehlen. Die Zahl derer unter den 208 CDU/CSU-Abgeordneten, die sich gegen sie gestellt haben, soll bei etwa 60 liegen.

Wie kommen Union uns SPD aus der Krise? Szenario zwei: SPD zieht Richterwahl-Kandidatin zurück

Die zweite, von der SPD bereits ausgeschlossene, Variante: Die Sozialdemokraten ziehen Brosius-Gersdorf als Kandidatin fürs Verfassungsgericht zurück. Eine Option, die innerhalb der Union wohl auf Zustimmung treffen dürfte. Mit Blick auf den öffentlich geäußerten Rückhalt für Brosius-Gersdorf, erscheint dieses Szenario aktuell höchst unwahrscheinlich.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Nicht nur Lars Klingbeil äußerte in den vergangenen Tagen seine Unterstützung für die Kandidatin. Die Sprecherin der SPD-Linken im Bundestag, Carmen Wegge, erklärte, die Sozialdemokraten würden ihre Kandidatin „auf keinen Fall“ zurückziehen. Die SPD würde damit einer „rechtsextremen Hetzkampagne“ nachgeben: „Das wäre ein fatales Signal für die Demokratie.“

Geplatzte Richterwahl: Was nun?

  • Erstes Szenario: Schnelle Richterwahl; Brosius Gersdorf bleibt Kandidatin der SPD
  • Zweites Szenario: Die SPD zieht ihre Kandidatin zurück
  • Drittes Szenario: Frauke Brosius-Gersdorf zieht ihre Kandidatur zurück
  • Viertes Szenario: Der Bundesrat entscheidet

Drittes Szenario nach geplatzter Richterwahl: Brosius-Gersdorf zieht Kandidatur zurück

Ein Szenario, das aktuell durchaus wahrscheinlicher erscheint: Frauke Brosius-Gersdorf entschließt sich selbst zu ihrem Rückzug. Zwar hatte die Juristin in der ZDF-Talksendung Markus Lanz erklärt, an ihrer Kandidatur festzuhalten – hielt sich den Verzicht auf die Nominierung dennoch offen.

Auf die Frage, ob die geplatzte Richterwahl und der Streit um ihre Person nicht dem Bundesverfassungsgericht schade, antwortete sie: „Sobald das auch nur droht, würde ich an meiner Nominierung nicht festhalten.“ Brosius-Gersdorf betonte: „Das ist ein Schaden, den kann ich gar nicht verantworten. Ich möchte auch nicht verantwortlich sein für eine Regierungskrise in diesem Land.“  Die Potsdamer Staatsrechtlerin könnte sich also am Ende möglicherweise selbst für einen Rückzug entscheiden. Auch sie sprach jedoch – wie auch Grüne, SPD und Linke – davon, dass es „in Teilen eine Kampagne“ gegen ihre Person gebe; gewonnen hätten mit ihrem Rückzug vor allem diejenigen, die sie angefeindet haben.

Szenario vier: Bundesrat übernimmt Richterwahl

Ein viertes Szenario: Sollte der Bundestag sich nicht über die Richter-Nachbesetzungen einigen können, geht die Entscheidung an den Bundesrat über. Das wäre das Eingeständnis, dass das Parlament nicht mehr voll entscheidungsfähig ist. Aber auch dort ist dann eine Zweidrittelmehrheit nötig. Und deswegen ist auch dort die Entscheidungsfindung nicht unbedingt einfacher.

Im Falle der SPD-Kandidatin Frauke Brosius Gersdorf dürfte aufgrund des vorgeschriebenen Verfahrens jedoch ab Anfang September erst einmal das Bundesverfassungsgericht Vorschläge unterbreiten. Sollte auch dann keine Einigung im Bundestag zustande kommen, könnte der Bundesrat übernehmen.

Für Union und SPD dürfte auch dieser Ausweg nicht der favorisierte sein. Friedrich Merz erklärte am Dienstag, er setze darauf, dass es am Ende eine Mehrheit im Bundestag gibt: „Mein Wunsch wäre, dass wir im Deutschen Bundestag zu Lösungen kommen und dass wir nicht den Ersatzwahlmechanismus auslösen müssen, dass der Bundesrat die Wahl vornimmt, die eigentlich der Bundestag vornehmen müsste.“ (pav mit dpa)

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