„Schiefe“ Debatte um SPD-Kandidatin

Grüne nach geplatzter Richterwahl: Auftrag der Union liege nicht „in Annäherung an AfD-Positionen“

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Nach der abgesagten Richterwahl richten die Grünen Vorwürfe an die Union: CDU/CSU habe „Debatten aus rechten Kreisen ungefiltert ins Parlament“ getragen.

Berlin – Nach der kurzfristig abgesagten Richterwahl am Freitag (11. Juli) bleibt nach wie vor offen, wie Union und SPD den Konflikt lösen können. Die Sozialdemokraten stehen hinter ihrer Kandidatin; eine Mehrheit für die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf scheint aufgrund des Widerstands innerhalb der Union weiter unsicher. Auch die von der SPD nominierte Staatsrechtlerin hält an ihrer Kandidatur fest. Die Grünen sehen insbesondere CDU und CSU in der Pflicht.

Koalitions-Konflikt nach abgesagter Richterwahl: Grüne appellieren an Union und SPD

„Wir erwarten, dass die Union besser heute als morgen wieder den Kurs der Verantwortung einschlägt und sich entsprechend verhält“, erklärt Irene Mihalic, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Nicht in der Annäherung an AfD-Positionen liegt der Auftrag der Union, sondern darin zu zeigen, wo der Unterschied zu diesen Feinden der Verfassung liegt.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Von der schwarz-roten Koalition erwarten die Grünen nach der geplatzten Wahl „so schnell wie möglich“ die Einberufung einer Sondersitzung des Bundestags, „um die Wahl mit denselben Kandidatinnen und Kandidaten zu wiederholen und den entstandenen Schaden zumindest ansatzweise zu reparieren“, erklärt die Parlamentarische Geschäftsführerin weiter.

Richterwahl in der Sommerpause? Linke lehnen Grünen-Forderung ab

Eine Forderung, die Die Linke hingegen am Mittwoch ablehnte. Parteichefin Ines Schwerdtner erklärte in der ARD: „Ich bin strikt gegen eine Sondersitzung, bis nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen und auch geklärt sind.“ Eine Sondersitzung, die am Ende 200.000 Euro koste, wenn man alle Abgeordneten aus der Sommerpause zurückhole, sei überhaupt nicht zu legitimieren. Von der Regierung fordert Schwerdtner, eine Einigung über die Kandidaten herbeizuführen: „Sonst werden wir das Theater noch einmal aufführen.“ 

Am Freitag war die Wahl zweier neuer Richterinnen und eines Richters für das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe kurzfristig von der Tagesordnung des Bundestags abgesetzt worden. Der Druck gegen Brosius-Gersdorf war in der Union zu groß geworden. Die Debatte um die Juristin sei „völlig schief“, kritisiert Mihalic. „Die Vorstellung, dass Verfassungsrichterinnen und -richter politisch neutral sein müssten, ist einfach noch in einem vordemokratischen Denken verortet.“ Lege man diesen Ansatz der „falsch verstandenen Neutralität“ zugrunde, „könnte man sich zukünftig wohl auf gar keine Person mehr einigen“.

Grüne kritisieren Union nach geplatzter Richterwahl: „Diffamierungskampagne weitergetragen“

Der Unionsfraktion wirft die Grünen-Politikerin vor, „die Diffamierungskampagne nach dem Playbook ultrarechter und scharf konservativer Kreise weitergetragen“ zu haben. CDU/CSU fehle „zunehmend der Kompass“, kritisiert Mihalic. „Schlimm ist, dass die Union populistische Debatten aus rechten Kreisen mittlerweile ungefiltert ins Parlament trägt.“

Geplatzte Richterwahl: Irene Mihalic, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, fordert von der Union, „wieder den Kurs der Verantwortung“ einzuschlagen. (Symbolbild)

Ähnlich äußerte sich auch die Linken-Parteichefin. Schwerdtner beklagte eine beispiellose Hetzkampagne von rechts gegen Brosius-Gersdorf – der sich die CDU gebeugt habe. Mehrere Unionsabgeordnete hatten Brosius-Gersdorf vor der abgesagten Wahl öffentlich als ungeeignet und unwählbar bezeichnet – andere hatten sich anonym zitieren lassen: Die Juraprofessorin sei „eine ultralinke Juristin“. Begründet wurde das unter anderem mit Äußerungen von Brosius-Gersdorf zu Corona-Impfungen und mit ihrer Haltung zu Abtreibungen.

Richterwahl nach Debatte um Brosius-Gersdorf geplatzt – Merz reagiert gelassen: „Undramatisch“

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich nach der abgesagten Wahl vergleichsweise gelassen geäußert. „Das Ganze ist undramatisch“, urteilte der Kanzler im Sommerinterview der ARD. Der Kanzler bedauerte allerdings, dass nicht zwei unstrittige Kandidaten für das Bundesverfassungsgericht gewählt worden seien. „Wir hätten natürlich früher erkennen können, dass da großer Unmut besteht“, räumte Merz ein. „Aber das nun wirklich kein Beinbruch.“

Am Dienstag meldete sich auch Brosius-Gersdorf zu Wort. Zunächst in einem Schreiben, später in der ZDF-Talk-Sendung „Markus Lanz“. Gegen die Vorwürfe, „ultralinks“ oder „linksradikal“ zu sein, wehrte sich die SPD-Kandidatin. Das sei „diffamierend und realitätsfern“. In der Talksendung am Abend berichtete Brosius-Gersdorf von Drohungen. An ihrer Kandidatur wolle sie trotz aller Kritik festhalten. Sollte dem Gericht in der Debatte um die geplatzte Richterwahl aber Schaden drohen, würde sie sofort verzichten: „Das ist ein Schaden, den kann ich gar nicht verantworten.“ (pav mit dpa)

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